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Krefeld
Die Foto-Schule von Weißrussland

Krefeld. Kunst trifft Politik: Neue Fotografie aus dem unbekannten Belarus sind im Südbahnhof zu sehen. Von Mojo Mendiola

Die Bewohner von Weißrussland, zwischen dem Baltikum, Polen, Russland und der Ukraine lebend, führen unter dem Regime Lukaschenko ein ziemlich isoliertes Dasein. Trotzdem hat sich in Minsk schon vor längerer Zeit eine "Foto-Schule" entwickeln können, zu deren bekanntesten Exponenten Igor Savchenko gehörte, auf den sich auch Andrei Liankevich bezieht. Er startete in Minsk die Initiative und besorgte die erste Auswahl und Zusammenstellung von Fotokünstlern und ihren Arbeiten aus Weißrussland. Das Institut für Auslandsbeziehungen in Berlin griff die Anregung auf, und Matthias Harder kuratierte die Ausstellung, wie sie ab Sonntag im Südbahnhof gezeigt wird.

Die meisten der jetzt gezeigten Fotografen sind knapp 30 Jahre alt und haben ganz verschiedene Brotberufe erlernt, bevor sie auch ihr bildkünstlerisches Können durch eine Ausbildung weiter vervollkommnet. Die Schau "By Now" (zu Deutsch: bis jetzt) offenbart eine reiche Palette an künstlerischen Ansätzen. Zu sehen sind 52 Arbeiten von Tanya Haurylchyk, Siarhei Hudzilin, Andrei Liankevich, Aleksey Naumchik, Paulina Palynskaya, Volga Sasnouskaya, Alexander Sayenko, Aleksei Shinkarenko, Maxim Shumilin, Alexandra Soldatova, Aleksander Veledzimovich, Eugene Kanaplev-Leydik, Pavel Kirpikau, Alexander Kladov, Mikhail Leschenko und Leydik Kanapleva. Einige der Fotos wirken auf den ersten Blick eher belanglos. Der Privatheit, die sie zeigen - ein Leitmotiv der Ausstellung - kommt aber unter den Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Gesellschaft eine andere Bedeutung zu, und so bekommen auch diese Bilder im Kontext von "By Now" ihren Stellenwert. Andere indes fesseln den Betrachter auch ganz unabhängig vom Herkunftsland Belarus. Ein Maskottchen, platziert in einer Maschine am Arbeitsplatz, arbeitende und doch wie erstarrt wirkende Hände, surreale Fotomontagen zum Thema Gleichgewicht, die zugleich Demontagen sind, sowie Kriegs-Reflexionen beinhalten manch eine Überraschung im Detail.

Geradezu lyrisch wirken Stilleben aus bewohnten Zimmern, liebevoll gestaltet sind die Aufnahmen von psychiatrischen Patienten, und ausdrucksstarke Schwarzweiß-Porträts strahlen geradezu klassische Schönheit aus.

Zur Ausstellung gibt es begleitende Einzelveranstaltungen.

Ausstellung im Südbahnhof, Saumstraße 9, vom 19. April bis 29. Mai. Öffnungszeiten jeweils dienstags bis freitags, 15 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

Quelle: RP
 
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