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Krefeld
"Die Alleen sind der Kölner Dom von Krefeld"

Krefeld: "Die Alleen sind der Kölner Dom von Krefeld"
Die Pflastersteine, Gehwegplatten und roten Grenzsteine vor Hus Esters sind so verlegt wie Mies van der Rohe es seinerzeit vorgesehen hatte. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Architekt Klaus Reymann macht sich stark für die Rettung der Alleen, zu denen nicht nur Bäume zählen, sondern auch das Pflaster. Von Petra Diederichs

Vor den Häusern Esters und Lange ist das Pflaster vorbildlich restauriert worden - so wie es der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe vor einem knappen Jahrhundert vorgesehen hatte: in Mosaikmuster, Bordsteine und Platten aus Basaltlava. Architekt Klaus Reymann hat jetzt an den Denkmalausschuss geschrieben mit der Empfehlung, das Pflaster unter Denkmalschutz zu stellen. Das sei ein entscheidender Baustein, um Krefelds alte Schönheit wieder herzustellen.

1828 erschienen die Alleen erstmals im Plan von Vagedes-Goldammer, der nach Kabinettorder von 1820 die Stadtgestaltung vorgab. Als grüne Adern gliederten sie das Stadtgebiet, jede Straße wurde von einer anderen Baumart gesäumt: Architektonisch ist es das Ideal von Individualität und ordnender Gleichheit. "Mit den großzügig angelegten vier Wällen und Alleen im Bismarckviertel oder den Kempener Alleen waren die damaligen Stadtplaner ihrer Zeit weit voraus: Die Alleen sind der Kölner Dom von Krefeld", sagt Reymann. Deshalb seien sie Thema für den Denkmalschutz.

2007 hat Nordrhein-Westfalen den gesetzlichen Schutz von Alleen eingeführt. Ein landesweites Kataster verzeichnete im Frühjahr 2014 5300 Alleen mit einer Gesamtlänge von 3320 Kilometern. Ständig wird mit den Initiativen der Städte der noch vorhandene Alleen-Bestand in NRW aufgestockt - vorwiegend mit Linden, Eichen, Ahornen und Eschen, aber auch mit Ostbäumen und Birken. "Krefeld ist da nicht vertreten", bedauert Reymann. Eine finanzielle Frage? "Dafür gibt es Mittel aus den Töpfen von Stadtumbau West", meint der Architekt.

Ein Stadtplan um 1911. Die grünen Flächen und die schwarzen Punkte markieren die Begrünung und die Bäume. Das Oval in der Mitte ist der Friedrichsplatz. FOTO: Architekten Reymann

Begrünung alleine reiche nicht. Auch die Gestaltung des Bodens bestimmt das Bild. Die als Alleen ausgebauten Straßenzüge in Krefeld sind ursprünglich in Naturstein gepflastert. Die Bürgersteige begrenzen Basaltlava-Bordsteine. Die Gehwegflächen sind in Mosaiksteinen und diagonal verlegten Betonplatten gestaltet und haben in der Regel einen roten Granitvorsatz. Reymann: "Das ist eine Textur mit edler Oberfläche, dieses Material macht die Samt- und Seidenstadt aus."

Charakteristische Pflasterungen habe es in allen Stadtteilen gegeben. Der Friedrichsplatz sei mit weißen Steinen ein Aushängeschild für eine moderne Stadt gewesen. Dort, wo der originale Bodenbelag noch vorhanden ist, müsse Krefeld ihn erhalten. Unter der Teerschicht auf dem Westwall etwa gebe es noch die alten gepflasterten Flächen. Am Ricarda-Huch-Gymnasium ist der alte Belag sichtbar, aber gefährdet.

Ein atemberaubend schönes Bild bietet sich, wenn die Zierkirschenbäume der Allee an der Waldhofstraße blühen. FOTO: Thomas lammertz

Dass Straßenschäden mit billigerem und nicht passendem Ersatz ausgebessert würden, zerstöre nicht nur den optischen Eindruck. "Langfristig wird das sogar teurer", rechnet der Architekt, ein Millionenprojekt, das sich langfristig aber auszahle. Eine überteerte Straße wieder mit Basaltlavaplatten auszustatten koste pro Quadratmeter zwar ab 200 Euro. "Dafür hält das aber auch 200 Jahre." Krefeld müsse langfristig denken und planvoll die Rekonstruktionen angehen, Reymann spricht vom "Programm 2050". Jede Platte könne auch heute noch hergestellt werden. Flexibilität wünscht sich der Architekt und Initiator der Krefelder Baudenkmalstiftung auch im Umgang mit den Bäumen. In den Alleen nehmen sie oft den gesamten Straßenraum ein, rauben Licht und werden erst gestutzt, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet oder der Baum krank ist. "Die Bäume sind schlicht zu groß. Sie müssen als gestalterisches Element gepflegt werden. Das machen die Franzosen vorbildlich." Es komme nicht nur darauf an, nicht zu üppig wachsende Bäume auszuwählen. "Wir müssen den Bestand auch auswechseln können." Reymanns Fazit: "Es ist Zeit, dass wir den Antrag auf Unterschutzstellung stellen, damit diese Kleinode mit allen Bestandteilen vom Pflaster über die Beleuchtung bis zu den Bäumen nicht abgebaut oder zerstört werden."

Quelle: RP
 
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