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Rp-Serie Krefelder Märtyrer
Der Leidensweg von zwei Frauen

Rp-Serie Krefelder Märtyrer: Der Leidensweg von zwei Frauen
Schwester Placida Schofs hat in Japan und auf den Philippinen missioniert. Dort wurde sie im März 1945 mit ihren Mitschwestern umgebracht. FOTO: CG
Krefeld. Zwei Krefelder Frauen sind wegen ihres Schicksals in das Martyrologium aufgenommen worden. Die Steyler Schwester Placida Schofs wurde erschossen, Emmy Bendix im KZ Auschwitz ermordet. Von Henning Rasche

Elisabeth Schofs war eine friedfertige Frau. Sie lebte für ihren Glauben und sie wollte anderen die Freude an ihrem Glauben weitergeben. Deswegen entschied sie sich, dem Steyler Orden beizutreten und sich der Mission zu widmen. Sie tat das, legte ihr Gelübde ab, bekam ihren Ordensnamen Placida und ging 1908 nach Japan. Die Missionsarbeit dort baute sie mit fünf Schwestern auf. Doch viel bekam sie von den Ergebnissen ihrer dortigen Arbeit nicht mit. Sechs Jahre später siedelte Placida Schofs auf die Philippinen um. Dort wurde sie am 15. März 1945 im Alter von 60 Jahren mit ihren Mitschwestern unter nicht genau geklärten Umständen umgebracht. Ihr Schicksal ist im "Martyrologium des 20. Jahrhunderts" beschrieben, das Grundlage für die Ausstellung der Christophorus-Pfarrei ist.

Am 1. Juli 1884 wurde sie als Elisabeth Schofs in St. Tönis geboren. Sie war die vierte Tochter des Fabrikarbeiters Johannes und seiner Ehefrau Elise. Zwei ihrer acht Geschwister starben bereits als Kleinkinder, und auch auf ihre Eltern musste Elisabeth Schofs frühzeitig verzichten. Sie starben, als sie noch ein Kind war. Die Clemensschwestern in Münster nahmen sich der Schofs-Kinder an. Sie versuchten, die Eltern zu ersetzen, und erzogen Elisabeth zu einem tüchtigen Mädchen. Durch diese Erziehung entstand in ihr der Wunsch, selbst dem Orden beizutreten.

Nach dem Besuch der Volksschule in St. Tönis empfing Elisabeth ihre Erstkommunion und die Firmung. Dem Brauchtum der Zeit entsprechend, arbeitete sie nach ihrer Schulzeit bei drei verschiedenen Familien in Krefeld. 1905 trat sie in den Steyler Orden ein. Schwester Placida, wie sie fortan genannt wurde, galt später auf den Philippinen als erfinderisch. Sie arbeitete unermüdlich im Haushalt und war vor allem sparsam. Durch den Krieg fehlt es an allem, doch Schofs fand Fleischersatz, Brotersatz, Ersatz für Kartoffeln und für Milch. Aus Kokosnüssen gewann sie etliche Dinge, mit denen sie Licht befeuerte und Schweine ernährte.

Von Emmy Bendix ist im Martyrologium sehr wenig überliefert. Ihr sei Ähnliches widerfahren wie Hans Menkel, heißt es über sie. Menkel war ein zum Christentum konvertierter Jude, der in Auschwitz umgebracht wurde. Bendix ist am 9. Januar 1888 in Dortmund geboren worden, heiratete den Juden Salomon Leman Speijer und brachte in Krefeld im Jahr 1912 ihre Tochter Luise zur Welt. Nach ihrer Registrierung im Lager Westerbork wurde sie im August 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie nur zwei Tage nach ihrer Ankunft am 9. August ermordet wurde.

Die Familie war zwar in die Niederlande übergesiedelt, wo sie im Jahr 1918 in Den Haag ihren Sohn Rudi zur Welt brachte. Allerdings okkupierten die Nazis 1940 die Niederlande und verhafteten alle Juden, derer sie habhaft wurden. Mit etlichen anderen Juden landete Emmy Bendix im sogenannten "Durchgangslager" Westerbork. Von dort führte ihr Leidensweg weiter in das Vernichtungslager Auschwitz. Details über den Verbleib ihrer Familie sind überdies nicht bekannt.

Quelle: RP
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