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Krefeld
"Der Sommer ist so trocken wie seit 1959 nicht mehr"

Krefeld. Heinz-Albert Schmitz ist Landwirt und erinnert sich an den Jahrhunderthitzesommer 1959 - damals brannten viele Felder ab. Die Brandstifter: Dampfloks. Von Jens Voss (Text) und Thomas Lammertz (Fotos)

Es gibt eine Hitzetiefenträgheit, die durchschlägt auf die Seele: Ruhig angehen lassen, das Ganze. Wenn der Puls der Stadt langsamer schlägt, wenn der Sommer die Welt in Watte drückt und uns urbane Hektiker in die Zeitlupe zwingt: dann ist Summer in the city - herrlich.

Die Landwirte wiederum sehen das nicht ganz so hitzetiefenentspannt. Der Sommer ist ihnen entschieden zu arm an Wasser von oben. "So einen trockenen Sommer haben wir seit Jahrzehnten nicht gehabt", sagt Heinz-Albert Schmitz, Landwirt mit einem Hof in Benrad und im Vorstand der Kreisbauernschaft. "Mein Onkel hat mit gesagt, so einen heißen Sommer habe er zuletzt 1959 erlebt." Es sei schon gravierend, dass es so lange nicht anhaltend geregnet habe; "die Schauer, die wir hatten - das reicht nicht für die Pflanzen." Die Landwirte müssten ihre Felder seit Wochen intensiv beregnen, um die Qualität zu halten und Ernteeinbußen zu verhindern, berichtet Schmitz. Es geht um Grünfutter, Kartoffeln, Kohl und Möhren.

Dabei geht es am Niederrhein noch, weil der Grundwasserspiegel hoch steht. In der Kölner Bucht oder in der Eifel sehe es anders aus, berichtet Schmitz. "In der Südeifel sind Wald und Felder vertrocknet", der Grundwasserspiegel sei dort einfach zu niedrig, um die Felder beregnen zu können. Das Gleiche gilt für die Kölner Bucht, wo der Braunkohleabbau den Grundwasserspiegel drücke.

Schmitz ist Jahrgang 1951; an den legendär heißen Sommer 1959 kann auch er sich erinnern: Damals durchzogen noch Dampfloks die Landschaft; beim Abschlacken kam es regelmäßig zu Funkenflug - mit verheerenden Folgen für die ausgetrockneten Felder: "Sie wurden entzündet; 1959 sind hier sehr viele Felder abgebrannt."

Das passiert heute nicht mehr -die Bahn fährt bekanntlich nicht mehr mit Kohle. Dennoch: Feuergefahr besteht. Die Stadt appelliert mit Blick auf die Hitze, im Wald nicht achtlos brennende Zigaretten wegzuwerfen oder wild zu grillen. Jedes Flämmchen fände zurzeit viel Nahrung.

Nun denn, genug der Warnung, der Sommer ist immer noch kein Unruhestifter, sondern ein Freund des Gemüts. Daher sei eines der schönsten Sommergedichte deutscher Zunge zitiert - geschrieben vom Barockdichter Paul Gerhardt, der unübertroffen schön zum Ausdruck gebracht hat, dass der Sommer uns zur Freude gereicht: "Geh aus mein Herz und suche Freud/ In dieser lieben Sommerszeit/ An deines Gottes Gaben;/ Schau an der schönen Gärten Zier/ Und siehe, wie sie mir und dir/ Sich ausgeschmücket haben."

Quelle: RP
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