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Krefeld
Der Beatles-Fotograf aus Krefeld

Krefeld: Der Beatles-Fotograf                 aus Krefeld
Elmar Welge (67) hat die Beatles während ihrer Bravo-Blitztournee fotografiert. Kuriose Tricks halfen ihm, seinen Stars näher zu kommen. Jetzt verkauft Welge die Motive als Kalender. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Im Juni 2016 jährt sich die Beatles-Bravo-Tour zum 50. Mal. Der Krefelder Elmar Welge ist auf kuriosem Wege als Fotograf dabei gewesen. Die Rheinische Post verlost drei seiner Kalender, die jetzt zum Tourjubiläum erscheinen. Von Sebastian Peters

Ohne diese gewisse Portion Dreistigkeit wäre es Elmar Welge (67) aus Krefeld wohl nie gelungen, Fotograf von John Lennon zu werden. Dieser Job konnte nur unter Zuhilfenahme kleiner Tricks gelingen: 1966 gingen die Beatles auf Einladung der Jugendzeitschrift Bravo auf Deutschland-Blitztournee. Elmar Welge war damals 18 Jahre alt und in Krefeld auf dem besten Weg, Berufsfotograf zu werden. Er mochte die Beatles, seitdem er einer Sandkastenfreundin "Love Me Do" vorgespielt hatte, also musste er nach München, wo die Blitztournee begann. "Ich wollte sie unbedingt fotografieren."

Welge, später Assistent des berühmten Charles Wilp in Düsseldorf, war schon als junger Mann nicht unerfahren an der Kamera. Schon in früheren Jahren, seine Eltern besaßen ein Restaurant in Krefeld, kam er mit vielen Prominenten in Kontakt. "Das hat meinen Blick für Menschen geschärft." Er fotografierte im Krefelder Jazzkeller, unter anderem bekam er dort Klaus Doldinger und Udo Lindenberg vor die Linse. "Mein Bruder saß im Jazzkeller an der Kasse, ich kam da für lau rein." Als also Elmar Welge, der eigentlich Elvis-Fan ist, vom Auftritt der Beatles in München hörte, sagte er seinem Vater, dass er nach München zur Fachschule für Kameraleute gehen wolle, um sich dort anzumelden. Der Vater gab ihm das Fahrgeld. "Wenn ich gesagt hätte, dass ich zu den Beatles wollte, hätte ich das Geld nie bekommen." Beim Herausgeber der Bravo, dem Bauer-Verlag, meldete sich Welge telefonisch. "Ich will unbedingt die Beatles fotografieren." Der Typ am Telefon habe ihm dann gesagt, dass er sich akkreditieren müsse. "Ich kannte das Wort gar nicht", sagt Welge heute. Nach einigem Verhandeln hieß es: "Kommen sie mal."

30 Minuten dauerte das erste Konzert in München 1966, als die Beatles schon über ihren Zenit hinaus waren. "Die Länge war eigentlich eine Frechheit", sagt Welge heute. Er hielt dennoch drauf, schoss mit den Filmen, die er bei sich trug, Bild um Bild. "Mir ging es nicht um Konzertaufnahmen. Mir ging es darum, meinen Stars nah zu sein." Insbesondere die Termine vor der Presse hätten ihn interessiert. Dort kam er den Beatles erstmals richtig nah. Nach dem Konzert folgte er den Beatles noch zum Hotel im Bayrischen Hof ("Da waren 1000 Leute vor dem Hotel"), um sich dann zu entscheiden, nach Hause zu fahren. Im Gespräch mit Fans habe er dann erfahren, dass der Sonderzug, mit dem die Beatles von München nach Essen zum nächsten Tourort fahren würden, gleich um die Ecke stand. Welge wollte da rein.

Diese Aufnahme von Welge zeigt die Beatles vor einer provisorisch aufgebauten Bühne. FOTO: Thomas Lammertz

Wieder bediente er sich eines Tricks: Er verhandelte mit einem Kochlehrling des Zugs. "Ich steckte ihm 20 Mark in die Kitteltasche, der hat mich in den Zug gelassen." Welge sagt, er habe sich dann in einem Küchenschrank versteckt. Erst als der Zug München längst verlassen hatte, wagte er sich raus, ging über die Gänge und sah John Lennon und Paul McCartney am Zugfenster stehend, offenbar auf die Loreley wartend. "Ich hatte meine Kamera bei mir, eine Rolleiflex, das war ein besonderes Teil, eigentlich unpraktisch, ziemlich groß, 6 mal 6 großes Format", sagt Welge heute. Sie habe das Interesse des Musikers geweckt. "John sagte mir, dass er in wenigen Tagen nach Japan führe und dort auch eine solche Kamera kaufen wolle." Welge versprach Lennon und McCartney, dass er ihnen alle Touraufnahmen schicken werde.

300 Bilder sind es am Ende geworden, die er senden konnte. Es hätten mehr sein können, sagt Welge. Im Zug habe aber einer der Organisatoren aus Neid über den intensiven Kontakt Welges mit den Beatles einige Filme entwendet. "Mindestens sechs Filmrollen hat er mir weggenommen." Und doch hat Welge der Kontakt zum Superstar Lennon geholfen. Bei der Pressekonferenz zum nächsten Konzert in Essen sei er zu spät gekommen, weil er eigentlich noch neue Filmrollen aus Krefeld holen musste. Ganz hinten habe er gestanden, sei durch die Reihen gestolpert. Dabei sei seine Kamera sogar zum Teil zerstört worden. John Lennon habe ihn dann nach vorne zitiert. "Ich dachte erst, er schmeißt mich raus." Dann aber realisierte Welge, dass Lennon ihm helfen wollte.

Drei Jahre vergingen, Welge war längst in anderer Mission als Fotograf tätig, bis er im Frühjahr 1969 plötzlich einen Anruf erhielt. "Am anderen Ende der Leitung war das Büro von Apple Records, der Beatles-Plattenfirma. Sie sagten, ich solle am 24. März in das Hilton-Hotel in Amsterdam kommen." Als einziger deutscher Fotograf habe er die Erlaubnis bekommen, den legendären Bed In von John Lennon und seiner Frau Yoko Ono zu fotografieren. Als Protest gegen den Vietnam-Krieg setzte sich das Paar eine Woche lang im Beisein der Weltpresse ins Bett - Pennen als Protest. Von 9 bis 21 Uhr stand die Suite den Fotografen offen. Und Welge war dabei. Mit Lennon verstand er sich so gut, dass er sich abermals mit ihm traf, Anfang der 70er in London. "John holte mich mit seinem 600 Mercedes in der City ab. Ich zeigte ihm dann meine Fotos." Jahrzehntelang arbeitete Elmar Welge danach als Fotograf, knüpfte Freundschaften zu prominenten Personen wie Udo Lindenberg und Alfred Biolek, fotografierte Architektur, ferne Städte, doch diese Treffen mit Lennon haben ihn geprägt.

Welge lebt heute mit Freundin an der Bismarckstraße in Krefeld. Die Beatles haben ihn nie losgelassen. Welge lässt die Beatles weiterleben. Seinen mittlerweile dritten Kalender mit Beatles-Motiven bringt er jetzt heraus. Zur Bravo-Jubiläumstournee im nächsten Juni zeigt er jetzt alte Aufnahmen noch einmal. So nah wie damals komme man den Stars heute nicht mehr. "Heute sind das alles Paradiesvögel."

Quelle: RP
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