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Krefeld
Der weltweit Größte seiner Art

Krefeld: Der weltweit Größte seiner Art
Er gilt als der weltweit größte Vertreter seiner Art: die Schwerin-Kiefer auf dem Krefelder Hauptfriedhof: Stammumfang 3,45 Meter, 26 Meter hoch und mit einem Kronendurchmesser von 19 Metern. FOTO: Christoph Michels
Krefeld. Was wenig bekannt ist: In Krefeld stehen eine Reihe von Baumriesen mit Seltenheitswert. Dazu zählt auch die Schwerin-Kiefer. Denkmalwürdig: Das weltweit stärkste Exemplar dieser Art steht in Krefeld. Die Stadt gilt unter Kennern als El Dorado für Dendrologen. Von Christine van Delden

Krefeld beherbergt Riesenbäume, die tatsächlich einmalig in Deutschland sind oder sogar weltweit. Auf diese sehenswerten Schönheiten machte Christoph Michels während des Stadt-Spaziergangs über den neuen Teil des Krefelder Hauptfriedhofs an der Heideckstraße aufmerksam.

Christoph Michels ist Diplomingenieur der Forstwissenschaft sowie Leiter eines Forstreviers und bezeichnet sich selbst als "Hobby-Dendrologe", also Hobby-Baumkundler. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die stärksten Exemplare aller in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Baumarten und Großgehölze zu katalogisieren. "Ich beobachte, dass diese sehr großen Bäume, die auch ein gewisses Alter haben, zunehmend aus den Gärten und entlang der Straßen verschwinden, was sicherlich zum Teil der Verkehrssicherheit geschuldet ist." Dagegen lassen sich in öffentlichen Parks und auf alten Friedhöfen stattliche Exemplare finden. So auch in Krefeld, das Christoph Michels als "El Dorado für Dendrologen" bezeichnete.

Eine Gruppe von Baumfreunden erkundeten jetzt mit dem Dendrologen Christoph Michels (Mitte) die Baumriesen auf dem Hauptfriedhof. FOTO: T.L.

"Unser Spaziergang ermöglicht einmal eine ganz andere und ungewöhnliche Perspektive auf einen Friedhof", eröffnete Michels seine Führung, die von einer etwa 40-köpfigen Gruppe begleitet wurde. Der Baumkundler erzählte, dass der neue Teil des Krefelder Hauptfriedhofs 1891 als komplette Neuanlage entstanden sei. "Es wurden damals besondere Bäume gepflanzt, die sonst nur in Botanischen Gärten zu finden sind."

Vorbei an überschäumend blühenden Rhododendren und Azaleen führte der Weg zu einer Holländischen Ulme, die bereits 1850 gepflanzt wurde und laut Michels "eine echte Rarität" darstellt, denn ab 1918 habe in Deutschland ein großes Ulmensterben eingesetzt und den gesamten Bestand drastisch reduziert. "Eine Ulme dieser Größe findet man heute kaum noch." Ebenso ist der nächste Baum, eine Besonderheit: eine Blumen- oder Manna-Esche. Sie ist in ihrer Art eine unter den fünf stärksten Bäumen Deutschlands. Den Namen Manna-Esche verdankt sie dem Umstand, dass ihre Rinde angeritzt und der austretende Saft für medizinische Zwecke genutzt werden kann - als Hustensaft oder Abführmittel bei Verstopfung. Eine echte Sensation ist der Fächer-Ahorn, den Michels als nächstes vorstellte: "Mit 13 Metern Höhe, einem Stammumfang von über zwei Metern und einem Kronendurchmesser von 15 Metern ist er der stärkste Baum seiner Art in Deutschland." Gepflanzt wurde dieser Fächerahorn, der eigentlich als (kleiner) Zierbaum aus Vor- und Hausgärten bekannt ist, 1969. "Bemerkenswert ist auch seine Herbstfärbung, es lohnt sich alleine deshalb noch einmal herzukommen", schwärmte Michels.

Vorbei an gewaltigen Platanen, ausladenden Trauerbirken, Perlschnurbaum, Kaukasischer Flügelnuss und weißem Maulbeerbaum; durch Alleen von mächtigen Thujen und Rosskastanien, serbischen und orientalischen Fichten, kam die Baumführung mit der sogenannten Schwerin-Kiefer zu ihrem absoluten Höhepunkt: Hierbei handelt es sich um eine Zufallskreuzung zwischen einer Tränen-Kiefer (pinus wallichiana) und einer Weymouth-Kiefer (pinus strobus), besser bekannt als "Seidenkiefer".

Christoph Michels erklärte, dass diese Baumart erst 1931 vom Grafen von Schwerin in der Nähe von Berlin entdeckt wurde. Die Schwerin-Kiefer (pinus x schwerinii) auf dem Krefelder Hauptfriedhof ist 1940 gepflanzt worden und gilt als der stärkste Baum seiner Art - und das weltweit. Sein Stammumfang beträgt stolze 3,45 Meter. Die Schwerin-Kiefer ist 26 Meter hoch und ihr Kronendurchmesser bemisst sich auf 19 Meter. Christoph Michels formulierte seinen Wunsch so: "Es wäre empfehlenswert, diesen einmaligen Baum zum Naturdenkmal zu erklären."

Quelle: RP
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