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Krefeld
Der Spanier am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker

Krefeld. Diego Martin-Etxebarria ist neuer 1. Kapellmeister am Theater. Er will am Niederrhein sesshaft werden. Von Heide Oehmen

Teatro Real Madrid, Semperoper Dresden, Théâtre des Champs-Élysées, Theater Barcelona, Theater Augsburg oder Staatsoper Berlin - Achtung gebietend ist die Liste der Gastspielorte, die der spanische Dirigent Diego Martin-Etxebarria aufzuweisen hat. Doch bisher hatte er noch kein festes Engagement an einem Opernhaus. Das wollte er ändern, und so bewarb er sich auf die Ausschreibung um die Stelle des 1. Kapellmeisters am Theater Krefeld/Mönchengladbach. "Es gab zwei Vordirigatsrunden, das war sehr spannend, und ich bin froh, dass ich es geschafft habe. Irgendwann ist man das ständige Herumreisen leid", erzählt der freundliche Stabführer, der nachdrücklich die ausgesprochen gute Atmosphäre im Theater und besonders im Orchester lobt. "Das ist an den meisten Häusern völlig anders, da sind Intrigen und Neid an der Tagesordnung", weiß der vor 38 Jahren in Bilbao geborene Spanier aus eigenem Erleben. Den guten Geist unseres Theaters genoss der neue 1. Kapellmeister, der in der kommenden Spielzeit die Nachfolge von Alexander Steinitz antritt, bereits als Assistent von Generalmusikdirektor Kütson bei der Britten-Oper "Peter Grimes" in der Spielzeit 2014/15.

Diego Martin-Etxebarria hat in der aktuellen Spielzeit - noch als Gastdirigent - bereits die musikalische Leitung dreier Neuproduktionen übernommen, die bisher nur im Rheydter Haus zu erleben waren: "Hänsel und Gretel", das Ballett "Sinfonie des Lebens" (seine erste Ballettproduktion überhaupt) und das hoch aktuelle musikalische Drama "Der Konsul" von Gian Carlo Menotti.

Alle drei Produktionen wird es in der kommenden Spielzeit in Krefeld geben - ansonsten darf bis zur Vorstellung des neuen Spielzeitheftes am 27. April noch nichts verraten werden. Nur so viel: "Ich werde sehr viel zu tun haben, aber darauf freue ich mich" bemerkt der Musiker, der sich in seiner Heimat - parallel zum Oboenstudium - im Dirigieren ausbilden ließ. Seine wichtigsten Lehrer waren David Zinman, Gianluigi Gelmetti, Lutz Köhler und Jesús López Cobos.

"Im Opernbereich sind mir die Italiener besonders nahe, und Mozart in seiner unübertrefflichen Klarheit liebe ich", schwärmt der Künstler, der immer erst den Text einer neuen Oper erlernt, bevor er sich mit der Musik beschäftigt. Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch sind ihm geläufig - schwer tut er sich bei Aufführungen in Russisch und Tschechisch, da er diese Sprachen nicht beherrscht. "Dann hat man Probleme beim Dirigieren, denn das wird vornehmlich vom Sprachrhythmus bestimmt" bedauert Etxebarria. Dank der Großzügigkeit der hiesigen Theaterleitung - das betont er besonders - ist es ihm in der kommenden Spielzeit möglich, mehrere Gastverpflichtungen in Japan und Spanien wahrzunehmen. "Doch an erster Stelle steht natürlich die Arbeit am hiesigen Theater, hier möchte ich zu Hause sein, intensiv mit dem Orchester arbeiten und immer rücksichtsvoll die Sänger begleiten, damit sie ihre Stimmen nicht überstrapazieren". Der Künstler weiß, wovon er spricht - seine Ehefrau ist Opernsängerin, sie singt zurzeit in Bilbao in der Monteverdi-Oper "Orfeo".

Quelle: RP
 
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