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Krefeld
Der kleinste Webstuhl der Welt für das HdS

Krefeld: Der kleinste Webstuhl der Welt für das HdS
Rainer Bartelsheim feiert seinen Weltrekord und das Jubiläum seiner Jazzband Schautermann Tillies, die seit 50 Jahren besteht. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Goldschmiedemeister Rainer Bartelsheim ist auf den kleinsten funktionstüchtigen Webstuhl der Welt sehr stolz. Mit seinen Lehrlingen hat er die kleine Kostbarkeit vor 30 Jahren aus Messing und Silber gebaut und es 1988 damit ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Nun will er den Miniaturwebstuhl dem Haus der Seidenkultur (HdS) stiften. Von Norbert Stirken (Text) und Thomas Lammertz (Fotos)

Rainer Bartelsheim geht voran die schmale Treppe hoch. In der ersten Etage am Ostwall schließt er die Sicherheitsriegel an der Eingangstür zu seiner Werkstatt auf. Der Goldschmied bewahrt in vier Räumen kostbare Edelmetalle und noch kostbarere Erinnerungsstücke aus seinem Leben auf. 74 Jahre ist der gebürtige Krefelder jetzt alt. Auf den vielen Fotos an den Wänden ist er viel jünger neben den schönen Models, die seine Design-Kreationen tragen. Beim Internationalen Perl-Design-Wettbewerb in Tokyo hat er 1982 eine Goldmedaille für sein Schmuckstück bekommen. Überall hängen Urkunden und Preise. Sein Lieblingsstück hat er sechs Jahre später gemeinsam mit seinen Lehrlingen gefertigt. Der Berufskollege Franz Schmitz von Juwelier Kammen war mit seinem Goldenen Spinnrad Impulsgeber und Vorbild gleichermaßen. Sein Spinnrad ging um die Welt, wurde als Preis an Stars wie Pierre Cardin, Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop verliehen.

Bartelsheim schaffte einen Weltrekord: Er hockte mehr als 120 Stunden mit seinen Auszubildenden zusammen, blockierte mit der Bastelei am kleinsten funktionierenden Webstuhl der Welt aus Messing und Silber die Werkstatt. Georg Schotten, der nach seiner Lehre ein Juweliergeschäft in Goch eröffnete, war besonders emsig. Er feilte einen wenige Millimeter großen Kurbelgriff aus Ebenholz. Er war es auch, der vorschlug, die vergoldete Kostbarkeit im Guiness-Buch der Rekorde eintragen zu lassen. "Zuerst dachte ich, das ist doch nur den Großen und Prominenten vorbehalten", sagte Bartelsheim. "Doch dann dachte ich, warum denn nicht wir." Kurz vor Redaktionsschluss schafften es die Krefelder mit ihrem 60x95x65 Millimeter kleinen Kunstwerk ins berühmte Buch der oftmals seltsamen Rekorde.

Urkunde über den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Im Moment steht der Mini-Webstuhl auf der Werkbank. Er soll bald im alten Glanz erstrahlen. Bartelsheim will ihn poliert, geölt und überholt dem Haus der Seidenkultur für seine Ausstellung stiften. Plexiglashaube und Vitrine inklusive. "Im Museum verschwindet das Stück auf dem Schreibtisch des Direktors", sagt der 74-Jährige und grinst. Er soll jedoch allen Krefeldern eine Freude machen.

Freude, Spaß, Genuss, Spontaneität und Kreativität - das waren für ihn stets wichtige Lebensinhalte. Behutsam zieht er an seiner Zigarette, springt von seinem Handwerksschemel auf und greift nach einem uralten Trikot von Preussen Krefeld. Dort hat er in den 1960er Jahren Eishockey gespielt. Dem Puck jagte er auf dem Eis auch im Dress des KEV hinterher. Sagt's und holt uralte Schlittschuhe aus einem Schrank hervor. In einem Koffer lagert ein Kornett, in einem anderen eine Trompete. Bartelsheim liebt den Jazz, gehört zur Band Schauermann Tillies, die in diesen Tagen ihr Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen feiern. Am 12. Mai feiern die Musiker ihren Geburtstag in Viersen-Dülken. Bartelsheim geht auch hin - mit Zigaretten und vielen Erinnerungen im Gepäck.

Quelle: RP
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