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Krefeld
Die Wagner-Debütanten von Krefeld

Krefeld: Die Wagner-Debütanten von Krefeld
Nach der Trauung: Elsa (Izabela Matula) kommen Zweifel. Sie möchte nun doch wissen, wer ihr Angetrauter ist. Auch wenn Lohengrin (Peter Wedd) ihr eingeschärft hatte: Nie sollst du mich befragen. FOTO: Thomas Esser
Krefeld. Drei Mitglieder des Musiktheater-Ensembles haben in den großen Partien in "Lohengrin" ihre Wagner-Premiere gegeben. Das Publikum feierte sie ausgiebig: Izabela Matula, Eva Maria Günschmann und Johannes Schwärsky. Von Petra Diederichs

Volles Orchester im Graben, dazu gastverpflichtete Bühnenmusiker und vier eigens aus Bayreuth importierte Königstrompeten, 73 Chorsänger und mehr als dreieinhalb Stunden netto Gesang, der dem Ensemble Schweißperlen aus den Stimmbändern presst: Wagners letzte große romantische Oper ist eine Mammutaufgabe. Die Premiere im Krefelder Theater hat bewiesen: Das Ensemble kann sie stemmen - und sogar fast aus eigener Kraft.

Mit minutenlangem Beifall feierte das Publikum den ersten "Lohengrin" seit 40 Jahren. Schon nach der zweiten Pause, vor dem dritten Akt, gab es Bravo-Rufe für die Niederrheinischen Sinfoniker, die den Orchestergraben ganz gehörig zum Leuchten brachten. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson folgte dem detailreichen Bauplan Richard Wagners und schattierte den Klang nuancenreich: groß, größer, bombastisch, aber gerade auch in den leisen Passagen gewillt, Farbnuancen auszutarieren. Da wehte nicht nur mit den originale Königtrompeten, die durch ihren langen schlanken Hals einen majestätisch-scharfen Ton setzen, auch ein kleiner Hauch Bayreuth durchs Parkett.

Das dunkle Paar: Ortrud (Eva Maria Günschmann) und Graf Telramund (Johannes Schwärsky) sinnen auf Pläne, um sich den Thron von Brabant zu sichern. FOTO: Thomas Esser

Der Engländer Peter Wedd wird als bester Heldentenor gefeiert, den Großbritannien derzeit zu bieten hat. Als Lohengrin glänzte er mit Kraft und Ausdruck. In zwei Aufführungen wird Haus-Tenor Michael Siemon die Titelpartie übernehmen. Dann sind alle Rollen fest in Krefelder Hand. Und das kann sich hören lassen.

Izabela Matula singt betörend schön. Sie ist eine sehr mädchenhafte Elsa im bodenlangen Blumenkleid (Kostüme: Ingeborg Bernerth). Wenn sie - des Mordes an ihrem Bruder angeklagt - auf einen Retter hofft, der ihr im Traum erschienen ist, gehört sie klar in die märchenhafte Welt, die Bühnenbildner Tom Musch mit den Burgzinnen symbolisiert, damit sie den Wänden des Gerichtssaals etwas märchenhaft Unwirkliches geben. Hier kann sie hoffen, dass die Utopie vom unvergänglichen Glück machbar ist. Den Saal mit seinem halbrunden Plenum und den Tapeten hat Much nach dem Vorbild des UN-Sicherheitsrates gebaut - als Welt, in der die harte Politik regiert. Hier gehören die Männer in den korrekten grauen Anzügen hin, deren Machtstreben höchst irdisch motiviert ist. Telramund ist so einer. Johannes Schwärsky - immer eine Bank für stattliche Bariton-Aufgaben - hat hier Raum zum Strahlen und um alle Asse aus dem Ärmel seines Businesshemdes zu zücken. Gemeinsam Eva Maria Günschmann (Ortrud) verkörpert er die dunkle, gierige Seite der Macht. Dabei ist er weitaus weniger unterkühlt als Gattin Ortrud: Günschmann ist eine eiskalte Lady im Chanel-Kostümchen, in deren Hand selbst die Couture-Handtasche zur Waffe werden kann. Ihre Augen blitzen hinter der Chefinnenbrille, wenn sie den Gattin für ihre Zwecke klein macht und vor Eifersucht auf Elsas Glück rasen möchte. Sie füllt die Figur aus, auch wenn sie es stimmlich es schwer hat, mit der Dramatik ihrer Konkurrentin mitzuhalten. Aber auch in kleineren Partien war viel Glanz zu hören. Matthias Wippich als kerniger König Heinrich war mit seinem gepflegten Bass auch ohne Übertitel immer verständlich. Zu den großen Gewinnern des Abends gehört auch Rafael Bruck, der die Partie des königlichen Heerrufers so warmtönend und innig zu einem Ereignis machte. - Mehr auf der überregionalen Kulturseite.

Quelle: RP
 
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