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Krefeld
Der kurze Profi-Ruhm bei Cosmos New York

Krefeld. Der Speditionsfachmann Willi von der Warth spielte in den USA mit Franz Beckenbauer, Carlos Alberto, Francesco Marinho und Giorgio Chinaglia Fußball und zog mit ihnen um die Häuser - ins berühmte Studio 54. Von Norbert Stirken

In der Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein. Diese Aussage wird dem Erfinder der Pop-Art Andy Warhol zugeschrieben. Bei dem Krefelder Heinz Wilhelm von der Warth - genannt Willi - waren es genau zwei Monate des Ruhms, und er traf den berühmten Künstler Warhol in den 1970er-Jahren persönlich in New Yorks damals angesagtestem Club - dem Studio 54.

Der Uerdinger war auf ungewöhnlichen Wegen zu einem Vertrag in der damals Operettenliga beschimpften nordamerikanischen Fußballprofiliga gekommen und stand mit den alternden Superstars Franz Beckenbauer, Carlos Alberto, Georgio Chinaglia, Francesco Marinho, Johan Neeskens und Vladislav Bogicevic - um nur einige zu nennen - bei Cosmos New York auf dem Trainingsplatz mit grünen Kunstrasen, um dem Ball hinterherzujagen.

Spannender wurde es in den Abendstunden, als der 23 Jahre alte Krefelder mit seinem Mannschaftskameraden im schicken Outfit die Nächte unsicher machte und mit den prominenten Kicker-Kollegen von Club zu Club zog. "Ohne mein Vereins-Jackett mit dem Emblem von Cosmos New York wäre ich als junger Deutscher kaum an einem der Türsteher im Studio 54 vorbeigekommen", erzählt der 61-Jährige, der mit seiner Frau in einer schicken Stadtvilla im Bismarckviertel lebt.

Das Vereins-Jackett passt auch heute noch. Von der Warth treibt regelmäßig Sport, ist fit und verfolgt den Fußball noch mit Interesse. Gerade erst ist er wieder aus den Vereinigten Staaten zurück. Dort sichtet er vielversprechende Talente für den deutschen Profi-Fußball. Auch beim umgekehrten Weg in ein College-Team weiß er seine Kontakte zu nutzen.

Willi von der Warth hat seine ersten Schritte als Jugendfußballer beim FC Bayer 05 Uerdingen gemacht. Den damaligen Krefelder Trainer Heinz Rangs lobt er heute noch in den höchsten Tönen. "Ein väterlicher Freund", sagte von der Warth. Und auch Jugendleiter Bernhard "Berni" Steffen ist in seiner Erinnerung sehr präsent.

Zum ganz großen Durchbruch im Heimatverein hat es in den Spielzeiten 1977/78 und 1978/79 nicht gereicht. Beim Training durfte er seinerzeit schon mal bei den Zweitliga-Kickern mitspielen, ansonsten hatte er seinen festen Platz in der zweiten Mannschaft und der Amateurliga. An eine Blitzkarriere in der Major Soccer League war noch nicht zu denken.

Nach dem Schulabschluss begann von der Warth eine Lehre als Speditionskaufmann bei Erlenwein. Dann verdiente er seine Brötchen bei einer Neusser Container-Transportgesellschaft, die eine Niederlassung in New York hatte. "Wir kommen der Sache langsam näher", sagte der 61-Jährige als er über seine ungewöhnliche Karriere berichtete.

In den USA kannte der Krefelder einen, der einen kannte, der wusste, wie er zu einem Probetraining bei Cosmos New York eingeladen werden könnte. "Das hat tatsächlich geklappt", erinnert sich der vom Linksaußen zum Linksverteidiger umgeschulte Uerdinger. Manfred Schellscheidt, der in die Staaten emigriert war und es dort bis zum Nationaltrainer gebracht hat, ebnete dem jungen Mann den Weg. Ende Mai 1979 durfte er dem Trainer Eddie Firmani (ein italienischer Ex-Profi mit Stationen bei Inter Mailand und Sampdoria Genua) vorspielen - und er überzeugte, unterschrieb einen Vertrag und wurde Profifußballer. Das Club-Magazin kündigte ihn als Defensivspieler aus Westdeutschland mit Stationen beim Erstliga-Verein "Mongengladbach" und bei "Bayer OS Urrdengen" an. Den Dress von Borussia Mönchengladbach hatte von der Warth allerdings nur im Kindesalter getragen.

"Eddie Firmani mochte mich, und deshalb durfte ich bleiben", sagte der Krefelder und wundert sich rund 40 Jahre danach noch darüber, in dem damals wahrscheinlich coolsten Club der Welt Fuß gefasst zu haben. Superstar Pele hatte Cosmos zwar gerade verlassen, dennoch bestand der Kader aus einer Ansammlung der wohl berühmtesten europäischen Fußballer.

Franz Beckenbauer genoss seine Sonderrolle. Während die Truppe ihre Erfolge in luxuriösen Restaurants und Clubs feierte, sonderte sich die damalige Lichtgestalt des deutschen Fußballs ab und genoss seine junge Liebe mit Diane Sandmann.

Von der Warths Fußballglück währte nur kurz. Nach zwei Monaten war die Zeit für Trainer Eddie Firmani vorbei. Sein Nachfolger interessierte sich nicht für den namenlosen Deutschen. Firmani jedoch glaubte weiter an ihn und holte von der Warth zu den New Jersey Americans in der deutlich weniger populären North American Soccer League. Dort wartete ein weiterer Held des Fußballs: der 36-jährige portugiesische Volksheld Eusebio. Der war Europas Fußballer des Jahres und Torschützenkönig bei den Weltmeisterschaften 1966 in England. "Der war supernett, aber gesundheitlich schon schwer angeschlagen", berichtete von der Warth.

Er sei mit dem Verlauf seines beruflichen Wegs sehr zufrieden, sagte der Uerdinger - und er sei ein gesunder Mensch geblieben.

Quelle: RP
 
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