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Karin Meincke
Der gute Geist der Schwesternschaft

Karin Meincke: Der gute Geist der Schwesternschaft
Karin Meincke wird am Samstag im schönen Mutterhaus der DRK-Schwesternschaft an der Hohenzollernstraße feierlich verabschiedet. FOTO: Daniel Schäger
Krefeld. Zu ihrem Abschied kommt auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Karin Meincke wird am Samstag als Oberin der DRK-Schwesternschaft in den Ruhestand verabschiedet. 26 Jahre prägte sie die Schwesternschaft - und Krefeld. Von Jens Voss

Wenn Karin Meincke, Oberin der DRK-Schwesternschaft Krefeld, am Samstag in den Ruhestand verabschiedet wird, dann gehört auch Bundesgesundheitsminister Gröhe zu denen, die ihr Lebenswerk würdigen werden. Meincke war mehr als 26 Jahre als Oberin und 46 Jahre in der Krankenpflege tätig. Für Krefeld hat sie sich unschätzbare Verdienste erworben - mit ihrem Namen sind Projekte wie das Stups-Kinderzentrum und die Gründung der Hospizstiftung verbunden. Wir sprachen mit ihr über den besonderen Geist der Rotkreuz-Schwesternschaft.

Wie kam es, dass Sie Krankenschwester wurden?

Meincke (lacht) Die ersten Eindrücke hatte ich mit vier Jahren. Ich war eine recht rabiate Kindergartenverweigerin. Meine Mutter hat als Krankenschwester im Clemenshospital in Geldern gearbeitet und musste mich ab und zu notgedrungen dorthin mitnehmen. Und da haben mich dann die Clemensschwestern unter ihre Fittiche genommen. Das war meine erste Stelle im Krankenhaus: Ich durfte dort Kinderfläschchen saubermachen und Windeln legen. Irgendwann durfte ich bei Schwester Ventura an der Pforte sitzen und Briefmarken aufkleben. Als ich Zahlen konnte, durfte ich auch schon mal eine Verbindung herstellen. Bei Schwester Sekunda lernte ich in der Wäscherei mangeln, und mit zwölf Jahren kam alle 14 Tage Sonntagsdienst dazu.

Okay, das prägt. Sie haben dann die Ausbildung zur Rotkreuz-Krankenschwester gemacht. Relativ früh sind Sie mit dem Thema Sterbebegleitung in Kontakt gekommen. Wie kam das?

Meincke Das fing im Grunde auch schon in meiner Jugend bei den Clemensschwestern an. Als ich zwölf war, hat Schwester Judith einmal zu mir gesagt: 'Karin, du bist ein gut katholisches Mädchen; da hinten ist eine ganz einsame Frau, die im Sterben liegt; setz dich zu ihr ans Bett und bete mit ihr den Rosenkranz'. Das hab ich dann auch getan.

Die Hospiz-Bewegung gab es wohl noch nicht. Es wurde eben gestorben.

Meincke Damals wurde oft noch zu Hause gestorben; wer allein war, kam ins Krankenhaus. Ich habe die meisten Fälle von Sterben zu Hause erlebt. Das hing auch damit zusammen, dass meine Mutter Krankenschwester war. Wenn in der Verwandtschaft jemand im Sterben lag, wurde sie gerufen und ich musste als Nesthäkchen mit. So bin ich früh damit konfrontiert worden, dass Sterben zum Leben dazugehört.

Was hat Sie an den Rotkreuzschwestern überzeugt? Gibt es einen besonderen Geist?

Meincke Den Geist, den ich bei der Schwesternschaft besonders liebe, ist der Zusammenhalt untereinander. Der Rotkreuz-Gedanke, dem Menschen in Not in seiner Pflege zu helfen, gilt auch nach innen: Die Fürsorge der Schwestern gilt auch füreinander. Die Gemeinschaft ist zwar weltlich, aber ordensähnlich; deswegen sitzen wir ja auch gerade in einem Mutterhaus. Bis in die 60er Jahre galt das Prinzip, das Rotkreuz-Schwestern nicht verheiratet sein durften. Dies ist heute natürlich anders, aber man ist als Krankenschwester noch immer Mitglied und führt einen Teil seines Verdienstes als Mitgliedsbeitrag ab.

Dieser besondere Geist zeigt sich auch in der Art, in der Sie als Oberin Projekte angegangen sind?

Meincke Als Oberin habe ich die Entwicklung von Projekten geführt, die von den Rotkreuzschwestern immer mitgetragen wurden. Wir - Oberin, Vorstand und Mitglieder - entwickeln die Schwesternschaft weiter zu einer modernen Pflege-Organisation mit eigenen Konzepten für neue gesellschaftliche Situationen. Schauen Sie auf die Wohnanlage von Bruck-Platz: Hierfür haben wir das Konzept des "Wohnens für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen" entwickelt. Ein anderes Thema ist der Ambulante Pflegedienst, der sich immer weiter vergrößert. Dabei geht es darum, neue und aktuelle pflegewissenschaftliche Erkenntnisse aufzugreifen, damit jede Pflegende unsere Patienten gut betreut.

Zu den Dingen, die mit Ihrem Namen verbunden sind, gehört das Stups-Kinderzentrum. Müssen Kinder anders gepflegt werden als Erwachsene?

Meincke: Ja - die Kinderkrankenpflege ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein zentrales Thema der Rotkreuzschwestern. Kinder brauchen eine qualifizierte und ihrem Wesen entsprechende Kinderkrankenpflege - Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das Stups-Kinderzentrum ist heute ein Projekt unserer Schwesternschaft, das über das Konzept der sozialmedizinischen Nachsorge von einer Rotkreuzschwester gestartet wurde. Alle unsere Mitglieder stehen dahinter, wir haben heute ein Netzwerk für Familien mit kranken, behinderten und nicht-behinderten Kindern mit dem Stups-Kinderzentrum in Königshof; mit integrativer Kita, der integrativen Großtagespflege für behinderte, kranke und gesunde Kinder, dem Kinderhospiz "Pflege auf Zeit" und dem Ambulanten Kinderkrankenpflegedienst sowie der Sozialmedizinischen Nachsorge.

Sie sind Mitgründerin des Hospizes. Hat die Beschäftigung mit dem Thema Sterben Sie auch für den eigenen Tod gelassener werden lassen?

Meincke Das weiß ich nicht, ich glaube, ich hatte da schon immer eine etwas größere Gelassenheit, sonst hätte man diese Arbeit nicht machen können. Was ich sagen kann, ist, dass ich mir nicht wünsche, irgendwann einmal einfach tot umzufallen und nichts vom Sterben zu spüren. Ich möchte mich darauf selbstbestimmt vorbereiten können. Es mag pathetisch klingen: Ein Leben zu vollenden, heißt, noch einmal Erinnerungen aufarbeiten zu können, seinen Angehörigen noch einmal etwas Schönes zu sagen und sich verabschieden zu können.

Machen Sie im Ruhestand erst einmal eine Weltreise?

Meincke Das haben mich viele gefragt. Nein, keine Weltreise. Ich war nie der große Reisemensch. Und ich kann lange von dem zehren, was mir hier geschenkt wurde.

Quelle: RP
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