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Krefeld
Der kleine Prinz versöhnt sich mit der Welt

Krefeld: Der kleine Prinz versöhnt sich mit der Welt
Die Schauspielerin Anuschka Gutowski nimmt sich in der Uraufführung im Theater hintenlinks viel Zeit für den erzählenden und zugleich wunderbar lyrischen Text Exupérys. FOTO: Tobias Becker
Krefeld. Des Prinzen neue Kleider: Das Theater "hintenlinks" zeigt die Uraufführung "Der kleine Prinz/Durst" und findet mit seiner freien Inszenierung eine mutige Lesart der weltberühmten Parabel von Antoine de Saint-Exupéry. Von Isabel Carcamo-Mankas

In der am Wochenende uraufgeführten Inszenierung "Der kleine Prinz/Durst" bekommt der Prinz ein Alter Ego. Anuschka Gutowski verkörpert zwei Figuren in einer: die des lebensmutigen Piloten und die des tugendhaften Prinzen. Begleitet wird sie von Ruslan Maximovski am Akkordeon. Die Anfangsszene zeigt den Piloten in seinem tristen Alltag. Geplagt von der Hektik der Großstadt, ruft er fragend in den Zuschauerraum hinein: "Was fangt ihr an in Eurer kleinen Welt? Ich wäre glücklicher im Beruf des Piloten. Groll gegen die, die uns wegführen von uns selbst. Ich will bis zu den Herzen durchdringen." Die Sprache Saint-Exupérys kann der Zuschauer hier bereits erkennen. Wie im Kleinen Prinzen geht es in Wind, Sand, Sterne auch um eine Selbstfindung.

Szenenwechsel: Das Licht scheint in warmen Rottönen. Es folgen Landschaftsbeschreibungen der Wüste, die mit der grauen Arbeitswelt der Menschen kontrastieren. Der Pilot und Ich-Erzähler befindet sich mit seinem Bordmonteur Prévot auf dem Flug nach Indochina. Es kommt zu Komplikationen und die beiden stürzen ab. Eine weiße fließende Stoffbahn bildet den Bühnenraum und zeichnet die Silhouette der Wüste nach. Beide sind unversehrt. Mit knappen Vorräten gehen sie nach Osten, um Rettung zu suchen. Es folgt ein innerer Monolog des Piloten. Während er freizügig durch den Kosmos des Kleinen Prinzen wandert, reflektiert er die Gesellschaft aus der er kommt nicht nur mit räumlicher Distanz.

Er erinnert sich an seine Kindheit, und daran, wie er unendliche Male in den Sonnenuntergang blickte. Er trifft den Eitlen, den Geschäftsmann, den Gelehrten und überlegt: "Die Erde ist ein guter Ort. Wirklich?"

Er trifft er auf den Wüstenfuchs ("Ich kenne dich aus meinem anderen Leben"). Dieser tritt in Gestalt eines Beduinen auf. Dieser sieht in dem europäischen Piloten trotz aller Unterschiede den Mitmenschen und rettet ihn.

Es überrascht, dass Regisseur Peter Gutowski die Situation am Ende ins Positive wendet. Der kleine Prinz versöhnt sich mit der Welt und wird der Erde zurück gegeben. Die Schauspielerin Anuschka Gutowski nimmt sich viel Zeit für den erzählenden und zugleich wunderbar lyrischen Text Exupérys. Über 60 Minuten erzeugt sie eine großartige Intensität in ihrem Spiel zwischen der Stille der afrikanischen Wüste und dem Lärm der Großstadt. Sie führt das Publikum durch einen fantasievollen und sehenswerten Theaterabend. Was fangen wir an in unserer Welt? Wie gehen wir mit dem Fremden in uns und den Fremden vor uns um?

In Peter Gutowskies Interpretation von Saint-Exupéry werden die Fremden erst dann zu Menschen, wenn Sie sich im anderen erkennen und sich gegenseitig helfen. Der Plot des Kleinen Prinzen ist bekannt. Ein Pilot stürzt in der Sahara ab und trifft den Kleinen Prinzen. Bevor der Prinz auf der Erde landete, begegnete er, einen Freund suchend, allerhand Persönlichkeiten: einem König, einem Eitlen, einem Trinker, einem Geschäftsmann, einem Laternenanzünder sowie einem Forscher. Sie alle können dem kleinen Prinzen kein Freund sein, sind sie doch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Auf jedem der sieben besuchten Planeten erzählt der kleine Prinz stolz, dass er von dem Asteroiden B 612 kommt. Dort besitzt er eine Rose und drei Vulkane, die er jede Woche kehrt. Auf der Erde trifft er schließlich den Fuchs und die zwei werden Freunde. Diese Begegnungen werden bei Regisseur Peter Gutowski erst gegen Ende des Stücks angedeutet.

Quelle: RP
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