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Serie Krefelder Künstler Im Museum Kunstpalast
Der Künstler der kleinen Geste

Krefeld. Mit Papiercollagen ist er in Düsseldorf zu sehen. Im Kunstspektrum zeigt Hansjörg Krehl zurzeit Papierfaltungen und Malerei. Von Petra Diederichs

Aus zehn mal zehn Zentimetern kann Hansjörg Krehl sein gesamtes künstlerisches Universum gestalten. So groß sind die Notizblockzettel, die zum Markenzeichen des 61-Jährigen geworden sind. Krehl faltet sie, klappt die Ecken um und schafft so neue geometrische Formate, die dann - gut verleimt - auf Leinwand aufgebracht werden. Unter etlichen Farbschichten sind sie nurmehr minimale Erhebungen in die Dreidimensionalität, an deren Kanten sich das Licht bricht. Damit bestimmen sie - je nach Lichteinfall - die Wirkung auch von großformatigen Arbeiten. "10 x 10" hat Krehl, Mitglied der Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK), seine Ausstellung genannt, die bis zum 19. März im Kunstspektrum an der St.-Anton-Straße zu sehen ist.

Gleichzeitig zeigt der 1954 in Offenbach geborene Künstler Papierarbeiten in der NRW-Ausstellung "Die Große" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Die im Grafikkabinett präsentierten Arbeiten gehören in die Reihe "Kleine Gesten". Feine, oft gefundene und gebrauchte Papiere, deren Schönheit Krehl aufgefallen ist, setzt er in Szene. Er baut Collagen aus geschnittenen und gerissenen Papieren, die er überzeichnet. Immer ahnt man, dass die Papiere nicht nur ein Vorleben haben, sondern auch ein Geheimnis, das sie nicht preisgeben. "Die schöne glatte Oberfläche ist gelogen", sagt Krehl. Er liebt klare, deutliche Sätze, die klingen, als spreche er sie mit Ausrufezeichen. Bei seinen Arbeiten lässt er den Betrachter gerne nach dem Sinn, nach der Entstehungsgeschichte suchen. "Vor jedes Bild gehört ein Stuhl." Noch so ein Satz, mit dem Krehl, die Auseinandersetzung mit Kunst einfordert - wohlwissend "Sie kann nicht sofort verstanden werden, sie geht über das Gefühl."

Die Emotionen spricht Krehl auch mit der in der GKK gezeigten Malerei an. "Ich male, um mich vom Zeichnen zu erholen", sagt er. Einen groben, schnellen Strich sucht man jedoch vergebens. Was flüchtig wirkt, ist sorgfältig erarbeitet. 135 verschiedene Falttechniken setzt er ein. Ungezählt viele Farbschichten trägt er auf den Grund auf, kratzt Stellen frei, baut neu auf. Das Weiß, das bei seinen Bildern zuerst ins Auge fällt, ist nur die obere Schicht. Quasi eine gelogene glatte Oberfläche, die wie ein Schleier darunterliegende Schönheit verspricht. Die Spannung, die zwischen Ordnung und Chaos entsteht, ist Krehls Thema, das Spiel mit den Gegensätzen. Was puristisch wirkt, ist eigentlich eine Summe aus vielem. Und die gefalteten Papiere, die in den Farben fast unterzutauchen scheinen, spielen in der Wahrnehmung fast die wichtigste Rolle. Da hat auch das Unterbewusstsein etwas zu tun.

Krehl hat an der PH Freiburg Kunst und Germanistik studiert. Er hat seine Bilder in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Arbeiten von ihm hängen unter anderem im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Goch und im Museum Katharinenhof in Kranenburg.

Quelle: RP
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