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Krefeld
Der Campendonk-Irrtum

Krefeld. Das Aquarell, das Krefeld von einem Linnicher erhalten hat, stammt nicht von Heinrich Campendonk, wie die Stadt anfangs meldete. Es hat sich herausgestellt, dass es von Hermann Kampendonk (1909-1994) ist - ebenfalls ein Krefelder Maler. Von Petra Diederichs

Hermann Kampendonk war ein Maler voller Leidenschaft. Seinen Zeitgenossen am Niederrhein war er als Künstler bekannt. Der große überregionale Ruhm war ihm verwehrt. Durch wirtschaftliche Nöte war er in Brotberufe gedrängt worden, um seine Familie zu ernähren. Dank eines Irrtums bringt er sich jetzt postum in seiner Geburtsstadt Krefeld in Erinnerung: mit einem unbetitelten Aquarell, das er um 1945 gemalt hat.

Das Aquarell hatte der Linnicher Alfred Breuers der Stadt Krefeld überlassen. Als das Bild jetzt bei den Kunstmuseen ankam, stellte sich heraus, dass es nicht, wie angenommen, eine Arbeit von Linnichs entferntem Verwandten, dem bekannten Künstler Heinrich Campendonk (1888-1957), war. Es stammt von Hermann Kampendonk (1909-1994). Dort erkannte man die Signatur: H. Kampendonk.

Es ist nicht das erste Bild vom "K"-Kampendonk in den Kunstmuseen. Zur Sammlung gehören bereits fünf Werke aus den frühen 1950er Jahren. 1949 und 1969 waren Kampendonks Arbeiten im Kaiser-Wilhelm-Museum und 1958 in Haus Lange ausgestellt. Nach seinem Tod wurden seine Bilder zum 50-jährigen Bestehen der "Niederrheinischen Künstlergilde" und der "Gruppe 45", denen er angehört hatte, im Kunstverein am Westwall gezeigt. Niederrheinlandschaften waren ein großes Thema für Kampendonk. Das, was wir im vorangegangenen Bericht als Campendonk-untypisch bezeichnet haben, gehörte zum Markenzeichen des Mannes, den Freunde "Manes" nannten: die zarten Töne, die idyllische Anmutung und die Liebe zu den satten Wiesen, den tiefen Himmeln und dunstigen Nebelschwaden. In seiner Heimat war er verwurzelt: Er schuf Glasfenster für Bauernhöfe und Kirchen und malte den Chorraum von St. Mariä-Himmelfahrt in Linn aus.

Das waren Auftragsarbeiten, die sein Künstlerherz gewärmt haben müssen. Denn oft musste er Kompromisse eingehen, die Redensart "Kunst geht nach Brot" war der Faden, der sich durch sein Leben zog - Begründung für viele nicht gewährt Chancen.

Kampendonk stammte aus einem musischen Elternhaus. Heinrich Campendonk verkehrte dort - und malte auch oft dort, berichtet Kampendonks älteste Tochter Helga in einem Artikel für "Die Heimat" zum 100. Geburtstag ihres Vaters 2009. Er habe nach dem Abitur an der Oberrealschule (heute Fichte-Gymnasium) Architekt werden wollen. Die Finanzkrise der Zwanziger Jahre machte das unmöglich. So wurde er Berufsschullehrer im Fach Kunst, besuchte später die Kunstgewerbeschule, war Schüler von Johannes Itten. Bis zum Einzug zum Kriegsdienst war er als Textilgestalter bei den Girmeswerken in Oedt. Beim großen Luftangriff auf Krefeld wurde die Wohnung an der Hubertusstraße , die Kampendonk mit seiner Frau und den inzwischen zwei Kindern bewohnte, völlig ausgebombt. Auch die Häuser, in denen seine Eltern und Schwiegermutter wohnten, wurden zerstört - und damit auch viele Bilder von Heinrich Campendonk.

Kriegsgefangenschaft, Evakuierung und Not bestimmten Kampendonks Leben. Ruhe kehrte ein, als die Familie zum 1. Juli 1948 eine Wohnung an der Paul-Schütz-Straße zugewiesen bekam. Als freiberuflicher Maler und Grafiker hielt er die Familie mit Auftragsarbeiten über Wasser. Nun waren vier Kinder zu versorgen - Kampendonk arbeitete viel für die Textilindustrie, entwarf Küchen- und Badehandtücher, Etiketten, Stoffe und gestaltete Urkunden. Unzufrieden oder missmutig aber habe man den Vater nie erlebt. Im Gegenteil, ein Familienmensch sei er gewesen, der mit den Kindern viel gebastelt, ihren Sinn für Natur und Kunst geschult und gesellige Runden bei Herbst Pitt mit Gitarrenmusik unterhalten habe.

1972 ist die Familie nach Kempen gezogen, wo Hermann Kampendonk 1994 starb.

Quelle: RP
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