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Krefeld
Die vergnüglichen Briefe von Onkel Loriot

Krefeld. Schauspieler Johann von Bülow las neu herausgegebene Texte seines entfernten Verwandten Vicco von Bülow. Von Mojo Mendiola

Die kleine Kufa-Bühne war wieder einmal der vermutlich vergnüglichste Ort Krefelds. In den Jahren 1957 bis 1961, begründete Vicco von Bülow alias Loriot seinen Ruf mit einer Kolumne in der Zeitschrift "Quick" unter dem Titel "Der ganz offene Brief". Diese Texte wurden jüngst als Buch veröffentlicht, und der Schauspieler Johann von Bülow, ein entfernter Verwandter des Meisters, las aus diesen köstlichen "Leserbriefen" vor.

Die ursprünglich aus dem Mecklenburgischen stammenden von Bülows gehören zu den am weitesten verzweigten Familien Deutschlands. Der seinerseits bekannte Schauspieler Johann von Bülow begegnete seinem berühmtesten Verwandten Loriot nur zweimal.

Die fein gesponnene Satire, das Gespür für slapstick-artige Szenen und die sichere Hand in der Themenauswahl waren schon dem jungen Karikaturisten Loriot zu eigen. Ob es um die Tücken eines schwer zu öffnenden Olivenglases oder um den Gewissenskonflikt eines jungen Vaters ging, der sich im Restaurant, in dem seine vierjährige Tochter dringend einmal musste und sich niemand Fremdem anvertrauen wollte, inständig eine dritte Tür zwischen "H" und "D" wünschte - Loriot beschrieb es mit jener unwiderstehlichen Komik, die sein Markenzeichen wurde.

Und in Johann von Bülow fand er einen glänzenden Rezitator. Mit Wonne beschwor er die Männer, "ihre Gesundheit nicht auf den Zungen dauergeschwätziger Damen zergehen zu lassen", oder nahm sich vor, penibel formulierte Verbotstafeln mit ihrer eigenen Lückenhaftigkeit zu schlagen. Den modernen Massentourismus in seinen Auswüchsen nahm er aufs Korn, die Sollbruchstellen, die bei Gebrauchsartikeln die einst geschätzte Langlebigkeit ablösten, und den Einsatz Elvis Presleys auf deutschem Boden als Waffe im Kalten Krieg gegen die Sowjets. Und zu Zeiten, als noch niemand die Beziehungskisten-Offenbarungs-Shows im Nachmittagsprogramm des deutschen Privatfernsehens vorausahnen konnte, nahm Loriot sie dennoch als Vorschlag vorweg - angeregt von einem einzelnen TV-Ereignis in den USA.

Und dabei brannte von Bülow ein meisterliches Feuerwerk stimmlichen Variationsreichtums ab. Von süffisant hingehaucht bis alpin hingejodelt, von maskulin markant bis feminin gesäuselt, von bescheiden höflich bis anmaßend polternd - - ständig schlug er neue Töne an und begeisterte auch in schwäbischer, wienerischer und hamburgischer Mundart. Und auf der Leinwand hinter ihm erschienen auch die jeweils passenden Zeichnungen, die bereits alle Merkmale der später so berühmten Figuren aufwiesen - ein prächtiger Abend.

Quelle: RP
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