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Krefeld
Der Nähmaschinen-Mann

Krefeld: Der Nähmaschinen-Mann
Feddo Loer, der sein Hemd und seine Weste selbst genäht hat, mit einer Kinder-Nähmaschine in der Hand und Bianca Schlappa von der Gruppe "Die Gewandeten" im Museums-Geschäft an der Uerdinger Oberstraße. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. An der Oberstraße hat Feddo Loer ein Nähmaschinen-Service mit Museum, Änderungs- und Maßschneiderei eröffnet. In Kursen wird auch Nähkunst für moderne und historische Kleidung vermittelt. Von Jochen Lenzen

So ein Geschäft hat es bisher in Krefeld nicht gegeben: An der Oberstraße 18 hat Feddo Loer mit seiner Frau Claudia - bekleidungstechnische Assistentin - ein Nähmaschinen-Museum mit angeschlossener Maß- und Änderungsschneiderei eröffnet. Darüber hinaus wartet, repariert und restauriert der 49-Jährige Nähmaschinen und vermittelt die Nähkunst in Kursen für die Anfertigung moderner und historischer Kleidung.

Mehr als 120 Nähmaschinen präsentieren sich dekorativ in zahlreichen Regalen und auf alten Schränken. Die ältesten Maschinen sind eine "Frister & Rossmann" von 1877 und eine "Singer Improved Family" von 1888. Jüngstes Exemplar ist eine "Gritzner" von 2016. "Die Maschinen sind allesamt funktionstüchtig und stehen auch fast alle zum Verkauf", sagt Loer, der den Beruf des Kläranlagentechnikers erlernt und sich durch eine Sonderprüfung als Nähmaschinen-Mechaniker hat ausbilden lassen.

"Das Ganze hat als Hobby angefangen", berichtet der 1,95-Mann. "Wir hatten privat drei Nähmaschinen. Durch Trödelmarktkäufe wuchs deren Anzahl rasch, und wir bekommen bis heute immer wieder Maschinen geschenkt", erzählt Feddo Loer, der inzwischen auch selbst näht, und seinem Geschäft den Namen "Frogsewer" (Froschnäher) gegeben hat. Tatsächlich symbolisiert ein von ihm genähter Frosch seinen Internet-Spitznamen.

Loer und seine Frau gehören einem kleinen Kreis von Freunden historischer Kleidung an, die sich "Die Gewandeten" nennen und diese Kleidungsstücke selbst nähen. Einige von ihnen werden beim Uerdinger Herbstfest des Kaufmannsbunds am kommenden Wochenende in der Fußgängerzone Lose für eine große Tombola verkaufen. Die Gruppe näht historisch korrekte und historisch angelehnte Gewänder, Letztere auch unter der Bezeichnung "Steam Punk". Damit sind Kleidungsstücke gemeint, die so aussehen, als habe ausschließlich die Zeit ab Erfindung der Dampfmaschine die weitere Entwicklung der Mode bestimmt.

Zu den historisch korrekten Gewändern gehört übrigens auch die Unterbekleidung mit Teilen wie den "Unaussprechlichen", den "Liebestötern" und bis zu drei Unterröcken. Rund zwei Dutzend Gewänder hat die Gruppe inzwischen in ihrem Fundus. Gezeigt werden sie bei Festen wie zuletzt bei einem Museumsfest am Sonntag in Oberhausen, wo der "Frogsewer" auch sein mobiles Nähmaschinen-Museum präsentierte. Über die historische Bekleidung hinaus werden in dem Freundeskreis auch Fantasy-Kostüme aus dem Bereich "Cosplay" für Rollenspiele mit Figuren aus Manga, Comic oder Computerspielen angefertigt.

Geöffnet ist das Geschäft mit Museum montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr; mittwochs ist am Nachmittag geschlossen; samstags ist von 9.30 bis 13 Uhr geöffnet. www.frogsewer.de

Quelle: RP
 
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