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Krefeld
Die Angst der Taubenzüchter vor den Falken

Krefeld: Die Angst der Taubenzüchter vor den Falken
Dieter Horchmer mit Taube Nummer 274, die er selbst gezüchtet hat. Die Tauben haben keine Namen. Seine "274", sagt Horchmer sei wegen der Farbe ihres Gefieders besonders gefährdet, von Falken geschlagen zu werden. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Wanderfalken haben sich auf dem Hülser Kirchturm niedergelassen. Für Naturschützer ist das ein Erfolg. Die Brieftaubenzüchter fürchten um ihre Tiere. Die Falken haben bereits 50 Tauben gerissen, sagt Züchter Dieter Horchmer. Von Carola Puvogel

Die einen feiern es als Riesenerfolg für den Naturschutz, für die anderen ist es der blanke Horror: Die vom Aussterben bedrohte Art der Wanderfalken hat in Hüls zum zweiten Mal in Folge im Turm von St. Cyriakus genistet, drei Jungtiere hat das Falken-Paar in diesem Jahr erfolgreich aufgezogen. Während in der Nabu-Mitgliederzeitschrift "Naturspiegel" erfreut berichtet wird, dass die Art sich langsam wieder erhole, beobachten Hülser Brieftaubenzüchter die Entwicklung in ihrem Stadtteil mit Sorge.

Das erzählt Dieter Horchmer, Besitzer von rund 120 Tieren. Erst am Dienstagabend musste er mit ansehen, wie eine seiner Jungtauben von einem der Falken geschlagen wurde. Etwa zehn Prozent seiner Tauben hat er in diesem Jahr verloren, 40 bis 50 Tauben seien es im gesamten Verein mit rund 600 Tauben - ein Verlust, den es in diesem Ausmaß nie zuvor gegeben habe.

"Natürlich gehen immer mal wieder Vögel verloren, das ist kein Thema. Aber was wir in diesem Jahr hier erleben, ist unvorstellbar." Abgesehen von den finanziellen Einbußen - seine Tauben können Preise bis zu 1000 Euro erzielen; die besten Zuchttauben sind bis zu 10 000 Euro wert - blutet dem Züchter beim Verlust der Tiere auch das Herz. "Wenn man mitansehen muss, wie den Tieren, die von den Falken gepackt werden, der Kopf aufgehackt, sie regelrecht zerfleischt werden, dann können einem schon die Tränen kommen."

Horchmer ist dabei Realist: "Mir ist schon klar, dass sich in der Natur viele Dinge selber regeln, und dass natürlich Falken, aber auch Sperber, auf die Jagd gehen. Aber was man hier in Hüls macht, steht auf einem ganz anderen Blatt." Horchmer kritisiert offen die Ansiedelung der Falken auf dem Kirchturm. "Falken sind Felsbrüter. Warum muss man sie also mitten in der Stadt heimisch machen?" fragt er. "Ich habe den Eindruck, dass dieses Falkenpaar, von wem auch immer, ganz bewusst eingesetzt wurde, um der Wildtaubenplage in Hüls zu begegnen." Für ihn ist das ein falscher Weg. Erfolgversprechender sei es, den Wildtauben die Gelege wegzunehmen, durch Gipseier zu ersetzen und so die Population zu kontrollieren. Dieter Horchmer rechnet vor, dass pro Falke pro Tag etwa ein Beutetier nötig sei, um Eltern und Jungtiere zu versorgen. "Klar werden da auch ein paar Wildtauben dabei sein. Dass die Falken auch Singvögel - und eben unsere Brieftauben - jagen, muss man sich aber auch mal vor Augen halten."

Er selber hat vor der Kirche vor kurzem die Überreste einer toten Brieftaube gefunden. Anhand der Beringung an beiden Beinen kann die Taube eineindeutig zum Besitzer zurückverfolgt werden: Horchmer meldete diesem Taubenzüchter seinen Verlust. Für die Züchter sei es wichtig, zu erfahren, was aus ihren Tieren geworden ist, und ob noch die Chance besteht, dass verschwundene Tiere zum Heimatschlag zurückkehren. "Wir wollen wissen 'Ist das Tier einfach weg, oder ist es gefressen worden'." Er fordert daher, dass den Hülser Züchtern wenigstens die Ringe ihrer Tauben zurückgegeben werden. "Man kann davon ausgehen, dass das Nest voll mit Ringen liegt. Die Falken fressen die Füße nämlich nicht."

In der Fachzeitschrift des Brieftaubenverbandes gebe es immer wieder Bilder von Falkennestern, in denen teils mehrere hundert Brieftauben-Füße mit den dazugehörigen Ringen daran gefunden wurden. Doch für solche Veröffentlichungen, glaubt Dieter Horchmer, sei der Nabu zu feige. "Denn dann weiß der Besitzer ja, 'Aha, die sind von den Falken geholt worden'. Aber das gibt natürlich keiner gerne zu."

Quelle: RP
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