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Krefeld
Der "Engel der Kulturen" prangt auf dem Platz an der Alten Kirche

Krefeld. Viel Zeit hatten die Vorbereitungen in Anspruch genommen, viele gemeinnützig engagierte Organisationen und Privatleute hatten dabei mitgeholfen, und gestern war es nun soweit. Die Aktion "Engel der Kulturen" des Künstlerpaars Carmen Dietrich und Gregor Merten kam auf Einladung des Krefelder Friedensbündnisses in die Seidenstadt. Bei bestem Wetter versammelten sich zahlreiche Menschen an der ersten Station, der Josefschule, von wo aus der große Friedensring der drei abrahamitischen Religionen, eine Stahlskulptur von 1,50 Meter Durchmesser, zu diversen Stationen in der Stadt gerollt wurde. Besonders beeindruckte am Mahnmal der Alten Synagoge das Gedenken an die Reichspogromnacht im November 1938, und nicht von ungefähr wurden in mehreren Wortbeiträgen Parallelen zu den heutigen Brandanschlägen auf Sammelunterkünfte für Migranten gezogen. Musikalisch taten sich hier Roland Stuers mit dem Oberstufenchor des Arndt-Gymnasiums und der Djembe-Trommler Morton Gulbrandsen hervor. Von Mojo Mendiola

So hatte bereits viel Nachdenklichkeit, aber auch viel Fröhlichkeit die Menschen bewegt, als sie auf dem Platz an der Alten Kirche ankamen, wo sie von Azzedine Mihoubi, Max Zelzner und Ozan Safak ebenfalls mit Musik empfangen wurden. Und dort war auch schon die Bodengrube vorbereitet, in die der kleinere Ring von 50 Zentimeter Durchmesser von den Künstlern als Bodenintarsie einzementiert wurde. In dem Ring sind die religiösen Symbole Davidstern, Kreuz und Halbmond so miteinander verbunden, dass sich im Inneren des Kreises die Silhouette eines Engels ergibt. Mit dieser Anordnung soll ausgedrückt werden, dass keine Gruppe herausgelöst werden kann, ohne dass die anderen mit beschädigt würden. Und nicht nur Rabbi Wagner, Pfarrer Hendricks, Dr. Lothar Zimmermann und Mesut Akdeniz als Vertreter der zahlenmäßig großen Gruppen, auch Hagen Heimbucher (Bahá'i-Gemeinde), Gönül Erez (Aleviten-Gemeinde) und Venthaan (Hindu-Gemeinde) brachten - wie auch Oberbürgermeister Frank Meyer in seinem kompakten Abschlusswort - einmütig ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass das interkulturelle Zusammenleben in der 139-Nationen-Stadt Krefeld nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch im Alltag meist gelinge, dass man dies aber in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus auch entschlossen verteidigen müsse.

Erfreulich war der rege Anteil, den besonders viele Jugendliche an der Veranstaltung nahmen, und herzlichen Applaus erhielt auch Meyer, als er selbst den Schneidbrenner in die Hand nahm und mithalf beim Ausbrennen der Intarsie für die nächste Stadt.

Quelle: RP
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