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Krefeld
Die persönliche Seite der OB-Kandidaten

Krefeld: Die persönliche Seite der OB-Kandidaten
In jugendlich-lockerem Outfit ohne Krawatte präsentierten sich im Kreativ-Haus der Brennerei Dujardin am Montagabend die drei Krefelder OB-Kandidaten (v.l.): Thorsten Hansen, Peter Vermeulen und Frank Meyer. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Um junge Krefelder stärker an die Politik heranzuführen, haben Jungpolitiker aus vier Parteien das Talk-Format "Hier+Jetzt" organisiert. In einer flotten Moderation ging es um das Privatleben der Akteure jenseits der Politik. Von Otmar Sprothen

Der OB-Kandidat der Krefelder CDU, Peter Vermeulen (57), hat in jungen Jahren Kriegsdienstverweigerer beraten und sogar mit einem Freund unter dem Titel "Nicht mit uns" ein Buch zur Verweigerung des Dienstes an der Waffe geschrieben. Für Diskussionsstoff war in den ausklingenden wilden Siebzigern reichlich in der Familie Vermeulen gesorgt, denn Vermeulens Schwester gehörte vorübergehend dem KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) an.

Mitunter musste ihr Bruder Peter sie dort vertreten, ohne Gefallen daran zu finden. "Die konnten nicht lachen", urteilt der Politiker heute. Solche und andere unerwartete biografische Selbstzeugnisse aus dem Werdegang der drei Krefelder OB-Aspiranten erfuhren die politisch interessierten jungen Leute, die auf dem von Patrick Pöhler munter moderierten jüngsten Polit-Talk der Reihe "Hier + Jetzt" in der Brennerei Dujardin mehr über die menschliche Seite der Kandidaten erfahren wollten.

Unterstützt vom Bürgerbüro des Chemparks, hat sich das von den Jungpolitikern Karsten Ludwig (Grüne), Florian Philipp Ott (FDP), Mustafa Ertürk (SPD) und Peter Kostyrok (CDU) ins Leben gerufene frische Talk-Format etabliert. Vermeulens erster Berufswunsch war der des Schäfers. "Man ist an der frischen Luft und hat einen Hund", waren die Anziehungspunkte. Noch heute macht der Mülheimer Beigeordnete frühmorgens und spätabends mit seinem Dackel eine Runde, um abzuspannen. Ehrlichkeit hält Vermeulen für die wichtigste Tugend im Leben. Sinnstiftende Figuren sind für ihn Martin Luther King oder Nelson Mandela.

Sein Mitbewerber der SPD, Frank Meyer (40), wollte ursprünglich Pfarrer werden. Die Herausforderung dieses Berufes, das Interesse an Menschen, hält Meyer neben einer offenen Grundhaltung für eine der wichtigsten Eigenschaften.

Meyer ist Mitglied zweier Fußballvereine, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: KFC Uerdingen und FC Liverpool. Stolz ist Meyer darauf, in einem Krefelder Café einen Liverpooler FC-Fan kennengelernt zu haben. Von der Band, die er als Jugendlicher gegründet hat, rückt er nun als gereifter Erwachsener wegen der damaligen Qualitätsmängel ab.

Für sein Hobby, das Lesen, lässt ihm der Politikbetrieb nur wenig Zeit. Seine zweite Leidenschaft richtig auszuleben, nämlich längere Zeit in der Bretagne zu verbringen, lässt sein noch entwicklungsbedürftiges Französisch nicht zu. Also bekennt er sich klar zu seiner Heimatstadt: "Krefeld hat die richtige Größe. Man kann sich nicht verlaufen, aber Krefeld hat alles, was eine Großstadt benötigt."

Als eine japanische Fabrik Quecksilber in eine Meeresbucht einleitete und über die Aufnahme von Fisch hunderte Menschen vergiftete, erkannte Thorsten Hansen (48), OB-Kandidat der Grünen, dass das kommende Thema die Bewahrung der Umwelt sei. Über mehrere Umweltverbände kam der IT-Service-Manager zu den Grünen. Er bewundert Krefeld als eine Stadt mit viel Grün, und doppeldeutig sagt er: "Krefeld wird immer grüner." Der temperamentvolle Politiker empfindet sich als sehr strukturiert und zielstrebig. Er bewundert Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten. Der geborene Kasseler lobt Krefeld: "Eine sehr offene Stadt. Menschen, die wie ich von außen zugezogen sind, empfinden diese Stadt viel positiver als die Krefelder selbst." Die 70er und 80er Jahre waren wesentlich politischer als heute, findet Hansen.

Damit liegt er nicht falsch. Der kollegial-mitfühlende Umgang, den die drei Kandidaten miteinander pflegten, wäre damals nicht möglich gewesen. In der ideologisch hart ringenden Nach-Adenauer-Zeit waren die politischen Fronten klar, was sich auch auf die Wähler übertrug. Das ist heute anders. Man geht pfleglicher miteinander um, aber der Wähler und seine Beteiligung an der Politik sind nur schwer einschätzbar.

Quelle: RP
 
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