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Krefeld
Die vergessene Weltscheibe von Gelduba

Krefeld. Die Stadt hat einen Arbeitskreis installiert, der das Areal und die Historie des römisch-fränkischen Gellep wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken soll. Es geht um die Anerkennung des Niedergermanischen Limes als Unesco-Weltkulturerbe. Von Jochen Lenzen

Der älteste Krefelder Stadtteil - das östliche Gellep, das Gelduba der Römer - liegt umgeben von Gewerbebetrieben am Hafenbecken und ist per Auto nur sehr umständlich zu erreichen. Von der Fegeteschstraße führt ein kleiner Weg, seit kurzem erst als Castellweg beschildert, bis zu einem Stoppschild. Dort geht es nach wenigen Metern nach rechts und hinter einem Gleis der Hafenbahn gleich wieder rechts über einen Wendehammer hinweg bis zur Latumer Straße. Wenn man dort links abbiegt, ist man nach gut 200 Metern in Höhe der Stelle, wo vom Jahr 71 n. Chr. bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts nacheinander drei Römer-Kastelle standen. Sie waren Teile des Niedergermanischen Limes, dessen Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe von den Niederländern - jetzt auch unterstützt von der Stadt Krefeld - betrieben wird.

"Vor rund einem Monat hat die Krefelder Verwaltungsspitze den ,Arbeitskreis Weltkulturerbe' installiert, der jetzt von vier auf sechs Personen erweitert wurde", berichtet Christoph Reichmann, der Leiter des Museums Burg Linn. Neben dem Archäologen gehören dem Kreis seine Fachkollegen Annette Schieck und Hans-Peter Schletter, Jutta Maritzen von der Hafengesellschaft sowie je ein Vertreter des Oberbürgermeisterbüros und des Presseamts an. "Wir haben die Aufgabe, das alte Gelduba ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen und zu überlegen, was wir konkret dafür tun können", sagt Reichmann und verweist als zweite Maßnahme auf einen demnächst erscheinenden Flyer. Ein Acht-Minuten-Film über die Ausgrabungen von der Bataverschlacht im Jahr 69 n.Chr. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts ist bereits im Linner Museum zu sehen.

Ein allererster, inzwischen vergessener Schritt war bereits vor rund 40 Jahren getan worden, als südlich des Ostendes der Lanker Straße direkt an dem damals neu gebauten Hafenbecken ein kleiner Park angelegt wurde. Er ist nur über einen schmalen Fußweg erreichbar, der über ein weiteres Gleis der Hafenbahn führt, und bietet heute ein vernachlässigtes Bild. Mitten in hoch gewachsenem Gras steht in Erinnerung an die Römerzeit ein stark verschmutzter Metalltisch, auf dem die Lage der Kastelle, der Zivilsiedlung und der seinerzeit bekannten römisch-fränkischen Gräberfelder eingezeichnet sind.

Am Rande dieses kleinen Areals kann man - hinter Gestrüpp versteckt - einen römischen Matronenstein finden, der dort vor gut 1800 Jahren von sieben Legionären aufgestellt wurde. Es handelt sich allerdings um eine Nachbildung; das Original befindet sich mit etlichen anderen Funden und Fotos früherer Ausgrabungen im Linner Museum. Das gilt auch für den karolingischen Kahn, der einmal als Nachbildung am Rand des Hafenbeckens gestanden hatte und irgendwann abgebrannt war. - Die Wiederherstellung dieses Mini-Parks wäre eine ideale Maßnahme, das alte Gelduba wieder ins Bewusstsein zu rücken.

"Ab hier etwa ist das alte Römer-Areal im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen und so vor irgendwelchen Baumaßnahmen gesichert", sagt Reichmann und breitet etwa 100 Meter vor dem ehemaligen Kastell-Standort seine Arme aus. Gleich dahinter liegen unter dichtem Bewuchs nicht erkennbar die Fundamente des Römerbads, das schon direkt im 1. Jahrhundert als erster Steinbau Geldubas errichtet wurde. "Und hier, im Keller des Bauernhofs, bestehen noch Fundamente des südlichen Kastell-Turms", berichtet Reichmann.

Nördlich des besagten Bauernhofs liegen unter einer Wiese und einer anschließenden, stark bewachsenen Fläche an der Gelleper Straße - heute eine Sackgasse - die Fundamente der Verwaltungs- und der Kasernengebäude des letzten Römer-Kastells. Diese Reste wieder sichtbar zu machen, wäre eine fantastische Maßnahme für das Anliegen des "Arbeitskreises Weltkulturerbe". Eine Infotafel, so Reichmann, könnte neben Hinweisschildern ab der Fegeteschstraße sicher noch in diesem Jahr aufgestellt werden.

Quelle: RP
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