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Krefeld
Der "Blaue Waggon" ist Vergangenheit

Krefeld: Der "Blaue Waggon" ist Vergangenheit
Samstag, kurz vor 10 Uhr: Mit brachialer Gewalt frisst sich der Greifer des Baggers zuerst in den Gepäckwagen des "Blauen Waggon". Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung. FOTO: lez
Krefeld. An seiner Stelle wird - voraussichtlich ab Mitte Oktober - die "Brauerei Schlüffken am Nordbahnhof" errichtet. Von Jochen Lenzen und Bärbel Kleinelsen

Der Dauerregen am stimmungstrüben Samstag passt irgendwie zu dem, was sich an diesem Morgen am Oranierring tut: Mit brachialer Gewalt frisst sich der Greifer eines Baggers zuerst in den Gepäckwagen des "Blauer Waggon" genannten Ensembles vor dem Bahnsteig des Nordbahnhofs. Wenige Stunden später ist auch der Salonwagen verschwunden; die Trümmer werden abtransportiert. Der "Blaue Waggon", in dem über mehr als 20 Jahre wohl jeder Krefelder einmal gefeiert hat, ist damit Vergangenheit.

Die Zukunft gehört der "Brauerei Schlüffken am Nordbahnhof", die dort errichtet und das neue Altbier namens "Schlüffken" produzieren wird. Die Genehmigung dafür liegt inzwischen vor. Jetzt werden Versorgungsleitungen gelegt, damit Mitte Oktober mit dem Bau begonnen werden kann.

Der Abriss des "Blauen Waggon" war so nicht geplant, erzählt Nordbahnhof-Chef Viktor Furth im Gespräch mit unserer Redaktion. Eigentlich sollten die stadtbekannten Waggons, die die Familie Furth an eine Gleisbaufirma verkauft hatte, andernorts wieder aufgestellt werden. Leider habe der Erwerber jedoch keinen Abnehmer für das außergewöhnliche Ensemble gefunden, so Furth.

Die Waggons waren Mitte der 1990er Jahre aufgestellt und mit einer "Gleisrevue" mit Schauspielern des "Dampftheaters" eingeweiht worden. Die "Gleisrevue" lief über fünf, das "Dampftheater" mit der Aufführung von Sketchen und musikalischen Beiträgen auf dem Bahnsteig und im fahrenden Schluff sogar über ein Dutzend Jahre. "Wir haben in Erinnerung an diese und viele weitere Veranstaltungen in den beiden Waggons und auf dem Bahnsteig schon ein paar Tränchen verdrückt", sagt Viktor Furth.

Auch zahlreiche Facebook-User bedauern den Abriss der gelb-blauen Wagen. So schreibt ein Mann, der täglich auf dem Weg zur Arbeit am Nordbahnhof vorbeifährt: "Sie werden mir fehlen!" Ein anderer ergänzt: "Sie waren Bestandteil vom Schluff. Mich haben sie nicht gestört, aber mein Herz hing auch nicht dran." Eine Frau findet den Abriss "schade". Eine andere hätte aus den Waggons gern eine Wohnung oder einen Kinderspielplatz gemacht. "Bestimmt cool." Dem widerspricht ein anderer: "Die Waggons waren absolut nicht mehr zu retten. Der Rost hatte die sicherheitsrelevanten Teile stark befallen. Eine Instandsetzung war wirtschaftlich nicht tragbar..."

Bei weit über hundert Kommentaren zu diesem Thema in den sozialen Netzwerken ist jedoch klar: Das Ende des "Blauen Waggon" beschäftigt die Krefelder. Doch trotz aller Wehmut freut sich Nordbahnhof-Wirt Viktor Furth auf das, was jetzt kommen wird.

Denn mit dem künftig dort angesiedelten Brauhaus und seinem "Schlüffken"-Bier wird eine neue Ära eingeleitet - die vielleicht wieder Erfolgsgeschichte schreibt.

Quelle: RP
 
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