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Krefeld
"Die Formen von Gewalt verändern sich"

Krefeld: "Die Formen von Gewalt verändern sich"
Therese Fröschen, Cigdem Sevinc, Sabine Kreuels und Christiane Vogelsang von der Frauenberatungsstelle. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Die Frauenberatungsstelle feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Von Christine van Delden

Die Frauenberatungsstelle feiert ihr 30-jähriges Bestehen. War die Frauenberatung in ihren Anfängen eher mit frauenpolitischen Themen befasst, stehen heute zusätzlich vielfältige neue Themen an. Der Verein Krefelder Frauenberatungsstelle (FBST) wurde 1985 gegründet als Notruf für vergewaltigte Frauen. "Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte haben sich nicht nur die Anzahl der uns aufsuchenden Klientinnen vergrößert, sondern die Komplexität der Themen nimmt zu, und auch die Formen von Gewalt verändern sich stetig", erklärt Therese Fröschen, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin der FBST.

Das Team der Frauenberatungsstelle definiert Gewaltakte an Frauen als Menschenrechtsverletzungen: "Wir gehen davon aus, dass immer mehr Aspekte von Gewalt und Themen öffentlich werden, an denen sich patriarchale Machtstrukturen ablesen lassen", konstatiert Cigdem Sevinc, Diplom-Psychologin und Mitarbeiterin der FBST. Sie ergänzt seit einem Jahr das Team in der FBST und bietet eine Beratung auch in türkischer und englischer Sprache an. Ebenso erscheint pünktlich zum Jubiläum ein Flyer in türkischer Sprache, und auch die Homepage hat Informationsseiten auf Türkisch. "Multikulturalität ist eines der neueren Themen in unserem Beratungsalltag", ergänzt Christiane Vogelgesang, Diplom-Sozialpädagogin und Mitarbeiterin der FBST, "ebenso wie Flüchtlingsfrauen und Traumatisierungen, Zwangsprostitution und Menschenhandel, Queer-Theorie (Anm.: Die Queer-Theorie ist eine Fortschreibung der Gendertheorie) mediale Gewalt und Sexualisierung der Gesellschaft. Einige sind als direkte Folge der Globalisierung erkennbar."

Der vorgelegte Jahresbericht für 2014 weist aus, dass in der FBST 223 Frauen und Mädchen persönlich beraten wurden. Weitere 450 Personen wurden erreicht im Rahmen von Präventionsveranstaltungen, unter anderem zum Thema Essstörungen. "Die Zahl der uns aufsuchenden Frauen und Mädchen steigt seit Jahren kontinuierlich an", stellt Sabine Kreuels fest. Die Systemische Therapeutin und Supervisorin ist Vorstandsmitglied des Vereins Frauenberatungsstelle Krefeld. Besondere Stoßzeiten macht die Beratungsstelle nach den Weihnachtsfeiertage und den großen Ferien aus. Hier prallen wohl zu hohe Erwartungen in den Familien und Partnerschaften aufeinander.

Seit der Gründung 1985 hat sich viel getan. Tabuthemen wie sexuelle oder häusliche Gewalt wurden öffentlich und sichtbar gemacht und sind mittlerweile ein Strafdelikt. Dennoch ist ein Besuch in der FBST für betroffene Frauen immer noch mit großer Hemmschwelle verbunden. Für Abhilfe sorgen hier die Kooperationen mit der Initiative "Rund um St. Josef" und dem "Sprachcafé". "Jede Frau und jedes Mädchen ab 14 Jahren kann mit jedem Thema zu uns kommen. Wir sehen uns als 'Schutzraum für Frauen', Männer haben nur in Ausnahmefällen Zutritt," erläutert Cigdem Sevinc. Die Beratung ist kostenlos, denn die FBST wird staatlich gefördert und wird von der Stadt bezuschusst. Der Jahresbericht der FBST ist überschrieben mit einem Zitat der deutschen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm (8131-1919): "Mehr Stolz, ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch noch immer trifft. - Auch heute noch? Ja, auch heute noch. (...)." Die FBST unterschreibt ihre Jahresbericht mit: "Ja, auch heute noch! Wir bäumen uns auf!"

Quelle: RP
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