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Krefeld
Die neue Dampf-Allianz

Krefeld: Die neue Dampf-Allianz
Wollen den Wärmeverbund Krefeld gründen: Hermann-Josef Roos (EGK), Kerstin Abraham (SWK) und Stefan Dresely (Currenta). FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Noch ist es eine Idee: Im Jahr 2018 könnte daraus bei glattem Planungs- und Genehmigungsverlauf Realität werden. Die Müllverbrennungsanlage in Elfrath liefert dann über eine neue, zwei Kilometer lange Leitung heißen Dampf an Currenta für die Firmen im Uerdinger Chempark. 12 bis 15 Millionen Euro müssten investiert werden, um die Energiewende in Krefeld zu befördern. Von Norbert Stirken

Hinter dem Leuchtturmprojekt Wärmeverbund Krefeld stecken handfeste wirtschaftliche Interessen auf Seiten aller Beteiligten: der Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK) als Betreiberin der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage (MKVA) in Elfrath, der Currenta als Chemparkbetreiberin und der Stadtwerke Krefeld (SWK) als Energieunternehmen. Darüber hinaus aber geht es auch um Energieeffizienz und CO2-Vermeidung - also um Umweltschutz.

Die Idee: Die EGK verbrennen jedes Jahr eine Menge Siedlungsabfälle. Als Nebenprodukt entsteht Dampf, der in Strom umgewandelt wird. Weil in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Solar- und Windenergie auf den Markt gekommen ist, sind die Strompreise für Verkäufer stark gesunken. Für die EGK macht es also Sinn, zu besseren Konditionen als beim Strom, den Dampf direkt an Firmen zu veräußern, die Dampf für die Herstellung ihrer Produkte benötigen. Und die sitzen im konkreten Fall nur wenige Meter vom Standort der MKVA entfernt in Uerdingen im Chempark.

Der stellt Dampf seinen auf dem Gelände ansässigen Firmen bislang zur Verfügung, indem er in eigenen Energieanlage Gas verfeuert. Dieser so genannte fossile Energieträger schlägt in der Ökobilanz allerdings sehr negativ zu Buche. Weil im Siedlungsabfall ungefähr die Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, gilt die Verbrennung des Abfalls zu 50 Prozent als CO2-neutral. Lange Rede kurzer Sinn, der Dampf aus der Müllverbrennung spielt den neuen Öko-Anforderungen an die Industrie, die der Gesetzgeber aus Berlin aufstellt, in die Hände. Und auch die MKVA verbessert ihre Energieeffizienz um 25 Prozent.

Es kommt bei der Verwirklichung des "Leuchtturmprojekts Wärmeverbund" zu einer neudeutsch modernen "Win-Win-Situation". Es profitieren also alle Beteiligten. Die EGK würde zukünftig jährlich durch eine neue überirdische Rohrleitung 240.000 Tonnen Dampf liefern. Currenta, die mehr als das Zehnfache dessen im Jahr benötigen, verbesserten dadurch ihre CO2-Bilanz um die Menge, die rund 20.000 Autos im Jahre bei einer Laufleistung von jeweils 20.000 Kilometern verursachten - nämlich 55.000 Tonnen. "Das Geschäft ist für beide Seiten wirtschaftlich interessant", erklärte Kerstin Abraham, Vorstand Entsorgung bei den SWK, gestern bei der Vorstellung des Vorhabens. Auch wenn alle Details noch nicht feststehen, sehen auch Stefan Dresely, Leiter des Currenta-Geschäftsfeldes Energie, und Hermann-Josef Roos, Geschäftsführer der EGK, überwiegend Vorteile. Die ins Auge gefasste Trasse für die Dampftransportleitung aus Stahl verläuft ausschließlich über Firmengelände und öffentliche Grundstücke. Mit den wenigen Anliegern seien bereits erste, erfolgversprechende Gespräch geführt worden. Darüber hinaus sei die Verwirklichung der Idee aller Voraussicht nach sogar förderfähig. Nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz dürfen EGK und Currenta womöglich mit einem 30-prozentigen Zuschuss an den förderfähigen Kosten rechnen. In dem Paket von 12 bis 15 Millionen Euro ist neben der Transportleitung auch die Leitung für den Wasserrücklauf und die Errichtung einer Übernahmestation im Uerdinger Chempark zur Einspeisung in das Currenta-Netz enthalten. Die Partner gehen derzeit von einer vertraglichen Laufzeit von mindestens zehn Jahren aus.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Planung und die Prüfung der Wirtschaftlichkeit bald abgeschlossen werden. Im nächsten Schritt geht es Ende dieses, Anfang nächsten Jahres um die Einholung der erforderlichen Genehmigungen. 2017 könnte mit dem Bau der Anlagen gestartet werden. Für 2018 wäre dann die Inbetriebnahme möglich.

Die Pläne für ein eigenes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk für 600 Millionen Euro sind von dem Projekt nicht betroffen. Die Pläne blieben so lange in der Schublade, so Dresely, bis Berlin Rahmenbedingungen schaffe, die ein erneutes Nachdenken über den Kraftwerksneubau sinnvoll mache.

Quelle: RP
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