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Krefeld
Die Welt der Super-Koi

Krefeld. Vor 25 Jahren begann der Verein "Koi-Liebhaber am Niederrhein" mit acht Freunden der prächtigen Farbkarpfen - heute hat er 2500 Mitglieder. Die Tiere können enorme Werte darstellen. Der Verein richtet am Wochenende die "Interkoi" aus, bei der die schönsten Exemplare Europas zu bewundern sind. Von Jochen Lenzen

Dieter Hannen staunte nicht schlecht, als die vier kleinen bunten Fische, die er im Zoo Dittrich am Ostwall gekauft und in seinen Gartenteich an der Bloemersheimstraße gesetzt hatte, gute zwei Jahre später einen halben Meter groß geworden waren. "Dann habe ich nachgefragt und erfahren, dass es sich im Farbkarpfen, also um Koi handelt", sagt der heute 83-Jährige, der vor 25 Jahren mit acht Gleichgesinnten im Traarer Restaurant Lindenallee den Verein der Koi-Liebhaber am Niederrhein, kurz KLAN, gegründet hat.

Heute hat der Verein rund 2500 Mitglieder in ganz Deutschland und Europa. "Wir haben sogar zwei Mitglieder in Australien und eins in Indonesien", sagt Hannen, inzwischen Ehrenvorsitzender des KLAN. Das Netzwerk wuchs derart an, dass der Verein seit 1994 sogar von der größten und wichtigsten Koi-Vereinigung in Japan, dem Herkunftsland und Zentrum der Koi-Liebhaberei, als German Chapter anerkannt wurde.

Die Faszination der Koi (japanisch für Karpfen; die Singular- ist auch die Pluralform) erklärt sich aus der Schönheit der Tiere, die es in dreizehn, sich in Musterung und Farbe unterscheidenden Zuchtvarianten gibt, wie Horst Reiter, Vorsitzender des Vereins, erläutert. Jeder Koi-Freund sei bemüht, möglichst viele dieser Varianten zu sammeln. Farbtiefe und -dichte sind denn auch neben Körperform und Hautqualität Kriterien für die Bewertung der Fische bei allen Wettbewerben. "Es ist faszinierend, die Tiere wachsen zu sehen und ihre Farbveränderungen zu beobachten", sagt Reiter. "Japaner halten Koi, um Freunde und Geschäftspartner zu beeindrucken. Ich plädiere für eine Haltung, die Fische zu Haustieren zu machen, die man auch streicheln und von Hand füttern kann", sagt der Ehrenvorsitzende. "Es gibt nichts Entspannenderes, als sich 20 Minuten an den Teich zu setzen und den Tieren zuzusehen."

Schon für rund 20 Euro ist ein 15 Zentimeter kleiner Koi zu haben. Die schöneren Exemplare gibt es aber bei den Fachhändlern, wo sie zwischen 50 und 70 Euro kosten. Wenn sie eine Länge von 25 Zentimetern erreicht haben, können sie schon bis zu 300 Euro kosten. Für besonders schöne, einen halben Meter Länge überschreitende Tiere muss man mit Preisen zwischen 1000 und 5000 Euro rechnen. "Und wenn ein Koi bei unserem jährlich stattfindenden Europa-Championat, der "Interkoi", als Sieger hervorgegangen ist, kann sich dessen Wert verzehnfachen", erklärt Hannen. Bei diesen Wettbewerben mit bis zu 800 Tieren kommen die Preisrichter sogar aus ganz Europa, aus Südafrika und sogar aus Japan. Und um es auf die Spitze zu treiben: "Vor etwa 20 Jahren wurden dem japanischen Eigentümer unseres KLAN-Wappentieres eine Million Dollar geboten. Er hat das Tier nicht verkauft", erzählt der Ehrenvorsitzende.

Bei der Haltung der schönen, wertvollen Fische muss allerdings einiges beachtet werden. "Man kann Koi nicht in einer Folienpfütze halten. Ein Teich muss mindestens 1,50 bis zwei Meter tief sein und wegen des intensiven Stoffwechsels der Tiere eine gut funktionierende Bio-Filteranlage haben", sagt der Ehrenvorsitzende. Weil es damals in Deutschland aber keine Anbieter solcher Filteranlagen gab, ist der promovierte Ingenieur Mitte der 60er Jahre einem englischen Koi-Club beigetreten und hat seine erste Anlage nach dessen Unterlagen selbst gebaut. Für seinen heutigen, 30 Kubikmeter fassenden Teich mit 25 Tieren zwischen 25 und 70 Zentimeter Länge verfügt Dieter Hannen über eine Zehn-Kubikmeter-Filteranlage.

Etwa viermal im Jahr kommen die Freunde der Koi-Liebhaber am Niederrhein mit bis zu 60 Personen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern zu ihren Stammtischen zusammen, um Vorträge zu hören und zu fachsimpeln. Seit einem Jahr geschieht das im Pfannkuchenhaus in Moers-Holderberg. Jedes Mitglied des KLAN bekommt eine nach Postleitzahlen geordnete Mitgliederliste, damit er sehen kann, mit wem er in seiner Nähe Erfahrungen austauschen kann.

Quelle: RP
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