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Krefeld
Die Christl von der Post singt am Schwanenbrunnen

"Der Vogelhändler" Open Air in Krefeld
Krefeld. Fünf Opernsänger und ein Streichquartett bringen eine luftiger Version von "Der Vogelhändler" als "Operette im Espresso-Format" vor die Einkaufspassage.

Freitag, kurz nach dem Mittagessen ist die ideale Zeit für Operette. Davon ist Désirée Brodka zutiefst überzeugt. Deshalb wird sie den Krefeldern am Freitag, 14. August, ein besonderes Erlebnis klassicher Musik kredenzen: Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler". "Operette im Espresso-Format" heißt das Konzept, klassische Musik qualitätvoll und unterhaltsam dorthin zu bringen, wo sie auch Leuten begegnet, die wenig oder gar keine Erfahrung mit Oper und Operette haben. "Klein, kurz, gemütlich, entspannt", beschreibt es Brodka. Die Musik beginnt um 14 Uhr mitten unter den Einkäufern und Flaneuren vor dem Schwanenmarktcenter.

Die Sopranistin, die lange im Schönhausen-Chor gesungen hat, war im vergangenen Jahr erstmals mit einer Open-Air-Operette vor dem Schwanenbrunnen in Krefeld zu Gast. Der "Freischütz" war ein enormer Publikumserfolg mit 500 Zuschauern. Mindestens so viele erwartet das Schwanenmarkt-Management auch in diesem Jahr. Und Brodka ist zuversichtlich. Auch wenn sie in diesem Jahr auf die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation (München) verzichten und alles alleine stemmen musste. Sie hat den Verein "Music to Go" initiiert, die Chorszenen gestrichen und die Musik für fünf Sänger mit sieben Partien eingerichtet. Sie wird die von Raphael D. Thöne für Streichquartett arrangierte Fassung auch leiten und moderieren, damit alle die Handlung um die Turbulenzen und Verwicklungen bei einer Wildschweinjagd in der Pfalz Ende des 18. Jahrhunderts mitverfolgen können. Sogar den Spitzenjabot für die Uniform des Grafen hat sie selbst genäht.

Die Geschichte um einen falschen Kurfürsten, einen abgebrannten Vogelhändler, eine als Bauernmädchen verkleidete Kurfürstin und die patente Postbotin Christl, die alle Fäden zieht, damit am Ende alle glücklich sind, ist gespickt mit Ohrwürmern. "Ich bin die Christl von der Pooooost", "Schenkt man sich Rosen in Tirol" und "Grüß euch Gott alle miteinander" haben zum großen Erfolg der 1891 in Wien uraufgeführten Operette beigetragen. Seit damals ist das Werk auf deutschsprachigen Bühnen ungebrochen beliebt. "Ich mag Operette, weil es dort so starke Frauengestalten gibt. In der Oper wird mir zu viel gestorben. Konflikte werden fast immer durch Mord oder Totschlag gelöst. Da gefällt mir die Christl besser", sagt Brodka. Natürlich wird sie die Postbotin auch singen. Als ihr Verlobter, Vogelhändler Adam, tritt Walther G. Rösler auf. Die Krefelderin Lisa Kaltenmeier singt die Kurfürstin. James Park, den die Krefelder aus dem Opernstudio Niederrhein am Theater kennen, gibt den Graf Stanislaus und schlüpft in die Rolle des Dorfschulzen Schneck. Auch Agris Hartmanis hat mehrere Rollen, weil man auf die schönsten Duette und Terzette nicht verzichten wollte. Er singt den Baron Weps und wird mit Damenperücke zur schillernden Adelaide. "Wir haben selber solchen Spaß an der Sache, das überträgt sich aufs Publikum", sagt Park. Am Sonntag war Premiere in Neuss ("ein großer Erfolg", so Brodka), heute reist der "Vogelhändler" nach Rodgau, dann weiter nach Düsseldorf, ins Ruhrgebiet und an den Niederrhein. Krefeld ist die letzte Tourneestation.

Die Aufführung dauert etwa 1,5 Stunden und ist für die Zuschauer kostenlos. "Wir freuen uns aber über Spenden für unseren Verein", sagt Brodka. Petra Diederichs

Aufführung am Freitag, 11. August, 14 Uhr, am Brunnen vor dem Schwanenmarkt. Es wird kein Eintritt erhoben. Gespielt wird bei jedem Wetter.

Quelle: RP
 
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