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Krefeld
Die neue Radomski

Krefeld: Die neue Radomski
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Radomski hat rasch dazugelernt und überzeugt heute auch Skeptiker. FOTO: kdi
Krefeld. Die 41 Jahre alte Abgeordnete zog einst knapp und als Außenseiterin in den Bundestag ein. Mittlerweile hat sie das politische Geschäft gelernt - aus der Außenseiterin ist eine Favoritin geworden. Von Jürgen Stock

An dem verregneten Morgen, an dem die CDU sie offiziell zur Kandidatin ausrief, stand Kerstin Radomski länger als sonst vor dem Kleiderschrank im heimischen Krefeld. "Ich habe schon eine Weile darüber nachgedacht, was ich an diesem Tag anziehen soll", sagt die Bundestagsabgeordnete. Schließlich entschied sie sich für eine rote Jacke über einer schwarzen Hose. Kräftige Farben für einen starken Auftritt, den sie wenige Stunden später im Neukirchen-Vluyner Landgasthaus Sellner hat: "Ich will meinen Bundestagswahlkreis 2017 direkt holen", sagt sie da.

Für die CDU wäre das ein Novum. Nie hatten die Christdemokarten in dem aus Moers, Neukirchen-Vluyn und dem Krefelder Norden bestehenden Gebilde die Nase vorn. Seit 2002 schien SPD-Mann Siegmund Ehrmann ein Dauer-Abo auf den Sieg zu haben. Doch schon vor zweieinhalb Jahren rückte Radomski Ehrmann nahe auf die Pelle. Dass die Lehrerin für Biologie und Geografie trotz der Niederlage über die Landesliste in den Bundestag einziehen würde, erfuhr sie erst am folgenden Morgen durch eine SMS des Moerser CDU-Fraktionsvorsitzenden Ingo Brohl.

Bei aller Freude über den Sieg gab es damals an der CDU-Basis auch skeptische Stimmen. Würde sich die alleinerziehende Mutter zweier inzwischen fünf und acht Jahre alter Töchter gegen das politische Schwergewicht Ehrmann in Berlin behaupten können? Sie galt als nicht sonderlich fleißig, nicht sehr kämpferisch; überhaupt wusste man nicht so recht, wie ernst man ihre Ambitionen nehmen sollte. Schönwetterpolitikerin oder Ackergaul? Bei Radomski sah vieles nach Schönwetter aus, nicht nach ackern.

Nun, inzwischen ist klar: Sie hat sich profiliert, auch neben dem übermächtigen SPD-Mann. Deutlichstes Beispiel: die gemeinsame Initiative der beiden Politiker zur Rettung des Moers-Festivals. Nicht das einzige Verdienst des Mitglieds des Haushalts- und Rechnungsprüfungsausschusses Radomski: Sie selbst verbucht ihr Engagement für die Krefelder Rennbahn, das Stadtbad und die Linner Drehbrücke sowie die Moerser Stadtkirche auf der Haben-Seite. Hinzufügen könnte sie noch ihre nicht unmaßgebliche Rolle bei den Bemühungen, die Sanierung der A 40-Autobahnbrücke voranzutreiben. Ganz nebenbei hat sich die ehemalige Fachfrau für die oft eher als weich angesehenen Themen Umwelt und Familie zur Haushaltsexpertin gemausert. Deshalb würde sie auch bei einer Wiederwahl 2017 gerne ihre Arbeit im Haushaltsausschuss fortsetzen. "Das ist nämlich ein ziemlich guter Job", sagt sie.

Aber nicht nur weil sie in Berlin einen "guten Job" gemacht hat, ist sie in der CDU inzwischen ein "Aushängeschild", wie ihr der Krefelder Kreisvorsitzende Marc Blondin bescheinigte. Auch an der Basis ist sie inzwischen zuweilen präsenter als Kollege Ehrmann. Gerade in Moers und Neukirchen-Vluyn hatte man in der Vergangenheit mitunter bemäkelt, dass Radomski lokale Termine im politischen und gesellschaftlichen Leben nur gelegentlich wahrnehme. Alle Unkenrufe sind verstummt.

Wie führende Vertreter der verantwortlichen CDU-Gremien im Wahlkreis mitteilten, sei das Votum in den Vorständen für Radomski einhellig gewesen. Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass sie auch das Vertrauen der Delegierten auf einer noch anzuberaumenden Vertreterversammlung erlangen wird. Selbst ein Siegmund Ehrmann hätte es da wohl schwer, sich 2017 gegen Radomski durchzusetzen. Doch der SPD-Politiker hat im Januar überraschend angekündigt, dass er nicht mehr kandidieren werde. Derzeit sind die Sozialdemokraten auf Kandidaten-Suche. Das könnte sich noch eine Weile hinziehen. Wer würde gerne Gefahr laufen, den Wahlkreis zum ersten Mal gegen die CDU zu verlieren?

Quelle: RP
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