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Krefeld
Deutschlands modernstes Minarett steht in Krefeld

Krefeld: Deutschlands modernstes Minarett steht in Krefeld
Vor dem Minarett wehten die deutsche und (nicht im Bild) die türkische Flagge. Die Stahldorfer Yunus-Emre-Gemeinde feierte gestern mit zahlreichen Gästen die Einweihung des ersten Krefelder Minaretts. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das Minarett der Yunus-Emre-Moschee wurde gestern feierlich eingeweiht. Mit seiner modernen Architektur gilt es als einzigartig in Deutschland und als Bekenntnis zu einem modernen Islam. Von Jens Voss

Mit einem Bekenntnis zur Demokratie und dem Appell, fremdenfeindlichen und rassistischen Angriffen auf Gotteshäuser zu widerstehen, hat Kenan Kiraz, Vorsitzender der Yunus-Emre-Moschee am Saxhof in Stahldorf, Krefelds erstes Minarett eingeweiht. Auch wenn es eine Selbstverständlichkeit sei, in "unserem freien demokratischen Land" seine Religion auszuleben, "sind wir dankbar dafür", betonte Kiraz vor etwa 300 Gästen, darunter Vertreter aus der Krefelder Politik, aus Verwaltung, Vereinen, Verbänden, Bürgervereinen und nicht-muslimischen Religionsgemeinschaften, insbesondere aus der evangelischen und der katholischen Kirche. Mesut Akdeniz, Vorsitzender der Türkischen Union in Krefeld, würdigte die Einweihung nicht nur als historisch für Krefeld, sondern für Deutschland, weil das Minarett mit seiner modernen Formensprache seinesgleichen suche. Kiraz sprach von einer "Synthese aus osmanischer und moderner Architektur", die "auch zu unserem Stahldorf passt" - denn Stahl ist ein zentraler Baustoff des Werkes, und es waren türkische Stahlarbeiter, die vor 30 Jahren den Moscheeverein gründeten und seitdem in einem Provisorium Gottesdienste und Gemeindeleben zelebrierten.

Mit dem rund 300.000 Euro teuren Neubau wurden Moschee und Minarett zu einem modernen Ganzen umgeformt. Der Moscheeverein hat rund 330 Mitglieder, die Finanzierung ist laut Mehmet Demir, dem früheren Unionsvorsitzenden, allein aus Spenden und Benefizveranstaltungen finanziert worden - "es haben auch Nicht-Muslime gespendet", betonte er.

Oberbürgermeister Frank Meyer (2.v.r.) übergibt Kenan Kiraz, Vorsitzender des Yunus-Emre-Moscheevereins, ein Geschenk zur Einweihung. Rechts der Vize-Vorsitzende Mehmet Gündogdu, links der Imam der Moschee. FOTO: Daniel Schäfer

Oberbürgermeister Frank Meyer sagte in seinem frei gehaltenen Grußwort: "Heute ist ein Tag, auf den kann diese Stadt stolz sein." Krefelds erstes Minarett sei ein Symbol für den berühmten Satz von Max Frisch, wonach Arbeitskräfte gerufen wurden und Menschen gekommen sind. Dass nicht nur ein Minarett, sondern ein spezifisch Krefelder Minarett mit Stahldorfer Bezügen entstanden sei, würdigte Meyer als "Lokalpatriotismus, wie man ihn sich nicht besser vorstellen kann". Er erinnerte an Krefelds Einwanderungsgeschichte, an die Vielseitigkeit in der Stadt mit der Fähigkeit, Einwanderer zu integrieren, und appellierte, diesen Weg gemeinsam fortzusetzen, "denn er ist nicht selbstverständlich". Zum Schluss wünschte er der muslimischen Gemeinde eine "gesegnete Zeit" und der Stadt ein "wunderbares Zusammenleben von Krefeldern, egal woher sie kommen und egal woran sie glauben". Als Gastgeschenk überbrachte er eine kleine Skulptur, die Freundschaft symbolisiert.

Das Minarett ist ein sogenanntes "stilles Minarett"; es spiegelt die Geschichte des Moscheebaus, ist aber nicht als Plattform für einen Muezzin gedacht.

Quelle: RP
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