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Krefeld
Die Geheimnisse der Villa Pattberg

Krefeld. An der Uerdinger Straße - unmittelbar neben dem Krefelder Hof - erstrahlt eine Fabrikantenvilla in neuem Glanz. Die Geschichte der Villa Pattberg hat große Lücken. Der Architekt ist nicht bekannt. Aber hier logierten blaublütige Gäste. Von Petra Diederichs

Wenn Queen Elizabeth als junges Mädchen Tagebuch geführt hat, dann könnten darin auch Einträge aus Krefeld zu finden sein. Als sie noch Prinzessin war, logierte sie mehrfach in einer Stadtvilla an der Uerdinger Straße 265, um ihren Verlobten zu besuchen: Prinz Philip, damals noch Offizier Philip Mountbatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Villa das Headquarter der britischen Rheinarmee, und der spätere Prinzgemahl wohnte hier.

Im großzügigen Entree erinnern zwei Kunstdrucke an die blaublütigen Bewohner, eines zeigt Elizabeth als junge Königin, eines als Prinzessin. Das Haus hat vieles erlebt - doch seine Geschichte gibt es nur in Ausschnitten preis. Beim großen Bombenangriff auf Krefeld im Juni 1943 sind auch etliche historische Dokumente vernichtet worden. "Wir haben kaum exakte Daten über die früheren Bewohner der Villa", sagt Jörg Weitzel, Geschäftsführer der Immobilienentwicklungsgesellschaft Kueppers Living. Auch der Architekt ist nicht bekannt.

Seit Frühjahr 2014 hat das Unternehmen die Stadtvilla aus den 1920er Jahren aufwendig saniert, restauriert und innerhalb der Vorgaben durch den Denkmalschutz modernisiert. Es gab viel zu tun. Denn die Villa, die der Krefelder Kaufmann Hugo Pattberg 1920 hat bauen lassen, hatte viele Besitzer. Und die meisten haben nach ihrem Gusto und nach ihren Bedürfnissen umgebaut. "Das Dachgeschoss ist völlig entkernt worden. Hier waren viele Zwischenwände eingezogen gewesen, um kleine Büroräume zu erhalten", erzählt Weitzel. Jetzt gibt es in den Obergeschossen 3000 Quadratmeter vermietbarer Fläche für Büros mit Loftcharakter.

Bevor die weiße Villa zum Firmensitz der Kueppers-Gruppe wurde, war sie in den Besitz der Stadt Krefeld gekommen - und unter Denkmalschutz gestellt worden. Denn sie ist die einzige Firmenvilla in diesem Stil in einem Wohnblock. Später war sie Sitz der Rheinischen Hypothekenbank. 1999 baute die ein Nebengebäude an sowie eine Tiefgarage mit 37 Stellplätzen. "Jede Veränderung bedeutet bei einem Baudenkmal großen Aufwand, weil der Charakter erhalten bleiben muss", sagt Weitzel und lobt die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde. "An Brandschutzauflagen hat zur Entstehungszeit niemand gedacht - und wir haben hier ein Holztreppenhaus." Und Holzböden: Das Originalparkett ist erhalten geblieben und aufgearbeitet worde. Es entspricht dem Parkett in den Mies-Villen Esters und Lange, die nur wenige Jahre später gebaut wurden. "Pattberg könnte die Textilfabrikanten gekannt haben", vermutet Weitzel. Denn zum Garten, der damals ein 15 000 Quadratmeter großer Park war, gab es ein motorisiertes Hebefenster - exakt wie im Haus Lange.

Über das Schicksal Hugo Pattbergs ist aus stadthistorischen Quellen nichts zu erfahren. Selbst im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv der IHK in Köln gibt es keine Lebensspuren. Ein Herbert Pattberg aus Krefeld ist erwähnt. Aber auch da fehlen die Unterlagen. So ist ebenfalls nicht klar, ob Hugo mit jenem Herbert verwandt ist oder vielleicht auch mit Heinrich Pattberg (1862-1934), Generaldirektor der Zeche Rheinpreussen und Namensgeber der Schachtanlage Pattberg mit großen Verdiensten um den Bergbau.

Wer Informationen über die Vergangenheit der Villa Pattberg hat, kann sich wenden an sekretariat@kueppers-living.de

Quelle: RP
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