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Krefeld
Die geträumten Landschaften der Marlies Blauth

Krefeld. Im Kunstkeller zeigt die Meerbuscher Künstlerin Malerei in verschiedenen Techniken - ein Spaziergang durch Erinnerungen. Von Petra Diederichs

Ein flüchtiger Blick genügt fürs Wiedererkennen: Es ist die Wiese aus der Kindheit, der Garten, in dem man genüsslich Stunden verbracht hat, die raue See und die windumtoste Küste, an der gedankenschwere Köpfe Freiheit atmen. Wer sich ermutigt fühlt, die Szenerie zu verorten, der spürt das Glatteis, auf den ihn Marlies Blauth führt. Im Kunstkeller Krefeld stellt die Meerbuscherin bis zum 17. Juli Landschaftsbilder aus, die zwar die saftiggrünen, sehnsuchtsblauen und wetterleuchtendgelben Farbtöne der Natur aufgreifen, aber ganz eigene Naturgesetze haben. Es sind keine konkreten Landschaften, es sind Seelengeografien.

"Ich male aus der Erinnerung. Es sind Bilder, die ich aufgenommen und gespeichert habe", sagt Blauth. Impressionen von Reisen - "gerne nach Skandinavien" - oder der eigene Garten: Alles formiert sich zu einem Bild, das mehr ist als Blume, Wiese, Meer und Himmel. Blauth ist eine Sehnsuchtsmalerin. Sie wirft dem suchenden Auge einen Köder hin, den es zu erkennen glaubt. Gräser im Wind, zarte Frühlingsblumen, Sommerfelder geben nur vor, konkret zu sein. Je länger der Blick darauf verweilt, desto klarer wird die Abstraktion. Das Licht flirrt, die Farben spielen verkehrte Welt. Der Himmel ist nicht blaugetönt, sondern gelb-rosé gefärbt. Blauth liebt das Paradoxon, und es gelingt ihr, die Welt der "falschen Farben" plausibel scheinen zu lassen. So lösen sich gewohnte Gesetzmäßigkeiten auf.

Wo Pflanzen und Landstriche nur erahnbar sind, malt die Fanatsie und Erinnerung des Betrachters eigene Linien. Einige Lichtlandschaften wirken wie Traumbilder, andere erinnern an die Romane der Bronte-Schwestern oder das Midsommerlicht in Schweden. Und fast ist zu fürchten, dass sich die Bilder auflösen, sobald sich der Blick abwendet. Marlies Blauth hat Kunst, Biologie und Kommunikationsdesign studiert. Als Lehrer haben sie Anna Oppermann, Wil Sensen und Bazon Brock, Instanz der Ästhetik und Vertreter der Fluxus-Bewegung geprägt.

Blauth experimentiert gern, setzt unterschiedliche Formate ein. Besonders wirkungsvoll entfalten sich Landschaften auf den extremen Querformaten, 120 mal 50 Zentimeter. Ein Experiment sind auch ganz neue Arbeiten mit Kohlenstaub. Für die gebürtige Dortmunderin ist der Staub, der überall im Kohleabbaugebiet war, Teil der Kindheit. Für ihre Malerei hat sie ihn selbst angerührt. Die Partikel sind grobkörnig. "Sie fallen immer ein bisschen anders aus, aber sie haben diese plastische Wirkung", sagt sie. Eine schwarz-weiße Skyline spielt ebenfalls auf dem schmalen Grat zwischen konkreter und abstrakter Malerei, bleibt aber kühler in der Wirkung.

Kunstkeller Krefeld, Leyentalstr. 28

Quelle: RP
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