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Krefeld
Der Mann, der Kraftwerk sichtbar machte

Krefeld: Der Mann, der Kraftwerk sichtbar machte
Emil Schult ist heute in Hüls zu Gast. Das Foto zeigt ihn im Jahr 2013 im Stilwerk in Düsseldorf. Frisur, Krawatte, Hemd erinnern an die Kraftwerk-Ästhetik. FOTO: HJB
Krefeld. Die Kunst ist sein Kraftwerk. Für Emil Schult sind Malerei und Musik die Metasprache der Kommunikation. Der Beuys-Schüler möchte mit seinen Arbeiten die Seele der Betrachter und Zuhörer erreichen. In der Ausstellung Deep Dark Sea, die heute um 14 Uhr in Hüls am Talring 153 in der Galerie von Petra und Christoph Josephs eröffnet wird, sind neue Bilder zu entdecken. Von Norbert Stirken

Der Musiker Emil Schult lässt dem Maler Emil Schult uneingeschränkt den Vortritt, wenn es um die Präsentation neuer Bilder geht. Fast scheint er seine musikalische Vergangenheit als Konkurrenz für seine aktuellen Arbeiten zu scheuen. Der Meisterschüler der Staatlichen Kunstakademie hat die Weltkarriere der Düsseldorfer Band Kraftwerk als Pioniere der Elektronischen Musik maßgeblich mit geprägt. Er war auf und hinter der Bühne die Seele unter Robotern und Mensch-Maschine.

Der Aufstieg Kraftwerks ist vielfältig mit der Person Emil Schult verknüpft. Er war der Mensch unter Karrieristen. So hat es zumindest der ehemalige Schlagwerker Wolfgang Flür in seinem Buch "Ich war ein Roboter" geschildert. Schult kümmerte sich früh um Plattencover und Bühneneinspielungen, war später Co-Autor von Welthits wie "Das Model" und sogar Gitarrist bei den Konzerten. Bei der Tour der Band durch die USA, so erinnert sich Flür, sei es Schult gewesen, der sich um sein und Karl Bartos' Wohlergehen bemüht habe, der eine feine Antenne für aufkommende Spannungen und Konflikte besaß und auf geradezu fürsorgliche Weise vorsorglich eingriff. Schult hielt den Laden zusammen, wenn sich die beiden Honorarmusiker von den Bandgründern Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben nicht ausreichend beachtet fühlten.

Das Cover zum Album Autobahn stammt vom Emil Schult. FOTO: Kraftwerk Plattenlabel

Schult und Flür wohnten und feierten einige Jahre gemeinsam in Düsseldorf an der Berger Allee. Die Kraftwerk-Gründer- und Chefs aus wohlhabendem Hause hatten die Wohnung von Mannensmann gemietet und an die beiden weiter vermietet. Dass Flür der Lobhudelei für seinen ehemaligen Mitbewohner unverdächtig ist, beweisen dessen Erinnerungen als Buchautor. Darin beschreibt er nämlich auch, dass Schult einer der Kläger gegen die Publikation seiner Erinnerungen aus Bandzeiten war.

Die Gema - bisweilen umstrittene Verwertungsgesellschaft für Komponisten und Texter - würdigte Schult anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 2011: Es sei vor allem die Zusammenarbeit mit der Band Kraftwerk von 1970 bis 1982 gewesen, die Emil Schult bekannt gemacht habe. "Als Songtexter und Co-Autor gehörte er zum Zirkel der Gruppe, die als Pioniere auf dem Gebiet der elektronischen Musik gelten. Die Musikstücke der Band beeinflussten zahlreiche Musikstile - vom Synth-Pop, Electro-Funk bis hin zu Techno. Von Emil Schult stammen nicht nur verschiedene Cover, etwa für das Musikalbum Autobahn, das noch immer Emotionen an die fantastische Musik weckt. Seit den Arbeiten am Album Radio-Aktivität war er außerdem an zahlreichen Songtexten beteiligt, wie zum Beispiel an Trans Europa Express oder Computerwelt", schrieb die Gema.

Der Künstler war die Seele der Mensch-Maschine Kraftwerk. FOTO: label

Angeblich sei er seinerzeit hoffnungslos in ein Model verliebt gewesen. Damals. Als er zusammen mit Ralf Hütter den Text zu dem Lied Das Modell geschrieben habe - einer der größten Erfolge der Band Kraftwerk. Kaum ein Song sei so oft gecovert worden. Die Kunst sei sein Lebenselixier. Ob in der Malerei oder in der Musik - Emil Schult bewege sich sicher in beiden Welten, heißt es in der Geburtstagslaudatio.

Geboren wurde der Maler, Musiker und Songtexter 1946 in Dessau. Als Meisterschüler von Joseph Beuys und Gerhard Richter beendete er 1973 sein Studium an der Kunstakademie. Es folgten verschiedene Buchpublikation zum Thema "Kunst und Kunstdidaktik". Zehn Jahre lang lebte und arbeitete er in der Karibik, bis er 1991 als freischaffender Künstler und Produzent wieder nach Düsseldorf zurückkehrte. Von 1995 bis 2000 gestaltete er einen Meditationsraum für Studenten der Kirchenmusik an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf und liefert heute ein breites Repertoire an Hinterglasmalerei, das alle Bereiche und Themen des 21. Jahrhunderts erfasst. Seine Werke sind in Ausstellungen in Europa, Amerika und Asien zu sehen.

Ab heute sind Schults Bilder in der Galerie Josephs in der Villa Heusgen in Krefeld zu sehen. Der Künstler selbst ist zur Vernissage von 14 bis 18 Uhr anwesend und hält einen Vortrag mit Filmbegleitung.

Vernissage Deep Dark Sea, heute, Talring 153, Emil Schult, Galerie Josephs, Terminabsprache unter Rufnummer 01735106297.

Quelle: RP
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