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Krefeld
Derichs will im eigenen Haus produzieren

Krefeld: Derichs will im eigenen Haus produzieren
Die beiden Inhaberinnen der Firma Derichs, Maria Barthels (rechts) und Stephanie Holzmann, informierten Oberbürgermeister Frank Meyer über ihre Produkte: Qualitätswalzen für die Kunststoffindustrie. FOTO: Stadt
Krefeld. Der Hersteller von Qualitätswalzen für die Kunststoffindustrie aus Fischeln will einen Teil der Fertigung in eigener Produktionshalle selber übernehmen und damit ins Unternehmen holen. Oberbürgermeister Frank Meyer besuchte das Unternehmen.

In ihrer Branche sind Maria Barthels und Stephanie Holzmann noch so etwas wie Exotinnen: Die beiden Inhaberinnen der Krefelder Firma Derichs - international bekannt als Hersteller von Qualitätswalzen für die Kunststoffindustrie - treffen in ihrem Geschäftsumfeld fast ausschließlich auf männliche Kollegen. "Entsprechend mussten wir uns da erstmal behaupten", sagt Stephanie Holzmann. 2014 haben die ehemaligen Mitarbeiterinnen das Unternehmen von Firmengründer Eberhard Derichs erworben. "Unser festes Ziel ist es, das Erbe in das neue Industriezeitalter 4.0 zu führen und die weltweite Marke Derichs weiter zu manifestieren", erklärten die beiden Geschäftsfrauen Oberbürgermeister Frank Meyer bei dessen Besuch im Firmensitz in Fischeln.

"Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Elan und auch Begeisterung für die Produkte hier erfolgreich gearbeitet wird", sagt Frank Meyer. Dabei sind Maria Barthels und Stephanie Holzmann auf einem guten Weg. "Derichs-Walzen sind in der Kunststoff-Produktion weltweit ein Begriff und gelten als der Mercedes der Branche", erklärt Maria Barthels. Heiz- und Kühlwalzen, Glättwalzen und Kupferwalzen für unterschiedlichste Anwendungen und Größen bietet das Unternehmen an - allesamt als Unikate. "Der Kunde kommt zu uns zum Beispiel mit einem Anspruch an die Folie, die er produzieren möchte. Entsprechend wird bei uns konzipiert und umgesetzt", macht Stephanie Holzmann deutlich. Die Fertigung der Walzen ist ausgelagert - noch. "Wir haben vor, in einer eigenen Produktionshalle einen Teil der Fertigung selber zu übernehmen und damit ins Unternehmen zu holen", sagt Maria Barthels.

Gleichzeitig sind die beiden Inhaberinnen aktiv dabei, die Leistungsmerkmale ihrer Produkte durch innovative technische Entwicklungen noch weiter zu steigern. Dazu dienen unter anderem Projekte mit der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Fraunhofer-Institut und der Hochschule Niederrhein. Ein Modell einer Spezialwalze mit Acrylglas, das technische Innovation sichtbar und nachvollziehbar macht, haben die Inhaberinnen in den Büroräumen stehen - die Messwerte sind über W-Lan per iPad abrufbar.

"Bei uns steht die Leidenschaft für das Produkt im Vordergrund. Aber wir wollen auch allen zeigen: Wir Frauen können es", erklären die beiden Geschäftsfrauen unisono. Durch die weibliche Doppelspitze der Firma Derichs sei auch das Bewusstsein für die Gleichstellung von Frau und Mann in der Arbeitswelt gestiegen und die Begeisterung und Gewinnung von Frauen für technische Berufe stark sensibilisiert worden.

"Zum Beispiel alleinerziehenden Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen und eine flexible und mit dem privaten Alltag kompatible Erwerbstätigkeit zu ermöglichen, spielt für uns bei Einstellungen deshalb eine besondere Rolle", sagen Maria Barthels und Stephanie Holzmann. Ein ethischer Kodex sei nicht nur in großen Betrieben, sondern auch in typischen Klein- und mittelständischen Unternehmen möglich und nötig. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt eine immer größere Rolle im Arbeitsleben und ist heute auch Entscheidungskriterium von Mitarbeitern bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Die Ausrichtung der beiden Geschäftsführerinnen von Derichs finde ich hier beachtlich", sagt Oberbürgermeister Frank Meyer.

Beheimatet ist die Firma Derichs seit dem Jahr 1972 in Krefeld und findet ihren Ursprung unter anderem in der Geschichte der Samt- und Seidenstadt. Gründervater Eberhard Derichs - geboren am Niederrhein und verwurzelt in der Stadt - hatte sich bewusst für den Standort Krefeld entschieden. Über die Ansiedlung der Textil-, Vlies- und Papierindustrie hatte sich Ende, der 1960-er Jahre der Industriezweig Kunststoff hinzugesellt. Die Veränderungen der Materialien in der Krefelder Textilindustrie, hin zu mehr Kunstfasern oder Lederimitationen, erzwangen neue Oberflächenbearbeitungen.

Kunststoffe sind aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken - ob im weiten Bereich der Verpackungsindustrie, Automobilbranche, der Medizintechnik und Möbelindustrie oder im Baustoffbereich. Ob Einkaufstüte, Joghurtbecher, Bürofolie, Blutbeutel, Blumentopf oder Babywindel: Allen diesen - und vielen tausend Kunststoffprodukten mehr - ist eines gemeinsam: Sie werden mit Maschinen oder in Anlagen gefertigt, von denen nicht wenige mit Derichs-Präzisionswalzen ausgerüstet sind.

Quelle: RP
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