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Krefeld
Die Kultur-Debatte vor der Wahl

Krefeld. Auf Einladung des Krefelder Kulturrats antworteten die Krefelder Oberbürgermeister-Kandidaten von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen in der Kulturfabrik auf Fragen zu kulturpolitischen Themen. Das Interesse war riesig. Von Anette Frieling

Gut eine Woche vor der Wahl wollten sich fast 450 Teilnehmer in der vollbesetzten Kufa einen Eindruck darüber verschaffen, inwieweit sowohl die städtische als auch die freie Kulturszene künftig auf ihren Kandidaten zählen kann. Moderator der Fragerunde war Jens Voß, Redaktionsleiter der Rheinischen Post. Zu Beginn der 90-minütigen Veranstaltung begrüße Heinrich Rungelrath als Sprecher der Kulturrates Kandidaten und Zuschauer. Der Kulturrat habe sich den Erhalt und die Qualität des Krefelder Kulturangebotes zur Aufgabe gemacht, "und uns interessiert natürlich sehr, wie unser zukünftiger Oberbürgermeister die Krefelder Kulturlandschaft sieht und wie er die Zukunftsperspektiven der Kultur in Krefeld beurteilt." Eine Stadt ohne Kultur, betonte er unter Applaus, sei "ein Kaff". Diskutiert wurde über folgende Fragen:

Wie wichtig ist die Kultur, obwohl sie nur gut zwei Prozent des städtischen Etats ausmacht?

Alle drei Kandidaten betonen den hohen Stellenwert der Kultur. Peter Vermeulen weist darauf hin, dass Krefeld gemessen an anderen Städten relativ wenig für Kultur ausgebe.

Sollte man überregional für Krefeld als Architekturstadt werben?

Meyer sieht vor dem Hintergrund des Bauhausjubiläums (100 Jahre Bauhaus im Jahr 2019) große Chancen für die Außenwerbung. Unabhängig davon wünscht er sich die dauerhafte Einrichtung von Architekturführungen.

Auch Vermeulen glaubt an den Marketingeffekt der Bauhausarchitektur und betont, dass Krefeld an vielen Stellen noch mehr als Architekturstadt hervorgehoben werden könnte. Er warnt davor, historische Bausubstanz zu verlieren. Daher habe er zum Beispiel "mit zwiegespaltenen Gefühlen" den Beschluss der Bezirksverwaltung Uerdingen wahrgenommen, ein denkmalgeschütztes Lagergebäude im Hafengelände abzureißen.

Auch Hansen sieht das Bauhausjubiläum als Chance für Krefeld; es sei eine besondere Aufgabe des neuen Oberbürgermeisters, die Stadt einem internationalen Publikum zu präsentieren. Gelächter und Beifall erntete er bei seinem Satz "Man wird uns dann mit einem Mal zusammen mit New York, mit Dessau, mit Berlin oder Stuttgart nennen." Den Abriss des Gebäudes im Hafen verteidigte er - es sei an dieser Stelle nicht zu retten. Was kann man tun zur Sicherung des Theaters in den nächsten 20, 30 Jahren? Alle Kandidaten sehen den Bestand des Theaters als gesichert an und lehnen eine Spartenreduzierung als Sparmaßnahme ab.

Wenn gekürzt werden muss - soll nach der Rasenmähermethode gekürzt werden?

Meyer ist der Überzeugung, dass man auf der Grundlage des neu beschlossenen Haushaltes über Kürzungen im Kulturbereich nicht wird reden müssen. Hansen lehnt die Rasenmähermethode beim Sparen ab und hofft ebenfalls auf positive Effekte der Haushaltsbeschlüsse. Auch Vermeulen geht nicht von Kürzungen im Kulturbereich aus; Ziel müsse es aber sein, mit dem Geld wirtschaftlicher umzugehen.

Stehen die Kandidaten dazu auch, wenn sie sozialen Initiativen erklären, dass man bei ihnen kürzt, aber nicht in der Kultur?

Meyer glaubt, dass es dazu nicht kommt, und empfindet den Ansatz der Frage als "holzschnittartig". Er fordert: "Lassen Sie uns nicht die alberne Diskussion ,Soziales gegen Kultur' führen." Hansen sieht Einsparpotenziale in anderen Bereichen; insbesondere bei der Verwaltung. Vermeulen glaubt dagegen, dass derartige Verteilungsdebatten immer drohen. "Kultur ist immer bedroht, wegdiskutiert zu werden. Man ist in der Kultur immer in der Legitimationsfalle, weil die Kultur nie von allen genutzt wird." Vermeulen sieht keine Sparmöglichkeiten in der Kultur: "Es gibt wenige Bereiche in der Verwaltung, die schon so optimiert sind, wie die im Kulturbereich. Ich sehe den Kulturbereich als ausrationalisiert an." Soll die Stelle des Leiters vom Museum Burg Linn wiederbesetzt werden?

Hansen würde beide Häuser durch eine Person leiten lassen. Meyer möchte beide Stellen beibehalten - für ihn lohnt es nicht, ein Haus quasi zu schwächen, um zwei Besoldungsgruppen zu sparen. Vermeulen glaubt, dass die Diskussion um die Besetzung ein "für Krefeld typisches Problem" zeige: "Wir machen uns dann Gedanken, wenn sie anstehen." Das Ausscheiden von Reichmann sei nicht vom Himmel gefallen. Ihm fehle die Entwicklungsperspektive. "Wir brauchen eine kulturpolitische Diskussion und eine Konzeption, und am Ende steht die Frage, wie mit der Wiederbesetzung zu verfahren ist." Muss das Konzept des Kaiser-Wilhelm-Museums überdacht werden? Hansen wünscht sich mehr "Kunst im öffentlichen Raum", um eine größere Besucherzahl in das Museum zu ziehen. Meyer bezeichnet das Museum als "Highlight unserer Kulturlandschaft". Da das Haus im nächsten Jahr eine neue Leitung bekomme, hoffe er auf eine "hochkarätige Leitungsperson, die das Haus in eine gute Zukunft führt". Vermeulen hofft bei der Neubesetzung auf die Findungskommission. Wichtig sei nicht nur kunstfachlicher Verstand, sondern es brauche jemanden, der auch "Marketing- und Managementaspekte mitdenkt". Muss man die Junkie-Szene vom Theaterplatz als Krefelds Platz der Kultur vertreiben?

Alle Kandidaten hoffen auf Veränderungen und Rückgewinnung des Platzes für die Bürgerschaft, aber keiner sprach sich für eine harte Vertreibung der Szene aus. Vermeulen sagte, die Polizei sei auch für ordnungsrechtliche Dinge zuständig, müsse also auch etwas gegen öffentliches Urinieren unternehmen. Meyer und Hansen hoffen, dass die Szene sich durch bauliche Veränderungen verlagert. Soll das Seidenweberhaus abgerissen werden - wenn sich die Kandidaten etwas wünschen dürften und Geld keine Rolle spielte?

Frank Meyer sagte, dass er sich wegen der großen städtebaulichen Chancen einen Neubau wünschen würde, plädierte aber auch für einen Bürgerentscheid über das Seidenweberhaus. Vermeulen sagte nur so viel, dass er in ästhetischer Hinsicht nicht so große Probleme mit dem Seidenweberhaus habe wie andere.

Quelle: RP
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