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Krefeld
Die Rechtspopulisten beschäftigen auch das Schwarze Schaf

Krefeld. Das Rennen um "Das Schwarze Schaf" ging in die zweite Vorrunde. Unter den Kandidaten gab auch dieses Mal einen klaren Favoriten: Heino Tiskens ist Sieger des zweiten Abends. Der Kaldenkirchener zeigte Ausschnitte aus seinem Programm "Zurück zur Kultur". Von Isabel Carcamo-Mankas

"Das Schwere leicht gesagt" - so lautet ein Buchtitel des Kabarettmeisters Hanns Dieter Hüsch und so könnte auch die Überschrift des zweiten Vorrundenabends des von Hanns Dieter Hüsch 1999 ins Leben gerufenen Wettbewerbs "Das Schwarze Schaf" lauten. Ein originelles Potpourri aus Satire, Reimkunst, Lyrik, Gesang und Körperakrobatik bot sich dem gut gelaunten Publikum in der erneut ausverkauften Werkbühne des Südbahnhofs - "dem Theater am Aldi-Süd", wie Moderator und Kabarettist Christoph Brüske im Verlaufe des Abends gern einwarf.

Im Vergleich zum ersten Vorrundenabend vor einer Woche waren die Beiträge dieses Mal persönlicher, stets politisch und trotz ihrer Schärfe hoffnungsvoll. Mit "2gewinnt", einem jungen Duo aus Wien, wollte das Publikum zu Beginn nicht so recht warm werden. Laute Lacher blieben aus. Der Wiener Humor funktioniert vielleicht nach ganz eigenen Regeln. Beliebte Tierwitze nahmen sie aufs Korn, und Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland boten wegen der aktuellen politischen Zustände ausreichend Stoff für Unterhaltung. Bei der Gesangseinlage wurde viel gelacht. Hier bewiesen die sympathischen Nachwuchskabarettisten, dass sie das Publikum auch mit seichten Witzen zum Lachen bringen können.

Kabarettist Marvin Spencer griff die drängenden Fragen zur Flüchtlingsdebatte humorvoll auf. Er berichtete von seiner Arbeit mit Flüchtlingen. Themen für seine Sketche bezieht er vor allem aus Internetforen; seine Texte, so Spencer, schreiben sich quasi von ganz allein.

Katalyn Bohn eroberte die Bühne mit Slapstick und Verwandlungskunst. Ihre "Tageschau"-Persiflage als Judith Rakers münzte sie auf Themen junger Familien um und erntete dafür großen Applaus. Mit dem Einstieg "Ich mache gerade Achtsamkeit" spielte die Berlinerin Katharina Hoffmann auf das Thema Selbstoptimierungswahn an. Hoffmann, die selbsternannte Stadtneurotikerin, stellte Fragen an das Publikum wie "Wer möchte sich noch verändern?" und "Wer findet, die anderen sollten sich verändern?" - sehr charmant und authentisch. Doch das beherrschende und ernste Thema des Abends war das Erstarken der rechtspopulistischen Partei AfD bei den vergangenen Landtagswahlen in Deutschland.

Heino Tiskens, Gewinner des zweiten Vorrundenabends, macht sich in seinem Bühnenprogramm Gedanken zu dieser und anderen Fragen. Der hauptberufliche Physiotherapeut reimt, schreibt und singt über Europa, über das kränkelnde Gesundheitssystem und vor allem über Menschlichkeit. Tiskens entlässt das Publikum mit dem 30- Sekunden-Lied und den Zeilen "...ich wär' so gern eine Amöbe. Ich müsst mich teilen und sonst nix. Wann kriegt die Menschheit das gepeilt, dass nur der überlebt, der teilt?"

Das Publikum stimmt nach Michael Feindler mit Heino Tiskens auch dieses Mal für einen politischen Kabarettisten.

Quelle: RP
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