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Krefeld
Die Geschichte der Dionysius-Kirche

Die Dionysiuskirche vor 100 Jahren
Die Dionysiuskirche vor 100 Jahren FOTO: Stadtarchiv Krefeld
Krefeld. Beinahe hätte Krefeld zwei "Dio-Spitzen" gehabt: Als 1890 der Plan reifte, den alten Turm der Dionysius-Kirche zu ersetzen, da war der Bau von zwei Türmen geplant. Von Jens Voss

Doch die Bezirksregierung in Düsseldorf lehnte ab: "Die Regierung hielt zwei Türme für eine Pfarrkirche nicht für angemessen und brachte zum Ausdruck, dass diese nur bei einem Kathedralen-Kirchbau zu verwenden sei", resümiert Krefelds ehemaliger Stadtarchivar Paul-Günter Schulte in einem Beitrag zur Geschichte der Kirche.

Die Dionysius-Kirche wurde 1754 errichtet. Für die Katholiken ging damals eine kirchlose Zeit zu Ende, nachdem 1607 die katholische Pfarre in der Stadt aufgelöst worden war. Erst Clemens August, Erzbischof von Köln, durfte mit Erlaubnis des Preußenkönigs Friedrich II. in Krefeld eine neue, eine katholische Kirche bauen. Der Grundstein wurde 1754 gelegt, der Turm wurde 1768/69 errichtet.

1840 wurde die Dionysius-Kirche vergrößert und im Zeitgeschmack modernisiert. Dennoch war sie keineswegs das beeindruckendste Gebäude der Stadt: Eine Ansicht um 1860 zeigt den wuchtigen Turm der Alten Kirche und den eleganten Kuppelbau von Krefelds 1853 erbauter Synagoge gleichhoch wie die Dionysius-Kirche. Die Synagoge (1938 von den Nazis in der Reichspogromnacht niedergebrannt) war ein beliebtes Postkartenmotiv. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Turm der Dionysius-Kirche als zu klein empfunden, ja als "Karikatur".

Der Neubau wurde von Anfang an nicht als katholisches Projekt gesehen. Der neue Turm sollte vielmehr städtebaulicher Ausdruck einer selbstbewussten Industriestadt sein, deren Bevölkerung von 1840 bis 1890 von 40 000 auf 105 000 Einwohner angewachsen war. Im Jahr 1890 lautete schließlich die Begründung für den Turmbau (zitiert nach Schulte): "Die Dionysius-Kirche liegt im Mittelpunkt der Stadt Crefeld.

Die schönste und verkehrsreichste Straße der Stadt - die Rheinstraße - mündet in das Turmportal der Kirche. Das Bauwerk erscheint für die heutige Großstadt als eine Karikatur und gibt dem schönsten Teil der Stadt ein dorfähnliches Aussehen. Es ist nicht allein der Wunsch der Katholiken, dass ein Turm aufgeführt werde, welcher der jetzigen Bedeutung der Stadt entspricht." Der neue Turm wurde 1894 fertiggestellt. Mehr als 50 Prozent aller Krefelder Postkartenmotive zeigten danach die Ansicht über die Rheinstraße auf den neuen Turm.

Zum Wahrzeichen der Herzen wurde die Kirche wohl nach Kriegsende. Von den Kirchtürmen der Innenstadt hat nur der Dionysius-Turm den Krieg überstanden. Die Kirche ragte aus einem Trümmerfeld hervor. Dieses erschütternde Szenario dokumentiert 1950 das Titelfoto der Kirchenzeitung Aachen. Die Schlagzeile dazu kündet von Gefühlen des Schreckens, aber auch der Hoffnung: "St. Dionysius - das Wahrzeichen der Stadt ringt sich als Garant des unermüdlichen Aufbauwillens, dank der tatkräftigen Hilfe aller Gläubigen, aus den Trümmern zur neuen Wohnstätte Gottes empor."

Quelle: RP
 
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