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Krefeld
Der Luxus des Monsieur Cardin

Mode von Pierre Cardin
Mode von Pierre Cardin FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Mit einer exquisiten Ausstellung erinnert das Haus der Seiden-kultur an die erste Modepreis-Verleihung des Goldenen Spinnrads an Pierre Cardin vor genau 50 Jahren. Seine Haute Couture von 1966 bis 2013 ist ebenso aufregend wie elegant. Von Petra Diederichs (Text) und Thomas Lammertz (Fotos)

Die Erfindung der Stehpartys erklärt sich im Haus der Seidenkultur schon beim Betreten des ersten Raumes: Ein Traum aus schwarzer Seide, den Rock glamourös mit Reifen durchsetzt, daneben ein roter Mantel aus edlem Tuch, dessen tiefe Rückenpartie mit weichen, ausladenden Zacken zum Hingucker wird, oder hauchzarter Stoff, der in Schwarz und Weiß spiralförmig den Körper herauf schlängelt - in diesen Roben kann niemand sitzen. Das ist Avantgarde. Das ist Haute Couture. Das ist Pierre Cardin - in den 1960er Jahren und 2013.

Zwölf exklusive Modelle aus dem Archiv des Pariser Cardin-Museums hat das Haus der Seidenkultur für seine Ausstellung ausgeliehen, die ab Sonntag, 27. November, 11 Uhr, für Publikum geöffnet ist. Die Kuratoren Ilka Neumann und Klaus Drenk erinnern unter dem Titel "Pierre Cardin 1966-2016" an die erste Verleihung des Modepreises "Das Goldene Spinnrad" an den damals zum Shooting-Star der Couture avancierten Pierre Cardin heute vor 50 Jahren. Es ist ein glamouröses Stück Krefelder Stadtgeschichte aus der Zeit, als die Textilindustrie der Samt- und Seidenstadt 3,3 Milliarden D-Mark im Jahr umsetzte. Und es ist ein wunderschön dargestellter Streifzug durch fünf Jahrzehnte Modedesign.

Der Glamour des alten Crefelder Hofes mit seinen Kristallleuchtern scheint auf, großformatige Fotografien von der Spinnrad-Gala und Texttafeln erzählen von Krefelder Prominenz aus jenen Tagen, von den Nöten der Organisatoren Herbert Mager und Franz Josef Stangenbach, weil Cardin und sein Team den Flug von Orly nach Düsseldorf verpassten und mit deutlicher Verspätung über Brüssel anreisten. "Die Veranstaltung hat mit dem Büffet begonnen. Von Cardins Verspätung haben die Gäste nichts gemerkt", erzählt Klaus Drenk.

Ein bisschen steckt der Betrachter mit in jener Zeit, wenn er im "Glamourzimmer" das 28 Zentimeter große Goldene Spinnrad (aus vergoldetem Silber) sieht, dahinter die Fotodokumentation der Mode, die damals höchst gefeierte Avantgarde war, und daneben die Originalmodelle - Mützen, die das Gesicht bis auf den Augenbereich bedecken, dazu Minis, Minis, Super-Minis: Dazwischen gibt es Schuhe, Stiefel und Accessoires. Denn Cardin war der erste - und außerordentlich großzügige - Lizenzgeber für Lifestyle-Produkte. Die Schau ist ein gelungener Einblick in die Haute Couture Cardins, aber auch in seine Prêt-à-porter-Mode, die bezahl- und tragbar war. "Ich stehe im Dienste für Menschen, und das, was ich gemacht habe, habe ich für die Massen gemacht", sagt Cardin über Cardin. "Ich bin der Sozialist unter den Kapitalisten." Auch in Zitaten und Biografischen Zeittafeln können sich Besucher dem Phänomen Cardin nähern.

Ausstellung im Haus der Seidenkultur, Luisenstraße 15, bis 5. März 2017; Internet www. seidenkultur.de

Quelle: RP
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