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Krefeld
Der unermüdlich Neugierige

Krefeld. Werner Ehrhardt ist einer der wichtigsten Vertreter der historisch informierten Aufführungspraxis. Er arbeitet erneut mit den Niederrheinischen Sinfonikern. Der Dirigent lobt den guten Geist des Gemeinschaftstheaters. Von Heide Oehmen

Das war ein guter Einfall von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson: den Dirigenten Werner Ehrhardt, der im Laufe der Jahre bereits zweimal bei Sinfoniekonzerten mit den Niederrheinischen Sinfonikern als Gastdirigent fungierte, für die musikalische Leitung der Neuproduktion von Christoph Willibald Glucks Oper "Orpheus und Eurydike" einzuladen. Es ist eine Ehre für ein mittleres Theater wie das Gladbach-Krefelder, dass ein so honoriger Stabführer, der weltweit unterwegs ist, ohne Wenn und Aber ein solches Angebot annahm.

"Ich werde sehr gerne wieder hierherkommen", sagt Werner Ehrhardt im Gespräch, "an diesem Gemeinschaftstheater herrscht ein guter Geist, eine gute Stimmung, und das Orchester ist etwas ganz Besonderes. Mit welcher Aufgeschlossenheit und welchem Eifer die Musiker sich trotz ihrer modernen Instrumente auf die andersartige, nämlich historisch orientierte Spielweise und die für sie ungewohnten Artikulationsvorgaben einlassen - so etwas findet man selten." Die Solisten und der Chor seien ebenfalls sehr offen für solche für sie fremde Interpretationen, die ein Werk wie dieses Gluck-Opus erst wirklich lebendig mache.

Werner Ehrhardt kam schon als Student bei dem legendären Geiger und Wegbereiter der "historischen Szene", Franz-Josef Meyer - dem Gründer des "Collegium aureum" - mit alternativen Interpretationsfragen in Berührung. Von Meyer bekam er den ersten Barockbogen, um diesen an Bach-Solosonaten auszuprobieren.

Immer mehr vertiefte sich der wissbegierige Student in die Architektur der Musik und realisierte, "dass es nicht nur die unendliche Melodie gibt, sondern die Musik sich redend ausdrückt". Die in immer größerer Zahl erschienenen Urtext-Ausgaben, die alle später hinzugefügten Vortragszeichen aus den Noten wieder verbannten, erleichterten denjenigen, die auf der Suche nach der "Klangrede" waren, ihre Arbeit.

Zwanzig Jahre lang - von 1985 bis 2005 - leitete Werner Ehrhardt das Kammerorchester "Concerto Köln", mit dem er einen charakteristischen Interpretationsstil der Historischen Aufführungspraxis entwickelte und prägte.

Im Jahre 2004 gründete Ehrhardt sein eigenes Orchester "l'arte del mondo", das zwar seinen Schwerpunkt in der Tradition der Alten Musik sieht, sich aber auch - dann auf modernen Instrumenten - einem Repertoire bis in die Romantik widmet. Eines der Markenzeichen des als "Orchestra in Residence" permanent von Bayer Kultur geförderten Klangkörpers sind - neben Konzerten mit Solisten der ersten Garde - musikalisch-interkulturelle Programme, beispielsweise mit dem türkischen Pera Ensemble, mit Künstlern der Peking-Oper sowie israelischen und palästinensischen Musikern.

Dazu kommen Wiederentdeckungen und Weltersteinspielungen - ein besonderes Faible von Ehrhardt - zuletzt von Antonio Salieri die Oper "La Scuola de Gelosi" - "Die Schule der Eifersüchtigen".

Etwas ganz und gar Außergewöhnliches hat der Dirigent für den 23. September geplant: Da ist im Konzerthaus Leverkusen die Oper "Orfeo" von Claudio Monteverdi zu erleben - und außer "l'arte del mondo" wird auch eine Rockband mitwirken. "Das geht ganz wunderbar - wir mussten kaum etwas ändern", sagt Werner Ehrhardt und freut sich schon auf dieses wieder ganz neue Klangerlebnis.

Die Oper "Orpheus und Eurydike" hat ihre Krefeld-Premiere in der kommenden Spielzeit, am 17. Februar. Im Mönchengladbacher Haus war die Inszenierung von Jakob Peters-Messer in der vergangenen Spielzeit zu sehen.

Quelle: RP
 
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