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Krefeld
Der Herr der Krefelder Wälder geht

Krefeld. Nach über 30-jähriger Tätigkeit in Krefeld hat Stadtförster Arno Schönfeld-Simon die Altersgrenze erreicht. Er sorgt sich um den Zustand der Hauptwirtschaftsbaumarten der Krefelder Wälder, die von einem Pilz bedroht werden. Von Otmar Sprothen

Noch einen Tag im Office, dann hat Arno Schönfeld-Simon das Ende seines Berufslebens erreicht. "Arno Schönfeld-Simon hat als Stadtförster innerhalb der Verwaltung den exotischsten Beruf", erklärte Umweltdezernent Thomas Visser, "Es gibt ihn nur einmal, und er darf nicht in allzu kurzen Zeiträumen denken."

Nach dem Forstwissenschaftsstudium in Göttingen kam der gelernte Forstwissenschaftler und Landschaftsplaner über Stationen in Duisburg, den Kommunalverband Ruhrgebiet, den Ville Naturpark und den Rheinkreis Neuss in den Dienst der Stadt Krefeld, die damals einen "Fachmann für Landschaftsplanung und ökologische Fragen" suchte. Ereignisse wie die Übernahme der Verantwortung für das Eifelwaldgut Schirmau 1997 mit seinen 200 Hektar Wald, die EUROGA 2000 und die Krefelder Forstwirtschaft ließen Schönfeld-Simon als Krefelder Stadtförster dann zu dem Tätigkeitsschwerpunkt gelangen, von dem er heute sagt: "Das Beste kam zum Schluss."

Wenn man mit Schönfeld-Simon spricht, merkt man: Waldpflege ist nichts für Hektiker. Hier denkt man in weiten Zeitspannen. Bedingt durch die Einschläge in der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Energieversorgung der darbenden Bevölkerung und die Entnahmen durch die Besatzer fand Schönfeld-Simon einen Untervorrat von 13 Prozent vor, der erst jetzt in Gleichlage gebracht werden konnte. Jährlich wachsen 3800 Festmeter Wald nach. 2800 Festmeter werden aber nur eingeschlagen, um gegenüber hereinbrechenden Stürmen oder Baumkrankheiten gewappnet zu sein. Im Krefelder Wald geht es mehr um Pflege und Gestaltung, um dem Ziel eines Erholungswaldes für die Bevölkerung gerecht zu werden. Geldverdienen mit dem eingeschlagenen Holz ist eher Beiwerk: 200.000 Euro sind die jährlichen Einnahmen aus dem Holzeinschlag.

Winterstürme wie Kyrill oder Friederike haben Schäden angerichtet. Diese waren aber nicht so gravierend wie in anderen Forsten. Die Krefelder Waldfläche hätte die Zerstörungen relativ unbeschadet verkraftet, weil 90 Prozent der Krefelder Bäume Laubbäume seien, die im Winter nicht durch das Gewicht ihres Laubes belastet waren. Jährlich würden in den 1019 Hektar Krefelder Waldfläche 8000 bis 14.000 Nachpflanzungen erfolgen. Diese Zahl sei vergleichsweise gering.

Eigentlich kann sich ein Erholungswald gut selber helfen. Doch macht sich Schönfeld-Simon echte Sorgen um den Zustand der Hauptwirtschaftsbaumarten Roteiche, Stieleiche, Bergahorn und Esche "Bisher mussten wir schon einen Kalamitätseinschlag von 700 Festmetern machen", sagte er besorgt, "wahrscheinlich werden wir 90 Prozent der Eschebestände verlieren." Auch Rot- und Stieleiche sind von einem Pilz befallen, der das Hauptwurzelsystem angreift und dadurch der Standfestigkeit der Bäume zusetzt.

Stolz ist der scheidende Stadtförster, dass es ihm gelungen ist, den landschaftlich ausgeräumten Krefelder Süden durch den "Biotopverbund Krefelder Süden" neu zu begrünen. Seit 2005 hat die Krefelder Waldfläche um 10 Prozent zugenommen. An dem geltenden Landschaftsplan hat er maßgeblich mitgewirkt. Die damit verbundenen Fördergelder konnten in Anpflanzungen, Bach- und Teichrekultivierungen fließen. Um 114 Hektar soll die Krefelder Waldfläche noch wachsen. So sieht es der Flächennutzungsplan vor. Angesichts der Besiedlungsdichte ein schweres Unterfangen.

"In einer kreisfreien Stadt ist man näher an der Politik und auch bei den Bürgern", lobt er Krefeld. Wenn er jetzt in Brandenburg die 200 Hektar Wald des restituierten Landgutes bewirtschaften wird, das die Stasi seinerzeit seinen eltern abgepresst hatte, wird er einen Koffer im Rheinland lassen, aus dem seine Frau stammt.

Quelle: RP
 
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