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Krefeld
"Deep Purple" mit zu wenig Ian Gillan

"Deep Purple" in Krefeld mit zu wenig Ian Gillan
Schon ein paar Fältchen im Gesicht, aber immer noch in ungetrübter Spiellaune: "Deep Purple" traten am Samstag im Königpalast auf. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Die Senioren des Hard-Rocks begeisterten am Samstag ihre Fans im gut besetzten Königpalast. Von Mojo Mendiola

Der Königpalast war prima besucht, als die britischen Hard Rock-Veteranen "Deep Purple" dort am Samstag ihr Konzert gaben. Zunächst aber spielte ein famoses Trio aus dem niederländischen Limburg auf, das sich "DeWolff" nennt - nein, es waren nicht "Dear Wolf" aus Krefeld - und sie rockten mit Leib und Seele bei erstklassigem Sound.

Im Klangbild der Hammond B 3 brillierte Robin Piso als wahrer Teufelskerl an den Tasten und hätte sich aus dem Stand mit Leon Russell oder Billy Preston duellieren können. Nicht minder virtuos Pablo van de Poel, der mit seiner Gitarre wie ein Wirbelwind durch die Straßen von Chicagos Südseite bis hinunter an die Ufer des Mississippi fegte und gesanglich irgendwo zwischen Ozzy Osbourne, Tiny Tim und Jim Morrison siedelte. Ebenfalls exzellent dazu sein Bruder Luka van de Poel am Schlagzeug. In ihrem pulsierenden, mit Psychedelic Rock und Reggae angereicherten Boogie bündelten sie alle großen Tugenden der Rock-Musik um 1970 und servierten sie so frisch, als seien sie gerade erst erfunden worden. Das Publikum war Feuer und Flamme, und eine halbe Stunde lang wirkte die Bestuhlung der Halle eher störend.

Die eingefleischten Hard-Rock-Fans hielt es schon bald nicht mehr auf ihren Plätzen. Vor allem die bekannten Songs sorgten für Stimmung. FOTO: Lammertz Thomas

Nach der Umbaupause war es dann Zeit für die Ohrstöpsel, denn auch in ihrer Lautstärke unterstrichen die tief purpurnen Fünf ihren Anspruch, zu den Begründern des Hard Rock-Genres zu gehören. Sie ließen aber auch schnell erkennen, dass sie nach satten 49 Jahren Bühnenkarriere und 19 Studio-Alben immer noch nicht verbraucht sind. Und anders als andere Showbiz-Senioren scheuten sie sich auch nicht, ihrem Publikum ihre gealterten Gesichter zu zeigen. Etliche Videokameras und die große Projektionswand hinter der Band erlaubten es, den Musikern genau auf die Finger und sogar in die Augen zu schauen.

Die ersten 25 Minuten spielte "Deep Purple" praktisch ohne abzusetzen durch. Die instrumentale Doppelspitze von Gitarrist Steve Morse und Keyboarder Don Airey funktionierte in ihrem Wechselspiel so tadellos wie eh und je. Und während die Songs in ihrer Grundstruktur das anfänglich in dieser Band so reizvolle Spannungsfeld zwischen weich und hart längst verlassen und sich ganz auf die harte Seite geschlagen haben, gaben Morse und Airey in ihren Soli dem Harmonisch-melodischen durchaus Raum.

Roger Glover am Bass, präsent, aber unaufdringlich, und Ian Paice am Schlagzeug, mit sauberem Biss, trugen das ihre dazu bei, und so bot das Quintett eine durchaus solide Show, auch wenn das jüngere Repertoire nicht mehr solche Ohrwürmer bot wie das Jugendwerk der Combo.

Schade nur, dass Ian Gillan, auch mit über 70 Jahren noch bemerkenswert bei Stimme, von den Sound-Mixern nicht klar genug in den Vordergrund gestellt wurde und deshalb bei nahezu null Textverständlichkeit unter seinem Rang gehandelt wurde.

Quelle: RP
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