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Krefeld
Der Küster vom verlorenen Dorf

Krefeld: Der Küster vom verlorenen Dorf
Pfarrer Christoph Zettner überreicht Wolfgang Hermanns während der Messe die Ehrenplakette der St. Matthias-Bruderschaft. FOTO: G.H.
Krefeld. Mit 80 Jahren versieht Wolfgang Hermanns immer noch ehrenamtlich den Küsterdienst an der St.-Matthais-Kirche in Hohenbudberg. In der jüngsten Sonntagsmesse wurde er mit einer besonderen Ehrung überrascht. Von Jochen Lenzen

Diesen Tag wird Wolfgang Hermanns so schnell nicht vergessen: Fünf Tage nach seinem und seines Zwillingsbruders Hanns-Siegfried 80. Geburtstag wurde ihm in der jüngsten Sonntagabendmesse in der Hohenbudberger St. Matthias-Kirche eine unerwartete Ehrung zuteil. "Zu meiner völligen Überraschung bat mich Pfarrer Christoph Zettner nach der Predigt nach vorne und überreichte mir die Ehrenplakette der St. Matthias-Bruderschaft", sagt der Senior stolz.

Dass an dem Sonntag ungewöhnlicherweise das Pfarrorchester von St. Stephan spielen würde, wie er es im Pfarrbrief gelesen hatte, erklärte ihm seine Tochter Beate Hermanns, die in dem Orchester Flöte spielt, mit seinem runden Geburtstag. Immerhin versieht der in Uerdingen wohnende Jubilar seit 28 Jahren in St. Matthias den Küsterdienst.

Die St. Matthias-Kirche mit dem Turm von 1150. FOTO: T.L.

Jeden Sonntag fährt er mit Bus oder Taxi vor der 18 Uhr-Messe nach Hohenbudberg. In der Kirche bereitet er den Altar vor, stellt Kredenz, Kelch, Hostienschale, Wasser- und Weinkännchen mit dem Lavabo-Tüchlein bereit, entzündet die Kerzen, stellt die frischen Blumen neben den Altar und legt die vierteilige liturgische Kleidung in der Sakristei zurecht. Ebenso wird er unter der Woche tätig, wenn Messen und Andachten zu Hochzeiten, Taufen oder Begräbnissen auf dem benachbarten Kirchhof anstehen.

Mit der bronzenen Matthias-Plakette zeichnet die Bruderschaft Personen aus, die sich um den Erhalt der Kirche verdient gemacht haben. Erst dreimal wurde sie vergeben: posthum an den früheren Aachener Bischof Klaus Hemmerle, an den letzten fest angestellten Pfarrer Jakob Lücker und an Wolfgang Hermanns' Vater Hans, der an der Kirche ebenfalls als Küster gewirkt hat. Damit die Überraschung für ihren Vater, der diese Plaketten immer besorgt hatte, gelinge, musste Beate Hermanns ihn vorher raffiniert ausfragen, wo sie zu beschaffen sei.

Die Bruderschaft wurde vor rund 20 Jahren unter Mitwirkung von Wolfgang Hermanns als Freundes- und Förderkreis der Hohenbudberger Kirche gegründet. Die etwa 100 Mitglieder unterstützen durch ihre Beiträge, das Beschaffen von Spenden und durch Veranstaltung von Konzerten den Erhalt der Kirche, die, so Hermanns, vom Bistum keine Mittel mehr bekommt.

Wolfgang Hermanns ist in Hohenbudberg geboren und lebte dort bis zu seinem 25. Lebensjahr. "Dann lockte das Weib nach Uerdingen", sagt der Jubilar und lächelt seine Anni an. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete der gelernte Samtweber bei Scheibler-Pelzer am Grünen Dyk. Dahin ist der Hohenbudberg-Uerdinger tagaus tagein mit dem Fahrrad gefahren, denn einen Führerschein hat er nie gemacht.

Die St. Matthias-Kirche steht genau am Rhein in Hohenbudberg, wo früher bis zu 2000 und heute nur noch zwölf Menschen leben. Zu den Sonntagsmessen um 18 Uhr wird sie aber regelmäßig von rund 100 Gläubigen besucht, die vorwiegend aus der benachbarten Eisenbahnersiedlung und aus Uerdingen kommen. Die Kirche ist das vierte Gebäude, das an dieser Stelle errichtet wurde. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1854. Von der Ursprungskirche von 1150 ist nur noch der Turm erhalten.

Quelle: RP
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