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Krefeld
Der Wagner-Versteher

Krefeld: Der Wagner-Versteher
Dieses Plakat bewirbt die Inszenierung. FOTO: Theater KR MG
Krefeld. Warum Richard Wagner seinen "Lohengrin" quasi vom Ende aus komponierte - den letzten Satz zuerst - und warum er die Uraufführung seiner Oper verpasste, erfuhr das Publikum bei einem unterhaltsamen Abend mit Hans Martin Gräbner. Er ist eine kundige und unterhaltsame Instanz bei den Festspielen in Bayreuth. Von Heide Oehmen

Das Opern-Großprojekt "Lohengrin" von Richard Wagner, das am Karsamstag, 15. April, im Theater Premiere hat, wird in diesen Wochen auf vielfältige Weise den Wagnerianern und solchen, die es werden wollen, nahe gebracht. Nach "Lohengrin chorisch", als Interessierte zwischen den probenden Chorsängern Platz nehmen und Wagner "hautnah miterleben" konnten, war nun der Wagner-Experte Hans Martin Gräbner aus Bayreuth angereist, wo er jährlich zur Festspielzeit mittels seiner beliebten Vorträge "Wagners Werke wirklich verstehen" den Gästen die oft komplizierten Inhalte der "Gesamtkunstwerke" des Meisters vom Grünen Hügel nahebringt.

In Bayreuth ist Hans Martin Gräbner eine Instanz. Plaudernd, singend und höchst kompetent erfüllt er dort seinen Auftrag: "Wagners Werke wirklich verstehen". Jetzt begeisterte er die Krefelder - als Einstimmung auf "Lohengrin". FOTO: Theater

"Mein Vortrag soll leben, das Publikum soll idealerweise das Gefühl haben, ein Stück weit in die Welt des Werkes eingetaucht zu sein", das ist die Maxime des Musikwissenschaftlers, Dirigenten, Musiktheaterproduzenten, Komponisten und Liedbegleiters. Diese verfolgte Gräbner auch bei seiner spannenden, ganz lockeren und mit zahlreichen pianistischen wie vokalen Beispielen gewürzten Präsentation "Lohengrin analytisch" im lückenlos besetzten Glasfoyer des Theaters.

Dem tadellos am Flügel vorgetragenen Lohengrin-Vorspiel folgten Details über die akribische Quellenforschung (Lohengrin-Epos, Wartburgkrieg) die Wagner, der alle seine Texte selbst verfasste, vor der Komposition einer jeden seiner Oper betrieb. Im November 1845 war der Text fertiggestellt, und der Komponist begann bei dieser, "seiner traurigsten Oper", wie er selbst bemerkte, mit dem letzten Akt, weil ihm die darin enthaltene Gralserzählung als der wichtigste Teil dieses Opus erschien. Die flirrenden Geigenklänge des als Letztes geschaffenen Vorspiels werden durch in acht Stimmen geteilte Violinen erreicht. Jeder der Hauptpartien ist ein immer wiederkehrendes Motiv zugeteilt, Gutes erscheint in strahlendem Dur, Böses in düsterem Moll.

Der von Franz Liszt dirigierten Uraufführung des Lohengrin am 28. August 1850 in Weimar konnte der wegen seiner Teilnahme an der Revolution von 1849 steckbrieflich gesuchte und in die Schweiz geflüchtete Tonsetzer nicht beiwohnen. Im Jahre 1894 war die erste Bayreuth-Aufführung der Oper.

Was Wagner an der Lohengrin-Sage, die Gräbner "im Schnelldurchgang", aber gut nachvollziehbar erzählte, fesselte, war "die Berührung einer übersinnlichen Erscheinung (Lohengrin) mit der menschlichen Natur (Elsa) und die Unmöglichkeit der Dauer derselben". Grund für diese Unmöglichkeit ist einmal die Neugierde Elsas, die ihren Gatten nicht nach seinem Namen hätte fragen dürfen, zum anderen die Intrige der (heidnischen) Ortrud, die Elsas Bruder Gottfried in den Schwan verzaubert hatte, der Lohengrin bei seinem Erscheinen trug. Das Nebeneinander von Transzendenz und Realität wusste der Referent ohne intellektuelle Überhöhung darzustellen, und viele der zum Schluss begeistert applaudierenden Zuhörer nahmen die Gelegenheit wahr, den freundlichen Gast noch persönlich zu befragen.

Nächste Veranstaltung zum Opernprojekt: "Lohengrin szenisch" am Donnerstag, 30. März, 19.30 Uhr (nicht um 18.45 Uhr, wie im Leporello vermerkt). Kartenreservierung an der Theaterkasse, Telefon 02151 805125.

Quelle: RP
 
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