| 00.00 Uhr

Krefeld
Dichtheits-Test zerstört Kanäle

Krefeld: Dichtheits-Test zerstört Kanäle
Auch die Stadt Krefeld muss ihre Kanäle auf Dichtheit prüfen lassen. Für sie gelten allerdings laxere Regeln als für die Hausbesitzer. Auch in Wasserschutzzonen reicht eine TV-Inspektion, Hausbesitzer müssen hingegen per Druck prüfen lassen. RP-Archiv: Thomas Lammertz FOTO: RPO
Krefeld. Die Dichtheitsprüfung für alte Hausanschlüsse in Wasserschutzzonen wird zum teuren Risiko: Kanäle können durch den Druck-Test zerstört werden. In Krefeld ist er für Eigentümer vorgeschrieben – dabei genügt eine TV-Inspektion. Von Martin Röse

Ist die Stadt Krefeld bei der Dichtheitsprüfung der privaten Hausanschlüsse übers Ziel hinausgeschossen und belastet die Einwohner unverhältnismäßig? In ihrer Entwässerungssatzung schreibt die Stadt den 6000 Eigentümern von vor 1965 errichteten Häusern in Wasserschutzgebieten vor, dass die Abwasserleitungen mit einer Druckprüfung auf Dichtheit getestet werden müssen.

Dabei reicht dem Gesetzgeber eine preiswertere TV-Inspektion. In einem Schreiben zum Vollzugserlass zur Dichtheitsprüfung, das unserer Zeitung vorliegt, schrieb Ministerialrat Viktor Mertsch bereits im Oktober 2010: "Die Grundleitung (gilt) im Sinne der DIN 1986 T 30 ... als dicht, wenn bei einer Prüfung mit der Kanalfernsehanlage keine sichtbaren Schäden und Fremdwassereintritte festgestellt wurden."

In Wasserschutzgebieten könne eine physikalische Prüfung empfohlen werden. Diese physikalische Prüfung mittels Wasser- oder Luftdruck ist aber in Krefeld zwingend vorgeschrieben; so entschieden Krefelds Politiker im März.

Es geht um bis zu 40 Millionen

Die Druckprüfung ist nicht nur fast doppelt so teuer wie eine TV-Inspektion, bei der eine Kamera den Kanal durchfährt, sie zerstört auch die Leitungen. "Erst mit einer nachträglichen Druckprüfung mit Wasser oder Luft sind die alten Rohrverbindungen mit Muffenversatzen nicht mehr wasserdicht und werden somit zum Sanierungsfall mit etwa 3000 bis 6000 Euro", sagt der Diplom-Ingenieur Karl Jansen.

Er ist vereidigter Sachverständiger bei der IHK für Kanalgutachten, sitzt im Ausschuss des Deutschen Abwasserverbandes. Die Forderung der Stadt Krefeld nennt er "unverhältnismäßig überzogen", denn ein unmittelbarer Wasseraustritt aus den alten Rohrverbindungen sei nicht zu erwarten. Und ob der Kanal dicht sei oder, beispielsweise durch Wurzeleinwuchs, nicht – das belege bereits die preisgünstige TV-Inspektion. "Jetzt kommen auf die 6000 Eigentümer Sanierungskosten von 24 bis 40 Millionen Euro zu."

In Krefeld bieten die Stadtwerke Krefeld (SWK), eine 100-prozentige Tochter der Stadt, die Druckprüfung der Hausanschlüsse in Kooperation mit örtlichen Handwerksbetrieben an. Die ersten 100 Prüfungen sind bereits gelaufen. "In etwa 90 Prozent der Fälle wurde festgestellt, dass der Kanal nicht dicht war und entsprechend repariert werden muss", sagt SWK-Sprecher Dirk Höstermann.

Auch die Stadt muss ihre eigenen Kanäle auf Dichtheit prüfen lassen – das erledigt die SWK Aqua. Dort gelten allerdings nicht die scharfen Regeln wie für die Einwohner. "Die städtischen Kanäle unterliegen der ,Selbstüberwachungsverordnung Kanal' des Landes NRW", erklärt der SWK-Sprecher. "Diese sieht eine Sicht-Prüfung vor, also keine Druckprüfung."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Dichtheits-Test zerstört Kanäle


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.