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Kr Wie Krefeld
Der Westwall, das KWM und die FAZ

Krefeld. Soll der Verkehr am Westwall geöffnet werden? Müsste gehen. Die Debatte aber sollte nicht nur ein paar Meter Umleitung im Blick haben - sondern das ganze Museum.

Die Debatte köchelt munter: Soll der Westwall in Höhe des Kaiser-Wilhelm-Museums (KWM) wieder für den Autoverkehr geöffnet oder die Umleitung für die Zeit der Baustelle dauerhaft beibehalten werden?

Auf den ersten Blick ist schwer vorstellbar, dass nicht eine Platzgestaltung vor dem KWM möglich sein soll, die den Platzcharakter darstellt und dennoch den Autoverkehr erlaubt. Nur sollte man diese Debatte nicht zu kleinteilig führen: Dieser Platz ist eine große Chance; das wunderbare Museum will ordentlich eingefasst sein. Museumsleiter Hentschel hat ja auch einmal ins Gespräch gebracht, den Museumsgarten nach historischem Vorbild wieder herzustellen - vielleicht glückt's ja irgendwann. Vorerst ist es der Platz, der den Museumsbau und den städtebaulichen Akzent für das ganze Quartier vollendet.

Wenn Krefeld nicht aus sich daran glaubt, welche städtebauliche Qualität der Stadt dort zu eigen wurde - vielleicht hilft es ja, in der FAZ nachzulesen, die sich im Untertitel selbstbewusst als "Zeitung für Deutschland" bezeichnet. Die FAZ hat - wir haben den Artikel in Auszügen dokumentiert - die Neueröffnung in den Kontext der jüngeren Sozialgeschichte der Stadt gestellt: "Das einst reiche Krefeld hat den Niedergang der Textilindustrie noch nicht verkraftet. Dass das Zentrum der Kunst in die Mitte der Stadt zurückgekehrt ist, wird ihr guttun und sie beleben", heißt es da. So lautet ein kompetentes Urteil aus der Ferne. Das KWM hat überregional für Aufmerksamkeit gesorgt, für Wohlwollen, für Aufmerken; Krefeld hat an diesem Punkt wirklich die Chance zu punkten. Und es ist eine kostbare Chance für eine Stadt, die manchmal völlig unbegründet Häme auf sich zieht. Erinnert sei an die ebenso arrogante wie falsche Bemerkung der "Zeit", wonach Krefeld eine Stadt sei, in der die Eröffnung von Primark das Ereignis des Jahres sei.

Alarmierend daran waren weniger die vornehmen Allüren der hanseatischen Tante - alarmierend war, dass ein Blatt, das von Kenntnis über Krefeld unbeleckt ist, immerhin zu wissen meint, herabsetzend gegenüber dieser Stadt auftreten zu können - so etwas nennt man ein Image-Problem.

Das KWM bedeutet die Chance, in der Wahrnehmung Krefelds andere Akzente zu setzen. Dies gilt es auch bei vermeintlich kleinteiligen Verkehrsdebatten mitzudenken.

Quelle: RP
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