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Serie Menschen Im Advent
Den Ärmsten der Armen helfen

Serie Menschen Im Advent: Den Ärmsten der Armen helfen
Hugo Lankes kocht in der kleinen Küche des Tagestreffs "Die Brücke". Jeden Tag kommen zwischen 40 und 60 Besucher, die sich bei einer warmen Mahlzeit mit Gleichgesinnten austauschen können. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Hugo Lankes engagiert sich seit knapp zehn Jahren im Tagestreff "Die Brücke" für Menschen, die auf der Straße leben. Von Bärbel Kleinelsen

Hugo Lankes ist ein Original. Seit knapp zehn Jahren gehört der 53-Jährige mit dem markanten Schnurrbart zum Ehrenamtlichen-Team im Tagestreff "Die Brücke". Der Treff an der Tannenstraße ist ein Ort der Begegnung für Menschen, die auf der Straße leben. Die Emmaus-Gemeinschaft, als Träger der "Brücke", handelt damit im Sinne ihres Gründers Abbé Pierre, der sagte: "Hilf denen, denen es noch schlechter geht als Dir selbst."

Hugo Lankes ist Mitglied der Emmaus-Gemeinschaft. Für ihn ist die Arbeit im Tagestreff selbstverständlich. "Ich war damals arbeitslos und wollte etwas Sinnvolles machen, etwas, was anderen hilft", erinnert sich der 53-Jährige. Den Tagestreff lernte er zuerst als Besucher kennen. "Aber das reichte mir nicht, ich wollte mehr." Und so engagiert sich der Krefelder, der seit einer Erkrankung nicht mehr in seinem Beruf als Stuckateur arbeiten kann, einmal die Woche für die Ärmsten der Armen. "Es ist gut, wenn man Lebenserfahrung mitbringt, um die Probleme zu verstehen, die viele unserer Besucher haben. Wir sind eine Gemeinschaft und begegnen uns auf Augenhöhe", sagt Lankes.

Wer jedoch bei Gemeinschaft auch an gemeinsames Arbeiten denkt, der wird enttäuscht. "Die große Mehrheit unserer Gäste hat keine Lust zu arbeiten. Wenn man sie zu regelmäßigen Aktionen einladen möchte, zum Beispiel um den Garten auf Vordermann zu bringen, sind sie aus den unterschiedlichsten Gründen schnell verhindert. Das muss man so akzeptieren", erklärt Hugo Lankes. Dennoch finde man dann helfende Hände, wenn spontan eine Waschmaschine getragen werden müsse. "So was ist absolut kein Problem."

Zwischen 40 und 60 Gäste kommen tagtäglich in "Die Brücke". Die meisten sind männlich und zwischen 30 und 50 Jahre alt. Sind es am Anfang des Monats noch eher wenige, die das Angebot einer kostenlosen Mahlzeit und warmer Getränke nutzen, so werden es schnell mehr. "Das Geld reicht bei den meisten nicht lange. Und wird es knapp, kommen sie zu uns", erklärt Dirk, 48 Jahre. Er hilft ebenfalls ehrenamtlich, wird den Treff aber schon bald wegen einer anderen Arbeit verlassen. Er erzählt: "Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man ganz unten ist. Ich habe selbst Erfahrungen mit Drogen gemacht und drei Monate lang im Auto geschlafen. Um überhaupt etwas im Magen zu haben, musste ich mir Erdbeeren vom Feld und Äpfel aus fremden Gärten pflücken. Das war Diebstahl, da darf man sich nichts vormachen. Aber ich weiß auch, dass Menschen sich ändern können. Heute habe ich mit Drogen nichts mehr zu tun."

Dirk glaubt fest an das Gute im Menschen und gibt jedem eine Chance. Wie die anderen Ehrenamtlichen auch empfindet er die Arbeit im Treff nicht als anstrengend, sondern als Bereicherung, besonders die intensiven Vier-Augen-Gespräche, die aus Platzgründen meist draußen stattfinden müssen.

Das Ehrenamtler-Team hat sich fürs kommende Jahr einiges vorgenommen. So wollen die Helfer den Garten neu gestalten, dort ein Gemüsebeet anlegen und gemeinsam mit den Besuchern grillen oder einfach nur die Sonne genießen. Eine Verjüngungskur für "Die Brücke" erhoffen sie sich durch eine Graffiti-Aktion, mit deren Hilfe nicht nur junge Leute auf den Treff aufmerksam gemacht werden sollen, sondern wodurch auch eine frisch verputzte Gartenmauer neuen Pep bekommen soll.

Am Ende des Gartens gibt es eine Tür, die zu einer Halle der ehemaligen Samtweberei führt. Sie soll als Verbindung zu den dortigen Bewohnern dienen und einen regen Austausch fördern. "Wir haben die Hoffnung, dass wir von der Aufbruchstimmung in der Nachbarschaft profitieren können und vielleicht den ein oder anderen finden, der uns bei unserer Arbeit unterstützt", sagt Dirk. Denn Unterstützung kommt manchmal unerwartet. "Wir haben zum Beispiel eine große Roma-Familie, die fast jeden Samstag für uns kocht. Unsere Besucher freut das sehr, da sie dann sicher sein können, dass sie auch noch ein drittes oder viertes Würstchen bekommen", erzählt Hugo Lankes und schmunzelt. Ihr regelmäßiges Engagement erklären die Familienmitglieder damit, dass sie Armut aus ihrer Heimat kennen und helfen wollen. "Da bei uns oft das Geld für Essen knapp ist, sind solche Spenden natürlich sehr willkommen", sagt der 53-Jährige.

Gut wäre es, wenn Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen beim Tagestreff mitmachen würden, da auch der Anteil ausländischer Besucher stetig zunehme, sagt Lankes. Einen türkischen Helfer hätten sie bereits. "Der ist die beste Spülhilfe, die man sich nur vorstellen kann, und wir sind ihm dafür sehr, sehr dankbar."

Gesucht werden Ehrenamtliche, die sich für die Gemeinschaft engagieren möchten. Infos unter www.emmaus-krefeld.de oder Telefon 02151 396795.

Besonders benötigt werden derzeit Geldspenden: Spendenkonto: 170 115 1018, BLZ 320 603 62, Volksbank Krefeld.

Quelle: RP
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