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Krefeld
Der Panzer ist der Freund des Froschkrauts

Krefeld: Der Panzer ist der Freund des Froschkrauts
Das Froschkraut - klein und unscheinbar. Es blüht weiß. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Das Froschkraut ist schon ein seltsames Pflänzchen: Es gedeiht am besten, wenn es wenig bis gar keine Nahrung bekommt und gleichsam mit Füßen getreten wird. Es ist selten. Sehr selten. Und wenn es mal da ist, ist es genau so schnell wieder weg, um vielleicht 100 Jahre später wieder aufzutauchen. In Krefeld kennt es niemand besser als Johann Heller-Steinbach von der Unteren Landschaftsbehörde. Er ist der Experte mit unkonventionellen Tipps für die Naturschützer. Von Norbert Stirken

Am liebsten würde Johann Heller-Steinbach den Naturschützern am Egelsberg einen Panzer schenken. Zu den Zeiten, als die Alliierten mit ihren Amphibienfahrzeugen bei Truppenübungen noch regelmäßig durch den Teich des früheren Traarer Golfclubs preschten, war für den amtlichen Hüter des europäisch geschützten, seltenen Froschkrauts die Welt noch in Ordnung. Die Erde wurde von den schweren Fahrzeugen aufgebrochen, der Bewuchs rund um den heutigen Heideweiher im Naturschutzgebiet klein gehalten. Im Sommer trocknete das Gewässer aus, Wind fegte durch die Mulde und blies Samen und Humus weg. "Das waren noch ideale Lebensbedingungen für die vom Aussterben bedrohte Art der Froschlöffelgewächse", berichtete Heller-Steinbach gestern vor Ort auf dem Egelsberg. "Das Froschkraut haben wir dem Militär zu verdanken."

In den vergangenen 70 Jahren ist rund um den Heideweiher ein Wald gewachsen, der das Überleben des Froschkrauts wesentlich erschwert. Die Naturschützer haben deshalb nach einem geeigneten Ort gesucht, um der Pflanze wieder einen Lebensraum anzubieten. Das Experiment scheint zu glücken. Zumindest der Start ist gelungen. Im Botanischen Garten in Oppum hat das Team um Leiterin Birgit Loy wenige überlassene Exemplare vermehrt. Die sollen ab heute quasi auf den Egelsberg umziehen. Dort hat die Untere Landschaftbehörde weit genug weg vom Wald einen nur 30 Zentimeter tiefen vom Grundwasser gespeisten Weiher angelegt. Im Sommer trocknet er aus. In Herbst und Winter führt er idealerweise Wasser. Er bietet dem Wind Angriffsfläche. Der Boden ist sehr karg. Die dünne Humusschicht wird regelmäßig abgeplaggt und zur Düngung auf umliegende Felder im Naturschutzgebiet verteilt.

Die Untere Landschaftsbehörde hat am Egelsberg einen nur 30 Zentimeter tiefen Weiher angelegt, der im Sommer austrocknet. Ab heute wird dort im Botanischen Garten vermehrtes Froschkraut eingepflanzt. FOTO: Lammertz Thomas

Das Froschkraut vermehrt sich über Ableger, aber auch durch Samenflug. Der Samen bleibt bis zu 100 Jahren keimfähig. Wichtig sei, dass der Boden aufgebrochen werde, um den Samen zu aktivieren. "Wir erleben immer wieder Überraschungen", berichtet Heller-Steinbach, der seit 25 Jahren im Rheinland lebt, aber eigentlich aus Bad Tölz stammt. Seine bayerische Herkunft kann er nicht verleugnen. Es ist ein Erlebnis, dem 65-Jährigen zuzuhören, wenn er von Nutrias berichtet, die eigentlich nicht auf den Egelsberg gehören, aber durch ihre Grabungsaktivitäten für weiß blühende Froschkrautecken sorgten. "Mehr als 120 Pflanzen haben wir am Heideweiher gezählt, aber dann hat wohl ein Jäger die Tiere abgeschossen", vermutet der Naturschutzexperte.

Am neuen Weiher solle übrigens ein Landwirt in die Rolle der Nutrias oder die des Panzerfahrers schlüpfen und mit seinem Traktor durch die ausgetrocknete Mulde fahren. Eine andere wichtige Aufgabe übernimmt ein Schäfer mit seiner Herde aus Tieren der Gattungen Coburger Füchsen und Cottage Blackface. In der kommenden Woche wird er am Heideweiher erwartet, wo er die Ufervegetation mit Hilfe der Schafe in dem nur schwerlich zugänglichen Gelände niedrig halten soll.

Der Heideweiher liegt mitten im Wald. Das ist schön für die Idylle, aber schlecht für das Überleben des vom Aussterben bedrohten Froschkrauts, das in Nordrhein-Westfalen nur noch in Krefeld und in Wesel vorkommt. FOTO: Thomas Lammertz

Die Gegend rund um den Heideweiher liegt übrigens inzwischen etwa vier Meter tiefer als zur Zeit der Entstehung. Das ist die Folge von Bergschäden. Die Stollen der stillgelegten Zeche in Neukirchen-Vluyn reichten bis unter den Egelsberg. Die Verfüllung verhindert aber nicht, dass sich der Berg langsam absenkt - und er dürfte damit noch nicht am Ende sein, so Heller-Steinbach.

Quelle: RP
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