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Krefeld
Der neue Südbahnhof
Krefeld: Der neue Südbahnhof
Im Herrenwarteraum ist die Decke das Schmuckstück. Hier sollen Tagungen und Familienfeiern stattfinden, aber auch kleine Konzerte und Lesungen. direkt nebenan ist eine kleine Küche. Die Räume hat lange Zeit der Spanische Verein betrieben. FOTO: RPO
Krefeld. Die Umbauarbeiten laufen auf Hochtouren. Im Juni soll der ehemalige Bahnhof als multikulturelles Begegnungszentrum umgebaut sein. Das heruntergekommene Gemäuer zeigt sich nun in hellen Farben – und hat manches aus seiner Geschichte beibehalten. Von Thomas Lammertz (Fotos) und Petra Diederichs (Text)

Ein Bahnhof ist ein Ort, an dem das Leben pulsiert. Hier kommen Menschen an, andere fahren ab. Das bedeutet Veränderung, Aufbruch, Neues. "Genau so verstehen wir unsere Aufgabe hier", sagt Georg Dammer, Geschäftsführer des Werkhauses. Der Verein hat die Trägerschaft für den Südbahnhof übernommen, der sich zu einem multikulturellen Begegnungs- und Bildungszentrum mausern will.

1950 ist der Bahnbetrieb eingestellt worden, dann wechselten die Nutzer. Zuletzt gab es dort Kulturveranstaltungen und Künstler-Ateliers. Mit 280 000 Euro hat die Stadt den Umbau des heruntergekommenen Bahnhofs an der Saumstraße unterstützt, damit er ein helles Begegnungszentrum werden soll. Weitere 250 000 Euro fließen in den Teil, der lange vom Spanischen und Portugiesischen Verein genutzt wurde. Er soll ein einladender Gastrobereich werden. Ein Spaziergang durch Räume und Gänge, die kaum wieder zu erkennen sind:

Frauenwartesaal Feine Stuckdecken und edle Holzvertäfelungen sind noch erhalten: Hier haben die feinen Krefelderinnen auf Anschluss gewartet, als 1908 der Südbahnhof eröffnet wurde. Sie fuhren zwar nur zweiter Klasse, aber sie waren um Klassen vornehmer als ihre Geschlechtsgenossinnen, die sich dort in den 1940er Jahren zur Unterhaltung der Krefelder beim Frauen-Catchen präsentierten. Lesungen oder Tagungen könnte das Werkhaus-Team sich hier künftig vorstellen.

Tunnel Er verbindet den Krefelder Süden mit der City. "Wir liebäugeln mit der Idee, ihn als Durchgang offen zu halten", sagt Dammer. Er soll zumindest Ort sein für eine künstlerische Auseinandersetzung des Themas "Anbindung des Südens an die Innenstadt". Hier ist die Feuchtigkeit, die wegen der Gleise darüber nicht auszutrocknen ist, das größte Problem. "Deshalb ist er für eine dauernde Ausstellung nicht geeignet", erklärt Dammer.

Gleisaufgang Die Treppe, die nach Stilllegung des Gleises einfach abgehängt worden ist, ist nun wieder geöffnet. Eine breite Glastür bringt Licht ins Innere und öffnet sich nach außen aufs Bahnhofsdach. Die Gleisstrecke und viel Grün sind zu sehen. "Hier war mal die Krefelder Promenade geplant", erzählt Dammer. Ein Spaziergang, der mit Kunst und Architektur gesäumt durchs Grüne führt. Ein kleines Café unter einer Glaskuppel. Zukunftsmusik, die diese Ideen wieder sichtbar werden ließe. Dammer weiß aber: "Das ist noch keine Baustelle für uns."

Innenausbau Elektrik und Heizung mussten komplett erneuert werden. Für den Brandschutz wurden Türen versetzt. Die denkmalgeschützten Fliesen im ehemaligen Pissoir wurden aufwändig behandelt, um den Geruch zu beseitigen. Die blauen Wandkacheln aus der Wende zum 20. Jahrhundert wurden an manchen Stellen vorsichtig abgetragen, um anderswo den Fliesenspiegel zu komplettieren. Was Dammer schmerzt: "Der wunderbare Kachelboden musste raus, da er so kaputt und unterwurzelt war. Jetzt ist einfach nur Estrich drauf. Alles andere wäre zu teuer."

Gastronomie Der ehemalige Herren-Raum mit der angrenzenden kleinen Küche, den der spanische Verein nutzte, soll hergerichtet werden. Seine Besonderheit ist eine wunderbare Gewölbedecke. Für Familienfeiern, Tagungen und Gruppen hat er eine schöne mittlere Größe. Eine Bühne für Konzerte oder Lesungen ist geplant.

Lounge Im offenen Bereich soll eine Theke Anlaufstelle sein für Menschen, die sich treffen wollen, Sitzecken und viele Pflanzen plant Dammer: "Der offene Charakter soll erhalten bleiben. Alles soll beweglich sein. Die Sitzelemente sollen auch mal woanders aufgestellt werden können." Ein Bereich zum Plaudern, Ausruhen oder Tanzen. Immer leicht zu verändern. "Der Südbahnhof soll ein Ort werden für Menschen, die Lust haben, etwas zu tun", meint Dammer. Im Juni soll der Südbahnhof fertig sein.

Details Ein besonderer Ort braucht besonderes Design, findet Dammer. Damit der Charakter des Bahnhofs erhalten bleibt, muss es auch im Kleinen stimmen. So sind die Eisenwinkel des Treppengeländers einem noch erhaltenen Original nachgebildet. Die Heizkörper sind mit Eisenbahnlack gestrichen, und die großen Heiz- und Lüftungsrohre an der Decke sehen nicht nur funktional aus. Sie können auch Wärme abgeben.

Quelle: RP
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