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Krefeld
Die neue Feuerwache - ein Prunkpalast?

Krefeld: Die neue Feuerwache - ein Prunkpalast?
Rechts der Riegel mit den 40 Wagenhallen, Umkleiden Frauen und Männer in doppelter Ausfertigung, Sporthalle, Fitnessraum. Links der Komplex mit Verwaltung und Schulung sowie Blockheizkraftwerk zur autarken Energieversorgung. Quer das Foyer und rückseitig die Werkstätten. Oben das Brand- und Übungshaus. FOTO: Foto. Brefort
Krefeld. Die Stadt Krefeld hat die neue Feuerwache von der Firma SKE für 85,4 Millionen Euro bauen lassen. In dem Betrag sind Baukosten von 37,5 Millionen, Finanzierungs- und Betreiberkosten für 30 Jahre enthalten. Von Norbert Stirken

Die neue Krefelder Feuerwache ist mit 140 Meter Länge an der Neuen Ritterstraße deutlich länger als das Hauptgebäude von Schloss Sanssouci (91,60 Meter). Im kommenden März wollen die 240 Berufsfeuerwehrleute aus der 1908 bezogenen Wache Florastraße in den neuen Komplex umziehen. Dann beginnt für die Feuerwehr in Krefeld eine neue Ära. Brandrat und Projektbetreuer Andreas Klos erläutert im Gespräch mit unserer Redaktion die Ausmaße des 37,5 Millionen Euro teuren Neubaus.

Die Feuerwehren hätten über die Jahrzehnte immer mehr neue Aufgaben bekommen und müssten zum Beispiel personell und rechtlich neuen Anforderungen gerecht werden. Mittlerweile existierten für den Bau von Feuerwachen DIN-Vorschriften, die einzuhalten seien. "Wir haben uns bei der Planung schon was gedacht und sie im Übrigen auch von einem externen Sachverständigen prüfen lassen", erklärt Klos.

Einen großen Teil nehmen zum Beispiel 40 Stellplätze für die insgesamt 135 Fahrzeuge der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ein. Leiterwagen, Mannschaftstransportfahrzeuge und anderes Spezialgerät sind über die Jahre der Entwicklung immer größer, breiter und höher geworden. Die meisten Fahrzeuge bleiben entweder in der Wache 2 in Linn oder bei den Freiwilligen Feuerwehren. Die Wechselabrollbehälter (Containeraufsätze) für Trägerfahrzeuge kommen zentral an die neue Wache. Bislang fuhren die Trägerfahrzeuge von der Florastraße nach Linn, nahmen die Container auf und fuhren zum Einsatz. Anschließend in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück in die Wache. "Dabei geht unnötig viel Zeit und Energie verloren", betont Klos.

Für die 240 Berufsfeuerwehrleute gibt es einen Umkleideraum mit 240 Spinden für Männer und zehn für Frauen. Nach dem Einsatz ziehen sie dort ihre verschmutzte Kleidung aus und hängen sie in Spinde, von denen jeder einzelne mit einer Absaugvorrichtung versehen ist. Dann geht's ab in die Dusche und über einen so genannten Schamgang - in dem die Feuerwehrleute unbekleidet nach der Körperreinigung und geschützt vor den Blicken dritter sich ein Stockwerk höher, von der schwarzen in die weiße Zone begeben. Dort gibt es ebenfalls 250 Spinde, und dort ziehen die Einsatzkräfte saubere Kleidung an. Im Fachjargon wird das Schwarz (schmutzig)-Weiß (sauber)-Trennung genannt.

Die gleiche Unterteilung existiert auch im Trakt für den Rettungsdienst. Entsprechend werden auch Desinfektionsräume für die Dekontamination (Entgiftung) von Gerätschaften, Kleidung und Fahrzeugen vorgehalten. Ein Tank mit 30 Kubikmetern Fassungsvermögen hält das verschmutzte Wasser zurück, so das es nicht in die Kanalisation fließt. Es wird gesondert gereinigt und entsorgt.

Im Baukörper an der Neuen Ritterstraße sind ferner die Ruhe- und auch Schlafräume für die Nachtschicht untergebracht. Dort sitzt der Hausmeister von der Firma SKE Facility Management, die das Haus 30 Jahre lang betreut. Fitnessraum und Sporthalle oben und ein Kleinspielfeld draußen ermöglichen es den Berufsfeuerwehrleuten, sich körperlich fit zu halten. "Bislang sind wir in der ganzen Stadt unterwegs gewesen - zur Grotenburg oder zum Schwimmen", sagt Klos. Schwimmen sei dann aus dem Programm gestrichen worden, weil es bei einer Alarmierung zu lange hätte dauern können, bis die Kräfte einsatzbereit gewesen wären.

Hinter dem gläsernen Foyer - laut Klos eine repräsentative Erfindung der Architekten - befinden sich die Werkstätten sowie eine eigene Tankstelle. In einem eigenen Brand- und Übungshaus können Ehrenamtliche und Hauptamtliche qualifiziert und weitergebildet werden. "Dazu mussten wir früher zu Currenta, zu den Stadtwerken, nach Dortmund und in alte Abbruchhäuser fahren", sagt Klose. Jetzt stehen zentrale Einrichtungen zur Verfügung, in denen die Männer und Frauen ihre vorgeschriebenen Übungsstunden unter Atemschutz, für Tiefenrettungen und in der Heißausbildung absolvieren können. Ganz wichtig für Krefeld: das Trainieren des Einsatzes mit Steckleitern. "Tragbare Leitern sind in Krefeld ein ganz wichtiges Hilfsmittel, vielerorts kommen wir mit der Drehleiter nicht hin", berichtet er.

Die Liste der Notwendigkeiten, die im Neubau berücksichtigt sind, ist noch um einiges länger. "Das ist kein Pracht-, sondern ein zukunftsorientierter Zweckbau", urteilt Klos.

Quelle: RP
 
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