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Krefeld
Der Himmel, der etwas zu sagen hat

Krefeld: Der Himmel, der etwas zu sagen hat
Dieses Kunstwerk von Stefan Kaiser trägt den Titel "Gedankengängerbrücke". Die Brücken wurden mit Draht ins Bild eingearbeitet. Dazwischen finden sich handgeschrieben die Gedanken des Künstlers. FOTO: Kronner
Krefeld. Stefan Kaiser eröffnet heute Abend seine neue Ausstellung "Himmelmanuskripte" im Kunst-Spektrum. Der Künstler zeigt 44 Werke, die den Himmel in den Mittelpunkt rücken. Dort hat Kaiser seine Gedanken handschriftlich festgehalten. Von Tim Kronner

Stefan Kaiser zeichnet, malt, fotografiert und schreibt. Doch anstatt seine Passionen getrennt voneinander auszuleben, kombiniert der Künstler sie. In seiner neuen Ausstellung "Himmelmanuskripte" nutzt er die großflächig aufgenommenen Firmamente als Unterlage für das, was ihn während der Arbeit bewegt. "Der Himmel ist sozusagen voller Gedanken", sagt Kaiser. Im Mittelpunkt stehen hauptsächlich niederheinische Panoramen, die der Viersener hier in der Gegend aufgenommen hat: "Die Bilder sollen ein Gefühl von Freiheit, Losgelöstheit und Leichtigkeit vermitteln. In Bild und in Schrift".

Geeignet ist die heute beginnende Ausstellung laut Kaiser, der zur Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) gehört, eher für "Menschen mit langsamem Blick". Denn die "freundlich-ernsten Himmelsbilder" fordern durch ihre Zweigleisigkeit durchaus heraus. Die Werke lassen sich nur schwer beiläufig bewundern, sondern erfordern intensivere Betrachtung. Zunächst geht es schlicht um die Panoramen, in denen Blau- und Grautöne dominieren. Bunte, ablenkende, Farbkonzentrationen findet man nur selten. "Der Himmel ist von vorneherein schön. Deshalb habe ich mich bewusst für dezente Farbtöne entschieden, um dort den Fokus zu setzen", erklärt Kaiser.

Im Anschluss geht der zweite Blick auf die Buchstaben, die den Himmel füllen. Diese haben nicht nur inhaltlichen Wert, sondern auch eine gestalterische Funktion. "Es entsteht eine Art 'Schriftbild'", sagt Kaiser. Bei genauerer Betrachtung lassen sich die handschriftlichen Textblöcke auch entziffern. "Bei dieser Wolke darf man an himmlische Mächte denken" heißt es beispielsweise an einer Stelle. Kaiser bezieht sich in seinen Gedanken aber nicht nur auf den Himmel, sondern auch auf die darunter sichtbaren Motive. Das Werk "Glashaus Landschaft 2 bis 3" zeigt etwa eine große Gewächshausanlage vor einem regenwolkenverhangenen Himmel. Aufgenommen wurde dieses zwischen Viersen und Schwalmtal. "Bildlich ist es eine Art Wechselspiel zwischen dem Thema Natur und ihrer Beherrschung durch den Menschen", erklärt Kaiser. Textlich bezieht er sich zum Beispiel auf eine zwischendurch unterbrochene Baumreihe, indem es an einer Stelle heißt "unbotmäßiges Wachstum wird durch Fällen bestraft."

So deutlich wie dort ist die oft flüchtige Handschrift des zeichnenden Künstlers aber nicht zu erkennen - und das ist so gewollt. Denn manchmal schreibt Kaiser von unten nach oben, in Spiegelschrift oder übereinander. Die Texte sollen zwar dazu verleiten, entziffert zu werden, gelingen soll das aber als Teil des Gesamtkunstwerks nur in Bruchstücken. Einen weiteren kreativen Ansatz hat der Künstler im "Himmelsbrücken-Raum" verwirklicht: Brückenähnliche Drahtkonstrukte wurden nachträglich in die Bilder eingearbeitet . Dort, wo die Buchstaben über den Rand einer Himmelsbrücke hinausgehen, beschäftigt sich Kaiser inhaltlich passenderweise mit der Vorstellung einen "Schritt über die Kante" zu machen. "Auf den Titel 'Gedankengängerbrücke' bin ich besonders stolz", verrät der 65-Jährige.

Auch an anderer Stelle hat Kaiser nachgeholfen und die Realität der Fotografien verändert. Viele der Werke sind Fotomontagen, in denen er unterschiedliche Motive kombiniert. Meistens gehört der sichtbare Himmel auch gar nicht zum ursprünglichen Bild. "Inzwischen habe ich eine riesige Auswahl an Himmelsfotos, die ich immer neu verwenden kann", erklärt Kaiser.

Auf drei der 44 Werke sind indes tatsächlich keine Texte des Künstlers zu finden., "Man fängt trotzdem automatisch an, den Himmel danach abzusuchen", sagt Kaiser, der damit etwas ganz Bestimmtes bezwecken will: "Ich möchte die Besucher dazu anregen, sich eigene Gedanken zu machen, mit denen sie den den Himmel füllen würden."

Vernissage ist heute Abend, 10. November, um 20 Uhr im Kunst-Spektrum, St.-Anton-Str. 90. Die Ausstellung läuft bis zum 9. Dezember und ist montags und donnerstags von 16 bis 20 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
 
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