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Krefeld
Die Kunst, einen Kimono zu knoten

Krefeld: Die Kunst, einen Kimono zu knoten
Zwei moderne Alltags-Gewänder präsentieren Wiebke Sadowski (l.) und Rebecca Hemer. Im Hintergrund ist ein prächtiger Kimono aus der aktuellen Ausstellung im Textilmuseum Linn zu sehen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. "Farbenpracht und Eleganz", unter diesem Motto präsentiert der Kimonoklub der Heinrich-Heine-Universität moderne Kimonos. Die informative Show am 8. November nimmt Bezug auf die derzeitige Ausstellung im Textilmuseum Linn. Von Bärbel Kleinelsen

Edle Stoffe, brillanten Farben, großflächige Muster - moderne Kimonos fallen auf. Und damit unterscheiden sie sich deutlich von den dezent gehaltenen Edo-komon Kimonos der Samurai, wie sie zurzeit in der Ausstellung "Kirschblüten und Haifischhaut" des Deutschen Textilmuseums in Linn zu sehen sind.

"Farbenpracht und Eleganz" heißt deswegen auch das Motto einer Präsentation des Kimonoklubs der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, zu der das Textilmuseum für Sonntag, 8. November, von 14.30 bis 15.30 Uhr in die Museumsscheune in Linn einlädt. "Diese Präsentation ist ein Kontrastprogramm zu unserer Ausstellung. Gezeigt werden Kimonos von heute, wie sie in Japan getragen werden. Es bietet sich anschließend ein Besuch der Ausstellung an, um Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zu entdecken", erklärt Museumsleiterin Annette Schieck.

Zwölf Mitglieder zählt der Kimonoklub, der eng mit dem Japanischen Generalkonsulat Düsseldorf zusammenarbeitet. Ruth Jäschke ist dort Kulturreferentin und absoluter Kimono-Fan. "Bei 200 habe ich aufgehört, meine Kimonos zu zählen. Wer einmal damit anfängt, den packt schnell die Leidenschaft." Club-Leiterin Rebecca Hemer nickt zustimmend. "Es sind einfach sehr schöne Gewänder, die nicht nur gut kleiden, sondern auch die Körperhaltung positiv beeinflussen", sagt die Studentin, die an diesem Tag einen alltagstauglichen Kimono aus Polyester trägt, den ein Blumenmuster ziert. Gehalten wird das Gewand von einem eher schlichten Gürtel, der auf dem Rücken zu einem Trommelknoten gebunden ist. "Kimonos aus Seide können mehrere tausend Euro kosten und sind sehr anfällig für Flecken. Im Alltag werden deshalb lieber schlichtere Varianten aus Wolle, Leinen oder Baumwolle getragen. Beliebt sind aber auch pflegeleichte Kimonos aus Polyester", erklärt Ruth Jäschke.

Wer einen Kimono anlegen möchte, muss sich in Geduld üben. Zwei bis drei Stunden kann es schon dauern, bis der Laie das Kleidungsstück, das aus zwölf oder mehr Einzelteilen besteht, richtig angezogen hat. "Der Kimono muss nicht nur korrekt gebunden sein, sondern darf auch keine Falten werfen. Entsprechend müssen einige Körperpartien unterfüttert werden, beispielsweise mit Handtüchern. Oft ist das bei Europäerinnen der Rücken", sagt Rebecca Hemer.

Spektakulär ist besonders die Rückenansicht einer Kimono-Trägerin. Durch spezielle Knoten-Techniken entstehen aus den gut vier Meter langen Stoffbahnen, die um die Körpermitte gebunden werden, kunstvolle Gebilde. Dabei darf die Farbe des Gürtels durchaus im Kontrast zu der des Kimonos stehen. Auffälliger Farb- oder Mustermix ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. "Kimono-Trägerinnen machen sich jeden Tag aufs Neue über die Wahl ihres Gewandes viele Gedanken. Das Kleidungsstück muss nicht nur sorgfältig angelegt, sondern auch ausgesucht werden. So ist es zum Beispiel ein Fauxpas, im Herbst einen Stoff mit Frühlingsblüten zu tragen", sagt Hemer und zeigt auf ihren Kimono, auf dem unter anderem herbstliche Chrysanthemen zu sehen sind.

Zehn Klub-Mitglieder, darunter auch ein Mann, präsentieren am 8. November verschiedene moderne Kimono-Varianten. "Männer tragen einfachere und nicht so farbige Kimonos. Ihre Kimonos bestehen auch aus weniger Einzelteilen", erklärt Ruth Jäschke.

Um das richtige Ankleiden zu lernen, haben sich Rebecca Hemer und Klub-Kollegin Wiebke Sadowski bei ihren Aufenthalten in Japan in speziellen Einrichtungen von zertifizierten Expertinnen schulen lassen. So schaffen sie es nun, einen Kimono in "nur" 30 Minuten anzulegen. Allerdings, so Sadowski: "Jeder Kimono wird etwas anders gebunden. Deshalb muss man das Anziehen immer wieder üben."

Quelle: RP
 
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