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Krefeld
Der Nordbahnhof - ein altes Stück Krefeld

Krefeld: Der Nordbahnhof - ein altes Stück Krefeld
Viktor Furth hat mit seiner Familie im Jahr 1991 den Nordbahnhof übernommen und führt die Gastronomie dort seitdem mit großem Erfolg. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Einst war es ein echter Bahnhof für die reiche, bedeutende Stadt Krefeld - seine Geschichte geht auf das Jahr 1870 zurück. Viktor Furth hat den Genius loci genutzt und eine der schönsten Gaststätten der Region geschaffen. Von Christine van Delden

Bis der Nordbahnhof zu einem Krefelder Traditionsrestaurant geworden ist, war es ein langer Weg. Zu Beginn der 1870er Jahre förderten etliche der Seidenbarone wie Bruck, Scheibler, Floh, Junkers und andere mehr den Bau des Nordbahnhofs durch eine Resolution und durch Subventionen. Das 1870 im italienischen "Palazzo-Stil" erbaute Gebäude ist das älteste Bahnhofsgebäude Krefelds und steht heute unter Denkmalschutz.

In seinen Anfängen war der Nordbahnhof auch eine Station der "Crefelder Eisenbahn", die von Moers zum Krefelder Hauptbahnhof führte. Diese Tatsache - so ist es heute auf der Rückseite der Speisekarte nachzulesen - bescherte dem Nordbahnhof seinen größten Tag: Am 20. Juni 1902 bestiegen um 10.15 Uhr die kaiserlichen Majestäten Wilhelm II. und Auguste Victoria den Sonderzug, der sie samt Gefolge zum prächtig geschmückten Nordbahnhof brachte, wo sie nach Plan um 10.55 Uhr eintrafen.

Der Nordbahnhof ist auch noch Bahnhof: Die Dampflok "Graf Bismarck" vom Schluff macht dort Station. FOTO: STRÜCKEN

Fünfzig Jahre später stellte die Krefelder Eisenbahn AG den Personenbetrieb ein. Und es sollte noch einmal vierzig Jahre dauern, bis der Nordbahnhof im Jahr 1991 von der Familie Furth zu neuem Leben erweckt wurde.

Viktor Furth war zuvor von 1979 bis 1990 der Gastronom bei "Herbst Pitt", bis dort der Pachtvertrag auslief. "Für uns war damals 'Herbst Pitt' unser Ein und Alles, und ich konnte mir eigentlich nichts anders vorstellen, als diese Gaststätte zu führen", erinnert sich Furth. Dann allerdings entdeckte er in der Zeitung ein altes Foto vom Nordbahnhof und wusste spontan: "Das wäre was für uns!" Von Anfang an war ihm und seiner Frau klar, dass sie ein Lokal führen wollten, mit dem sich die Krefelder identifizieren können. Der Nordbahnhof mit dem "Schluff" und allen seinen Möglichkeiten war genau das richtige Objekt. Eigentümer des Nordbahnhofs waren und sind die Stadtwerke Krefeld (SWK), die dankbar waren, in der Familie Furth den idealen Pächter für 99 Jahre gefunden zu haben, der das alte Bahnhofsgebäude wieder aktiviert - als Betreiber und Investor in einer Person.

Zu dem Konzept der neuen Gaststätte gehörte auch die Innengestaltung der Räume, die der Krefelder Künstler Klaus-Peter Noever übernommen hat: Die Gäste finden sich in einem nachempfundenen alten Personenwaggon wieder.

Entscheidend ist auch das Angebot der Speisen. Das, was es "bei Muttern" gab, muss sich auf der Speisekarte wiederfinden. Furth: "Wir bieten die 'Klassiker' an, die für die Traditionsküche stehen, aber diese Traditionsküche müssen wir stets auf die Zukunft ausrichten und haben deswegen Gerichte entwickelt, die mehr dem heutigen Zeitgeist entsprechen." Das bedeutet, dass die häufig deftigen Traditionsgerichte "erleichtert" werden - mit weniger Fett und mehr Gemüse. "Man darf sich nie zurücklehnen, sondern muss sich immer wieder überprüfen", so Furth. Wichtig für den Charakter einer Traditionsgaststätte ist auch die Bedienung. An erster Stelle steht der "Köbes" in seinem blauen Kittel, der rheinischen "Köbes-Uniform". Und weiter ist die Brauchtumspflege von zentraler Bedeutung für eine Traditionsgaststätte. "Man muss den Menschen zu den Jahreszeiten, wenn sie feiern möchten, Angebote machen", sagt Furth. "Die Herausforderung für uns liegt darin, neues und auch junges Publikum anzusprechen. Dazu gehört, dass man die Traditionen mit Leben füllt." Hilfreich ist da, dass die nächste Generation Furth schon bereit steht: Seit einem Jahr ist Sohn Johannes mit in der Firma, nachdem er an den verschiedensten Stationen Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt hat. Er wird sich mit neuen Impulsen einbringen. Im nächsten Jahr am 13. August 2016 kann der Nordbahnhof auf 25 erfolgreiche Jahre zurückblicken und wird dies mit einem großen Benefizfest tun. Furth resümiert: "Heimat erlebe ich immer ganz bewusst, wenn Gäste kommen, die Besuch von außerhalb haben; wenn sie in den Nordbahnhof kommen, weil sie ihnen ein Stück Krefeld zeigen möchten. Und ich empfinde es als ein schönes Kompliment, wenn auswärtige Besucher die Geselligkeit und Lebensfreude der Krefelder spüren und der Nordbahnhof und der Schluff dazu etwas beitragen können."

Quelle: RP
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