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Krefeld
Der Karlsplatz: Muster wie ein Seidenteppich

Krefeld: Der Karlsplatz: Muster wie ein Seidenteppich
FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Der Beschluss zur Sperrung des Karlsplatzes für den Autoverkehr ist politisch ebenso umstritten wie bahnbrechend für das ganze Viertel. Es ist der tiefste Einschnitt in die Verkehrsstruktur seit Jahrzehnten. Wir stellen den Platz vor. Von Jens Voss

Vorweg: Es gibt ein Hintertörchen für den Beschluss, den Karlsplatz vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum (KWM) für den Autoverkehr zu sperren: Bautechnisch ist der Platz so geplant, dass der Weg, der am Museum vorbeiführt, für den Autoverkehr wieder geöffnet werden kann. Dies hatte Planungsdezernent Martin Linne bei früheren Gelegenheitern erläutert: "Wenn es in zwei, drei Jahren zu massiven Problemen käme, könnten wir es auch wieder ändern", hatte er gesagt. Nun aber ist erst einmal die Sperrung Beschlusslage. "Der Platz", sagte KWM-Leiterin Katia Baudin gestern auf Anfrage, "ist schließlich für den Besucher die erste Etappe auf dem Weg ins Museum. Ich bin sehr, sehr froh, dass er nun als Einheit betrachtet wird."

Wie soll er aussehen? In einem Wettbewerb hatte sich der Krefelder Landschaftsarchitekt René Rheims vom Büro Kraftraum durchgesetzt.

Oben der Zustand heute; unten die Vision: So soll der Joseph-Beuys-Platz als Entree für das Kaiser-Wilhelm-Museum aussehen; im Zentrum sind Wasserspiele. Diese Anlage soll kein Brunnen sein, sondern ebenerdig bleiben, so dass der Raum ohne Wasser normal genutzt werden kann. Die Kaiser-Wilhelm-Vitrine vorn soll den Blick aufs Museum lenken. FOTO: KrafTraum

Die heute dem Museum gegenüberliegende Fahrspur bleibt erhalten. Besonderer Blickfang an der Marktstraße, Ecke Westwall, soll das Kaiser-Wilhelm-Denkmal werden. Das Standbild begrüßte einst die Besucher im Treppenhaus des Museums. Nach dem ersten Umbau stellte man den Kaiser eher versteckt an einer Seite des Hauses auf. Nun soll der Namensgeber des Kunstmuseums an der Ecke Westwall/Marktstraße in einem Glaskasten aufgestellt werden. So kann man das Denkmal als Wegweiser zum Museum sehen.

Rheims' Entwurf schlägt für den Platzbereich eine anthrazitfarbene Grundfarbe vor. Eine Bänderung aus Stahl soll die Platzfläche gliedern und erinnert an die Fäden eines Webrahmens. Die Gestaltung fußt auf der Idee eines Seidenteppichs, auf dem das Museum künftig komplett freigestellt und mit der Wallanlage des Westwalls verwoben erscheint.

Vorgesehen sind längliche Plattenformate aus Betonwerkstein, die 40 oder 60 Zentimeter lang und zehn Zentimeter breit sind. Das Blindenleitsystem soll aus Edelstahlnoppen bestehen, die als kontrastierende Leitlinie in die dunkle Platzfläche eingelassen werden soll.

Im Zentrum ist ein Wasserspiel aus Fontänen vorgesehen. Der Boden bleibt in diesem Bereich ebenerdig; aus den Fugen der Platten springt das Wasser mal als Strahl, mal als Nebel in unterschiedlichen Höhen. Das Wasserspiel kann ausgestellt werden; der Raum ist dann als normale Fläche nutzbar.

Die zum Museum hin gelegene Fahrbahn wird in ihrer Breite verringert und als Fläche in die Vorplatzgestaltung integriert.

Die Bushaltestelle an der Marktstraße bleibt an ihrer heutigen Position; langgezogene Bänke und Baumpflanzungen laden zum Verweilen ein und bieten attraktive Aufenthaltsbereiche für wartende und ankommende Busreisende.

Baumscheiben werden als groß dimensionierte Stahlgitter installiert. Vier Bäume im nordöstlichen Bereich (zur Evertzstraße hin) müssen gefällt werden; als Ersatzpflanzung sind fünf neue Bäume vorgesehen - zwei auf der Nordseite des Platzes, drei auf der Südseite (zur Marktstraße hin).

Die Möblierung soll zurückhaltend und hochwertig sein: Geplant sind Sitzbänke aus Betonwerkstein, die indirekt beleuchtet werden.

Rund um das Museum sind Lichtstelen für die Straßenbeleuchtung geplant; das Museum soll von allen vier Seiten aus angestrahlt werden.

Quelle: RP
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